Fan-Gewalt

Kind fühlt sich von der DFL im Stich gelassen

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Fankrawalle beim Spiel Borussia Dortmund gegen Dynamo Dresden.

Berlin - Hannovers Präsident Martin Kind ruft in der Diskussion um die Ausschreitungen bei Fußball-Spielen die DFL zur Hilfe auf: „Sie darf uns nicht immer im Regen stehen lassen.“ Die Politik hat den Ruf von Polizei und Sport erhört. Ein Runder Tisch soll Abhilfe schaffen.

Nach den jüngsten Krawallszenen in deutschen Fußballstadien verlangt Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich schnelle Problemlösungen. „Wir werden eine Antwort finden müssen. Denn diese Gewalteskalation ist so nicht hinnehmbar“, betonte der CSU-Politiker in der ARD-„Sportschau“. Auch am Wochenende gab es wieder Fan-Prügeleien, verletzte Polizisten und zahlreiche Festnahmen. Doch Vereine und Verbände können vor dem Krisengipfel am 14. November keine Patentrezepte präsentieren. „Ich fühle mich auch überfordert, genau zu beurteilen, wie man diese Fan-Krawalle zukünftig verhindern will“, bekannte DFB-Sportdirektor Matthias Sammer in der „Bild am Sonntag“.

Die schweren Ausschreitungen beim DFB-Pokalspiel seines Ex-Vereins Dynamo Dresden in Dortmund haben das Gewalt-Probleme wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. „Ein Verein wie Dynamo ist da auch ein Stück weit hilflos und benötigt Unterstützung in der Zukunft“, meinte Sammer. Die Ausschreitungen setzten sich am 11. Spieltag der Bundesliga fort. Am Samstag überfielen zwölf vermummte Anhänger des VfB Stuttgart auf einer Raststätte einen Bus mit Fans von Borussia Dortmund. In der Nacht zum Sonntag prügelten sich an einer Tankstelle in Werne (Nordrhein-Westfalen) BVB-Anhänger und Bremen-Fans.

Auch im Amateurfußball eskalierte wieder die Gewalt. In Krefeld wurden beim Spiel des KFC Uerdingen in der NRW-Liga sechs Polizisten verletzt. Rowdys bewarfen die Einsatzkräfte mit Pflastersteinen, Knallkörpern und einem Gully-Deckel. Daneben hätten die Randalierer am Freitag Reizgas eingesetzt. Sechs Polizeiautos wurden beschädigt. Zudem verwüsteten die Randalierer viele Vorgärten. Insgesamt nahm die Polizei über 20 Personen fest.

Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hofft auf Selbstreinigungskräfte: „Ich möchte an die Fans appellieren, das Ganze schnell einzustellen“, sagte er. Er plädierte dafür, vor allem mit den „Ultras“ das Gespräch zu suchen. Der FC Bayern habe mit dieser Bewegung im Zusammenhang mit der Verpflichtung von Torwart Manuel Neuer und Attacken gegen Präsident Uli Hoeneß auch Probleme gehabt. Kommunikation sei besser als drakonische Strafen.

Bundespolizei und die Gewerkschaft der Polizei (GdP) wollen ihrerseits nicht länger Zielscheibe von Aggressionen sein. In Frankfurt kommen am Mittwoch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Polizei zusammen. „Politik und Gesellschaft sollten auf die Fanszene einwirken und erreichen, dass sie Pyrotechnik nicht länger als Teil ihrer Kultur betrachtet“, sagte Friedrich Eichele, Präsident der Bundesbereitschaftspolizei, der „Süddeutschen Zeitung“.

Laut GdP-Chef Bernhard Witthaut suchen Ultra-Fans die Gewalt gegen Polizisten. „Sie attackieren uns gezielt“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Er sprach von 10 000 Störern in Deutschland, „von denen 2500 als ’Gewalt suchend’ eingestuft sind“.

Kind: "Die DFL darf uns nicht immer im Regen stehen lassen"

Bei einem Runden Tisch am 14. November will Bundesinnenminister Friedrich mit Vertretern der Landesinnenminister, der Verbände und der Clubs über Maßnahmen beraten. Hannover-Präsident Kind dämpfte die Erwartungen an das Treffen: „Es wird diskutiert, es werden Arbeitsausschüsse gebildet und irgendwelche Vorschläge gemacht. Das wird unser Problem nur begrenzt lösen“, meinte der 67-Jährige am Sonntag im TV-Sender Sport 1.

Kind nimmt auch die Deutsche Fußball Liga in die Pflicht: „Da muss die DFL jetzt mal die Meinungsführerschaft übernehmen und uns nicht immer im Regen stehen lassen und uns mit Strafen belegen“, erklärte der 96-Chef. „Wir zahlen immer nur, aber haben keine Unterstützung.“

Diskutierte Sanktionen reichen über Spielabsagen und -abbrüche bis zum Komplettausschluss der Zuschauer. „Man müsste einfach mal sagen: Schluss, Ende, Aus“, sagte GdP-Chef Witthaut. „Wir müssen darüber nachdenken, dass der DFB die Möglichkeit in Anspruch nimmt, Spiele ganz abzusagen, wenn es gesicherte Erkenntnisse über massive, gewalttätige Auseinandersetzungen gibt.“

Michael Gabriel von der Koordinationsstelle Fanprojekte warnt allerdings vor undifferenzierten Maßnahmen und Sanktionen, „die wie eine Gießkanne alle treffen, auch Unschuldige“. Dies wäre kontraproduktiv. „Dann würde man viel mehr Fans gegen sich haben und nicht die isolieren, die wir isolieren müssen.“

Sachsens Innenminister Markus Ulbig sprach sich für eine konsequente Umsetzung von Stadionverboten aus. „Das betrifft Ausschreitungen in den Stadien als auch auf An- und Abreisewegen“, sagte der CDU-Politiker der „Sächsischen Zeitung“ (Samstag).

dpa

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