WM 2014

Miroslav Klose drängt sich auf

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Foto: Hat er heute wieder Grund zum Salto? Miroslav Klose nach seinem Treffer gegen Ghana.

Porto Alegre - 36 Jahre und kein bisschen müde: Miroslav Klose hat gute Chancen, im WM-Achtelfinale gegen Algerien an der Seite von Thomas Müller in der Startelf zu stehen.

Im Alter von 36 Jahren und mit 15 Toren bei vier Fußball-Weltmeisterschaften darf man dem Bundestrainer schon einmal ungefragt einen nicht ganz uneigennützigen Tipp geben. „Auch 90 Minuten wären für mich kein Problem“, sagte Miroslav Klose mit Blick auf das heutige Achtelfinalspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Algerien. Was Klose damit zu verstehen geben wollte: Er ist fit, und wäre er Joachim Löw, würde er diesen Klose von Beginn an auflaufen lassen.

65 Minuten hat Klose bei der WM in Brasilien bislang gespielt, 20 Minuten beim 2:2 gegen Ghana, 45 Minuten beim 1:0 gegen die USA. Kommt er nun gegen Algerien erstmals nicht als Einwechselspieler – in Löws WM-Jargon „Spezialkraft“ genannt – zum Einsatz, sondern steht im „Estadio Beira-Rio“ in der Anfangsformation?

Klose ist der einzige klassische Mittelstürmer im deutschen Aufgebot. Klassischer Mittelstürmer ist eine aussterbende Spezies im modernen Fußball. Oliver Bierhoff, Nationalelfmanager und früher selbst Vertreter dieses Spielertyps, sagt, dass „mir diese Entwicklung wehtut“. Doch auch in der deutschen Mannschaft ist sie nicht mehr aufzuhalten.

Löw experimentiert seit anderthalb Jahren an der Variante herum, mit Spielern, die eigentlich keine Stürmer sind, in der zentralen vorderen Position anzugreifen. Doch bei der WM scheint der Bundestrainer vor dem Achtelfinale noch einmal ins Grübeln gekommen zu sein – Klose könnte heute der Nutznießer davon werden.

In allen drei Vorrundenspielen hatte Löw die Rolle mit Thomas Müller besetzt, der bei ihm bis dahin seinen Platz auf dem rechten Flügel hatte. Zweimal in Brasilien korrigierte der 54-Jährige diese Variante durch die Einwechslung von Klose, rettete damit gegen Ghana ein Unentschieden und stellte gegen die Amerikaner die Weichen auf Sieg.

Löw hat seine Wunschformation im Angriff noch nicht gefunden, man erkennt das gut an der linken vorderen Position, auf der bislang Mario Götze, Lukas Podolski (er fällt gegen Algerien wegen einer Zerrung aus) und Mesut Özil eingesetzt wurden. Bislang hat der in keine Rolle zu zwängende Thomas Müller mit vier Toren das Stürmerproblem kaschiert. Löw sagt zwar, dass „wir immer in der Lage sind, viele Tore zu schießen“, doch nach dem furiosen 4:0 gegen Portugal klappte das in jedem Spiel schlechter. Vor dem Algerienspiel sagte Löw deshalb nicht ohne Grund: „Unsere Chancenverwertung könnte besser sein. Wenn wir das große Ziel erreichen wollen, müssen wir in dieser Hinsicht das Optimale rausholen.“

Genau an diesem Punkt kommt Klose ins Spiel, weil der Bundestrainer in den K.-o.-Begegnungen eine Gefahr sieht, die er öffentlich natürlich nicht zugibt: Was, wenn der Gegner es schafft, Müller den Weg zum Tor zu verbauen? Dann braucht die Mannschaft einen, der ähnlich viel Torgefahr ausstrahlt und über eine Robustheit verfügt, die Özil oder Götze nicht in die Waagschale werfen können. Bis auf Klose kann das in der deutschen Mannschaft niemand, dazu kommt seine außergewöhnliche Kopfballstärke. Was passiert, wenn Özil in Klose-Position eine gute Kopfballchance bekommt, war gegen die USA Anfang der 2. Halbzeit zu sehen – nichts nämlich.

Weil Löw den 36-Jährigen „nicht als statischen Stürmer“ sieht, sind seine Chancen, gegen Algerien in der Startelf zu stehen, stark gestiegen. Müller würde wieder nach rechts rausrücken, bei ihm spielt das ohnehin keine Rolle. Gegen die USA freute er sich, dass „ich tatsächlich mal ein schönes Tor geschossen habe“.

Auf Müller dürfte Verlass bleiben, auch heute, zumal er nach dem sehenswerten Siegtreffer gegen die USA von sich selbst überrascht festgestellt hat: „Ich habe den Ball mal so getroffen, wie ich es vorhatte. Auch das funktioniert.“

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