Geschockt, geheult, gefeiert: Lucio Brasiliens Held

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Lucio ließ den Tränen freien Lauf.

Johannesburg - Die ersten Tränen wischte Lucio noch verschämt mit seinem gelben Trikot weg. Dann heulte Brasiliens Kapitän wie ein Schlosshund.

Und als die Profis des fünfmaligen Weltmeisters nach ihrem Triumph beim Confederations Cup auf dem Rasen einen Kreis bildeten und auf die Knie sanken, betete der Profi des FC Bayern München mit erhobenen Händen so inbrünstig wie vielleicht noch nie in seinem Fußballer-Leben. Nach seinem Siegtor zum 3:2 (0:2) gegen die fabelhaften US-Boys in Johannesburg rechnete der 31-Jährige mit seinen Kritikern in Deutschland ab: “In den letzten Tagen habe ich einige unangenehme Überraschungen erlebt. Als man mir gesagt hat, dass der FC Bayern nicht mehr mit mir plant, war das ein Schock für mich. Aber jetzt bin ich glücklich.“

Die Berichte, dass Lucio bei Münchens neuem Coach Luis van Gaal trotz seines bis 2010 laufenden Vertrags auf der Streichliste stünde, haben den Abwehrspieler tief getroffen. “Es war eine harte Saison. Nur Gott weiß, was ich durchgemacht habe“, erklärte der aufgewühlte Lucio im Ellis Park-Stadion. “Ich danke meiner Mannschaft und meiner Frau Dione , die mich immer wieder aufgebaut haben.“ An dem kantigen Kicker prallen eben nur die Gegenspieler ab wie von einem Rammbock. “Gott ist der einzige, der mir Kraft gibt. Er kennt die Momente, wenn man traurig ist und alleine auf seinem Zimmer weint“, meinte der religiöse Profi. Seit 2004 ist Lucio bei den Bayern und nach seinen Confed-Cup-Auftritten hat sich der Stellvertreter von Kapitän Mark van Bommel für noch höhere Aufgaben bei seinem Arbeitgeber empfohlen. “Ich weiß nicht, wie meine Zukunft aussieht“, sagte er jedoch.

“Wir können es noch schaffen! Wir können! Wir können!“ - mit diesen Parolen hatte Lucio immer wieder “diese wunderbare Truppe“ angefeuert. Und in der 84. Minute köpfte ausgerechnet er zum 3:2 ein. Am Ende schwenkte Lucio nicht nur den Pokal für den Turniersieg, sondern auch den Fairplay-Preis. Luis Fabiano , der in dem fulminanten Finale per Doppelschlag den 0:2-Pausenrückstand durch Clint Dempsey und Landon Donovan wettgemacht hatte, streckte den “Goldenen Schuh“ begeistert in die Höhe, den er als Torschützenkönig (5 Treffer) erhalten hatte. Und Superstar Kaká reckte den “Goldenen Ball“ als Top-Akteur in die Kameras. Vor 52 291 Zuschauern feierten die Spieler der “Seleção“, als ob sie schon zum sechsten Mal Weltmeister wären.

Das taten Ronaldinho & Co. nach ihrem Turniersieg 2005 in Deutschland ebenfalls - und gingen dann ein Jahr später baden. “Wir müssen diese Euphorie vermeiden, die wir damals vor der WM hatten“, warnte Kaká und erinnerte an das Trainingslager unter Trainer Carlos Parreira 2006 in der Schweiz, das Züge einer Karnevalsveranstaltung hatte. Doch unter den beiden früheren Bundesliga-Profis Carlos Dunga und dessem Assistenten Jorginho ist ein ganz neuer Zug drin. “Wir werden uns ruhig und konzentriert vorbereiten. Es wird auch darauf ankommen, wie die Spieler mit der Favoritenrolle umgehen können“, sagte Chefcoach Dunga: “Wenn wir dazu fähig sind, dieses Turnier zu gewinnen, dann sind wir noch zu viel mehr fähig.“

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Ein Jahr vor dem Weltturnier in Südafrika und 15 Jahre nach ihrem Viertelfinal-Aus gegen Brasilien bei der Heim-WM 1994 stürmten die Amerikaner auf die internationale Bühne. “Wir haben der Welt gezeigt, dass wir Fußball spielen können“, sagte der frühere Hamburger und gebürtige Brasilianer Benny Feilhaber nach der grandiosen Vorstellung seines Teams in der ersten Halbzeit und dem vorherigem Sieg gegen Europameister Spanien.

Dabei glänzte auch Donovan, der vor einigen Monaten beim FC Bayern intern noch als “Vollblinder“ belächelt worden war. “Die USA haben gezeigt, dass sie eine Fußball-Supermacht herausfordern können, sie müssen sie nur noch besiegen, um einen großen Titel zu gewinnen“, schrieb die “New York Times“ nach der “herzzerbrechenden Niederlage“.

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