Löw setzt auf Ballack - Frust bei Kuranyi

+
Jogi Löw (l.) mit Michael Ballack.

Freiburg - Joachim Löw hat Michael Ballack trotz der erneut längeren Verletzungspause nicht abgeschrieben. Für Kevin Kuranyi dagegen gibt es kein Zurück, das weiß auch der Ex-Schalker.

Die Bedenken sind noch nicht verschwunden, doch Joachim Löw sieht im großen Kämpferherzen von Michael Ballack einen großen Trumpf des Kapitäns. Nach einer erneuten Gespräch mit dem verletzten Ballack geht der Bundestrainer weiter von einer Rückkehr des Nationalmannschafts-Kapitäns aus. “Michael ist unheimlich ehrgeizig. Er hatte jetzt zweimal mit größeren Verletzungen zu kämpfen. Aber Michael will seine Karriere unbedingt international fortsetzen. Ich gehe davon aus, dass er das schafft“, sagte Löw in einem Interview mit dem Berliner Boulevard-Blatt “B.Z.“ (Donnerstag).

Obwohl die ursprüngliche Prognose der Ausfalldauer von sechs Wochen inzwischen überholt ist und Ballack frühestens im kommenden Jahr in die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zurückkehren könnte, sieht Löw noch Chancen für den inzwischen 34-jährigen Profi. Der 98- malige Nationalspieler hatte sich am 11. September im Bundesligaspiel von Bayer 04 gegen Hannover 96 eine Fraktur im Schienbeinkopf des linken Beines zugezogen, nachdem Ballack gerade einen Riss des Syndesmosebandes überstanden hatte. Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler nannte vorsichtig den Dezember als möglichen Comeback-Termin für Ballack für Bayer.

Löw nahm in der vergangenen Woche wieder Kontakt zu Ballack auf, nachdem der erneut verletzte Leverkusener am Rande des EM- Qualifikationsspiels Anfang September in Köln gegen Aserbaidschan (6:1) das DFB-Team besucht hatte. Er wünsche ihm, “dass er bald wieder fit ist, um zu spielen“, erklärte der Bundestrainer.

Zuvor hatte Löw allerdings bereits auf den schweren Weg für Ballack verwiesen, der bei der WM in Südafrika nicht dabei sein konnte. “Die Zeit läuft weiter, die Entwicklung geht weiter. Neue, junge Spieler rücken nach“, bemerkte der DFB-Chefcoach. Für die EM- Ausscheidungsspiele am 8. Oktober in Berlin gegen die Türkei und vier Tage später in Kasachstan plant er schon länger ohne Ballack.

“Dieses Spiel ist von großer Bedeutung“, blickte Löw bereits auf die Partie der beiden noch verlustpunktfreien Kontrahenten. “Die Türkei ist unser Hauptkonkurrent in der EM-Qualifikation, von daher wird die ganze Atmosphäre toll sein. Berlin, viele türkische Fans. Das wird ein Highlight“, sagte der 50 Jahre alte DFB-Chefcoach, der für das letzte Länderspiel des Jahres am 17. November gegen Schweden in Göteborg bereits die Nominierung der Mainzer Aufsteiger Lewis Holtby und André Schürrle sowie der Dortmunder Talente Mario Götze, Kevin Großkreutz und Mats Hummels angekündigt hatte.

Vielleicht überrascht Löw aber schon bei der Benennung seines Türkei-Aufgebots an diesem Freitag. “Ich werde erst noch den Donnerstag abwarten und mich dann mit U21-Trainer Rainer Adrion unterhalten“, kündigte der Bundestrainer an.

Die erneut klare Absage an Kevin Kuranyi hat beim inzwischen für Dynamo Moskau spielenden Stürmer Unverständnis und Frust ausgelöst. “Wenn man meine Karriere betrachtet, sieht man doch, dass ich in den unterschiedlichsten Systemen erfolgreich gespielt und immer meine Tore gemacht habe“, konterte Kuranyi auf seiner persönlichen Internetseite die jüngsten Aussagen von Löw, Kuranyi passe nicht in die Philosophie seines Teams.

“Nach den Erfahrungen der letzten Monate glaube ich nicht, dass ich von Herrn Löw noch einmal nominiert werde, sonst hätte er es ja längst gemacht. Realistisch ist das also nicht mehr und die Hoffnung schwindet mehr und mehr“, erklärte der 52-malige Nationalspieler, der nach seiner heimlichen Stadionflucht im Oktober 2008 in Dortmund gegen Russland von Löw ausgeschlossen worden war. “Dennoch kämpfe ich weiter. So ist mein Naturell und so halte ich es auch auf dem Platz. Wer mich kennt, weiß, dass ich erst aufgebe, wenn das Spiel definitiv zu Ende ist“, schloss Kuranyi jedoch noch an.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare