Rivalität

Hamburger SV will Werder Bremen überholen

- Ein Baumeister hat seine Pläne in heutigen Zeiten immer dabei. Kurz den Laptop ausgepackt, und schon kann man die neuesten Vorhaben nebst Modellbildern besichtigen. Bernd Hoffmann, der Vorstandsvorsitzende des Hamburger SV, präsentiert derzeit gern die neue Fußballwelt, die schon 2010 an der Arena im Volkspark Wirklichkeit werden soll.

4000 neue Stehplätze sollen geschaffen werden und ein weiterer VIP-Bereich. Das Stadion wird mehr als 61.000 Besucher fassen. Daneben wird ein vierstöckiges Haus errichtet, in dem Fans alles finden, was für sie wichtig ist.

„Wirtschaftlich“, sagt Hoffmann über den zweiten Stadion-Ausbau in wenigen Jahren, rechnen sich die dann 13.000 Stehplätze nicht. Aber es sei prächtig für die Stimmung und „damit auch gut für die Marke HSV“. Selbst vor der „gelben Wand“, der mächtigen Fantribüne in Dortmund, müsse man sich nicht verstecken. Das Fernduell mit dem anderen hanseatischen Klub, Werder Bremen, geht also auch außerhalb des Rasens weiter. Werder baut gerade das Weserstadion auf die Kapazität von 50.000 aus.

Selbstverständlich kann der Geschäftsgegner Hoffmann die Erfolge des in den vergangenen 22 Jahren überlegenen Konkurrenten Werder genau so schnell aufsagen wie die älteren HSV-Triumphe: „Drei Meisterschaften, vier Pokalsiege und einen Europacup-Gewinn“ seien es gewesen, während der letzte Titel seines Vereins 1987 der DFB-Pokal war. Das wurmt die Hamburger seit Jahren. Was der HSV-Boss vor dem UEFA-Cup-Halbfinalhinspiel (Donnerstag 20.30 Uhr in Bremen, live auf SAT.1) der beiden Klubs lieber nicht ausspricht: Der HSV ist – unabhängig vom Ausgang des Nordderbys – gerade dabei, die Bremer zu überholen.

Denn Werder muss als Bundesliga-Zehnter in der neuen Saison nicht nur auf jenes Geld verzichten, mit dem man sich ein Spitzenteam leisten konnte. Aus fünf Champions-League-Teilnahmen, errechnete Hoffmann, nahmen sie „mindestens 100 Millionen Euro mehr ein als ein vergleichbarer Bundesligaklub“. Zudem könne der HSV beim Kartenverkauf und der Hospitality, also dem Service in Logen und „Business-Seats“, im Jahr etwa 50 Millionen Euro einstreichen, die Bremer maximal 25 bis 30 Millionen. Der Bonus der größeren Stadt.

Sollte sich der HSV für die Champions League qualifizieren, würden aufgrund eines neuen Vermarktungssystems noch einmal 20 Prozent mehr herausspringen als in den vergangenen Jahren. Eines weiß auch Hoffmann: „An das große Geld kommt man nur noch, wenn man den Briefkopf verändern kann oder in der Champions League mitspielt.“ Stimmt nicht ganz: Werder kann zwar seinen Briefkopf noch verändern, indem man nach dem Sieg über den HSV DFB-Pokalgewinner werden und bei weiteren Triumphen über den HSV noch den UEFA-Cup gewinnen kann. Nur: Im UEFA-Cup tut man mehr für das Image als für die Finanzen. Nur etwa vier Millionen Euro blieben in den vergangenen Jahren in diesem Wettbewerb jeweils beim HSV hängen.

Doch selbst auf die Finanzkrise sind die Hamburger, obwohl der Stadion-Namensgeber, die HSH Nordbank, wegen riesiger Minusgeschäfte 2010 wohl aussteigen muss, gut vorbereitet. Auch, weil man wenig von den 18 Millionen Euro ausgab, die man im Winter von Manchester City für Nigel de Jong einstrich.

Blickt man ganz weit voraus, was im Fußball noch schwieriger geht als in der Wirtschaft, könnte der HSV tatsächlich wieder langfristig mit den Bayern konkurrieren. 2017 wird nämlich der Stadionkredit (60 Millionen Euro) abgetragen sein. Macht man beim HSV bis dahin so wenige Fehler wie die Bremer in den vergangenen 20 und die Hamburger in den jüngsten fünf Jahren, dann kann er noch mehr in Steine und Beine investieren.

von Jörg Marwedel

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