Was macht der Top-Stürmer?

Eintracht Frankfurt und das Rebic-Rätsel

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Hatte gestern ein unangenehmes Gespräch mit seinem Trainer zu führen: Stürmer Ante Rebic.

Eintracht-Stürmer Ante Rebic steht am Pranger – und am Scheideweg. Der Kroate hatte in Straßburg einen ganz schwachen Auftritt.

Adi Hütter musste sich für einen kurzen Moment sammeln, ehe er zu einer Generalabrechnung ansetzte, die sich gewaschen und die es bisher in dieser Schärfe noch nicht gegeben hatte. Adressat des geballten Hütter-Unmuts: Ante Rebic, der derzeit etwas sonderbar und auffällig lustlos rüberkommende Stürmer der Frankfurter Eintracht, der ganz schön viele Rätsel aufgibt.

Fußballlehrer Hütter meierte seinen kroatischen Stürmer nach der0:1-Niederlage im ersten Playoffspiel zur Europa League in Straßburg nach allen Regeln der Kunst ab. „Es geht um die Europa League, sich dann in einem wichtigen Playoffspiel so zu bewegen und sich so zu verhalten, das hat mir nicht gefallen“, polterte der Coach und legte nach: „In so einem Spiel möchte ich sehen, dass man sich zerreißt. Wenn er hier bleiben möchte, dann will ich, dass er das zeigt. Wenn nicht, müssen wir eine Lösung finden.“

Das Thema werde man nun offensiv angehen und das Gespräch mit dem Pokalhelden und Vizeweltmeister von 2018 suchen. „Natürlich werden wir uns mit ihm zusammensetzen und Klartext sprechen.“ In dieser Vehemenz ist der Coach bislang noch nie einen seiner Spieler öffentlich angegangen und hat ihn an den Pranger gestellt. Immerhin hat es dieses Gespräch am gestrigen Freitagmorgen gegeben. Hütter berichtete in gebotener Kürze und Nüchternheit: „Wir wissen, dass er anders spielen kann. Ich brauche ihn in Bestform, die hat er nicht gebracht.“ 

Rebic signalisiert Desinteresse und Gleichgültigkeit 

In Straßburg zeigte Rebic im ersten Abschnitt eine unterirdische Leistung, seine Körpersprache signalisierte Desinteresse und Gleichgültigkeit, zu allem Überfluss brachte der 25-Jährige auch fußballerisch rein gar nichts zustande. Jedes Abspiel landete beim Gegner oder er verhaspelte sich schon bei der Ballverarbeitung. Auffällig ist zudem, dass der Angreifer nicht mehr so explosiv, schnell und dynamisch wirkt wie in der Vergangenheit, oft lässt er sich von leichten Remplern aus der Bahn werfen und bleibt dann einfach stehen. In Straßburg legte er, wie schon in Mannheim bis zu seinen drei Toren zum 5:3-Pokalerfolg, einen bemerkenswert schlechten Auftritt hin, der in Halbzeitpause in der Kabine beendet wurde. Dort, erzählte Hütter, habe Rebic signalisiert, dass er einen Schlag abbekommen habe und ausgetauscht werden möchte, doch den dann vollzogenen Wechsel hätte es ohnehin gegeben. „Ich hätte ihn auch so erlöst“, bekundet Hütter.

In Frankfurt gibt es nicht wenige, die sich fragen: Was ist nur los mit Ante Rebic?

Will er seinen Abgang provozieren? Hat er als letzter verbliebener Spieler aus dem magischen Dreigestirn mit Luka Jovic, Sebastien Haller und ihm einfach keine Lust mehr? Fühlt er sich als Starspieler, der es nicht nötig hat, die letzten Meter zu machen oder den Gegner zu attackieren? Es ist, so oder so, eine explosive Mischung, eine diffizile Gemengelage. Denn nicht nur die Verantwortlichen sind angefressen, auch die Mitspieler registrieren die Haltung des Nationalstürmers. „Jeder weiß, ob er alles für den Erfolg getan hat oder nicht“, sagte Torwart Kevin Trapp, ohne Rebic namentlich zu nennen. „Wir haben in der ersten Halbzeit extrem viele Räume gelassen, weil nicht alle mitgearbeitet haben. Wir wissen, dass wir als Mannschaft nur bestehen können, wenn wir alle elf auf dem Platz Gas geben, verteidigen und angreifen. Das war nicht der Fall.“

Rebic steht am Scheideweg

Wie geht es jetzt weiter? Rebic ist ein spezieller Typ, nicht angepasst oder pflegeleicht, er ist keineswegs frei von Allüren. Schon in Leipzig und Florenz fiel er durch seine Eigenwilligkeit auf und durch, erst Niko Kovac brachte ihn in die Spur, verzweifelte auch oft an der Wankelmütigkeit und den Launen des Exzentrikers aus dem dalmatinischen Bergdorf Imotksi. „Mal Weltklasse, mal Kreisklasse“, urteilte der heutige Bayern-Trainer einst. Rebic steht am Scheideweg.

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Die Frage wird sein, wie Trainer Hütter den Akteur wieder zum Laufen bringen will. Denn es kann gut sein, dass sich Rebic als „beleidigte Leberwurst“ ins Schneckenhaus zurückzieht. Oder er forciert einen Wechsel. Das Problem: Bisher hat sich kein Topklub gefunden, der den Spitzenverdiener (knapp fünf Millionen Euro pro Jahr) aufnehmen und für 40, 45 Millionen auslösen würde. Die Eintracht wäre bereit, ihn gehen zu lassen, weil die Verantwortlichen sehr wohl gespürt haben, dass Rebic mit seinen Mätzchen und seinem Verhalten eine Mannschaft durcheinander bringen kann. Am 2. September schließt das Transferfenster. Ob Ante Rebic danach noch den Adler auf der Brust trägt? Zweifel sind zumindest angezeigt.

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