Sperre in der Champions League

Klopp setzt nach Ausraster auf Telepathie

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Jürgen Klopp: „Dafür muss man bestraft werden und das ist komplett in Ordnung."

Dortmund - Erstmals in seiner Zeit in Dortmund muss Jürgen Klopp ein Spiel von der Tribüne aus anschauen. Auf Geheiß der UEFA geht der BVB ohne den Beistand seines Cheftrainers in die Champions-League-Partie gegen Marseille. Das macht die ohnehin knifflige Aufgabe nicht leichter.

Der Vulkan ruht. Zwei Wochen nach seinem vieldiskutierten Wutausbruch am Fuße des Vesuvs wird die Trainerbank für Jürgen Klopp zur Tabuzone. Die Strafe der UEFA zwingt den Dortmunder Fußball-Lehrer dazu, das Champions-League-Spiel seiner Mannschaft am Dienstag gegen Olympique Marseille (20.45 Uhr/Sky) erstmals von der Tribüne aus zu verfolgen. Stattdessen wird Assistent Zeljko Buvac das Team coachen. Klopp sieht keine Probleme und setzt im Zusammenspiel mit seinem langjährigen Weggefährten auf Gedankenübertragung: „Wir brauchen keine Leitung. Zeljko und ich arbeiten meistens telepathisch zusammen - alles wird gut.“

Vor der kniffligen Aufgabe gegen den Tabellendritten der Ligue 1 sind alle Beteiligten darum bemüht, das Problem mit dem fehlenden Chefcoach herunterzuspielen. Keinem der Profis kam im Vorfeld der Partie ein Vorwurf an den Coach über die Lippen. „Natürlich ist das ein Handicap. Aber wir wissen auch so, was wir zu tun haben“, meinte Robert Lewandowski. Nach eigenem Bekunden nimmt der Dortmunder Torjäger das Geschehen in der Coaching-Zone während der Partie ohnehin nur am Rande wahr: „Wenn ich mir das Spiel nachher zu Hause im TV anschaue, wundere ich mich manchmal auch, was Kloppo gemacht hat.“

Die von der UEFA bis auf weiteres ausgesprochene Strafe für ein Spiel hält Klopp für gerechtfertigt. „Dieser letzte Moment mit dem vierten Schiedsrichter in Neapel, der geht überhaupt nicht. Den verzeihe ich mir auch nicht“, sagte Klopp dem TV-Sender Sky. „Dafür muss man bestraft werden und das ist komplett in Ordnung.“ Anstelle von Klopp rückt der von Mittelfeldspieler Nuri Sahin als dessen „Zwillingsbruder“ bezeichnete Buvac ins Rampenlicht. Der schweigsame Bosnier, der alle Interview-Wünsche vor der Partie lächelnd ablehnte, genießt im Mannschaftskreis eine ähnlich hohe Wertschätzung wie der Chefcoach. Sahin hält große Stücke auf den 52-Jährigen, der seit 2001 als Assistent von Klopp arbeitet und als Spezialist für taktische Analysen gilt: „Zeljko redet nicht viel. Aber was er sagt, hat Hand und Fuß. Sein Wort ist Gesetz.“

Das 1:2 von Neapel hat für die Borussia auch in anderer Hinsicht ein Nachspiel. Nach seinem Platzverweis sitzt Roman Weidenfeller gegen Marseille eine Sperre ab. Damit fehlen dem Revierclub außer den Verletzten Marcel Schmelzer, Ilkay Gündogan, Sebastian Kehl und Lukasz Piszczek immerhin fünf Profis. Weidenfellers Platz im Tor wird Mitch Langerak einnehmen. Er debütiert - wie Schmelzer-Ersatz Erik Durm - bei einem Dortmunder Champions-League-Auftritt in der Startelf. Das Lampenfieber des Australiers hält sich in Grenzen: „Ich habe schon viele wichtige Spiele bestritten und versuche, so cool wie möglich zu bleiben.“

Ungeachtet der personellen Probleme herrscht Zuversicht. Die rauschende Generalprobe beim 5:0 über Freiburg schürte die Hoffnung, dass die Mannschaft den Fehlstart von Neapel vergessen machen kann. Zudem brennen die BVB-Profis auf Wiedergutmachung für die beiden Niederlagen gegen Marseille (0:3, 2:3), die vor zwei Jahren zum frühen Knockout in der europäischen Königsklasse beitrugen. „Da haben wir noch eine Rechnung offen. Aber dieses Spiel wollen wir auch unabhängig von etwaigen Revanchegedanken gewinnen“, kommentierte Mats Hummels im „Kicker“ (Montag).

Ähnlich wie Dortmund muss auch Marseille auf Stammspieler verzichten. Stürmer André-Pierre Gignac und Linksverteidiger Jérémy Morel fallen aus. Trotz der 1:2-Heimpleite zum Start in die Gruppe F gegen den FC Arsenal gehen die Südfranzosen wegen guter Leistungen in der Ligue 1 optimistisch in das Duell. Nach dem 2:0 am Samstag beim FC Lorient ist der Champions-League-Sieger von 1993 nur noch einen Zähler von der Spitze entfernt: „Wir müssen in Dortmund das machen, was wir am besten können. Gut verteidigen, aber auch mutig sein und unsere Qualitäten zeigen“, sagte Trainer Elie Baup.

dpa/r.

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