Zukunft der Nationalmannschaft

Über Hannover nach Brasilien

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Perspektive Brasilien: Mario Götze.

Warschau - Trotz des Ausscheidens hat die deutsche Mannschaft beste Perspektiven. Viele Talente stehen in den Startlöchern.

Als das Gespräch auf Brasilien kam, nahm Joachim Löw schnell eine Abbiegung, denn damit wollte er sich nun wirklich nicht beschäftigen. „Brasilien“, sagte der Bundestrainer, „ist noch ein ganzes Stück weg.“ Er meinte das nicht geografisch.

In Brasilien findet in zwei Jahren die Fußball-Weltmeisterschaft statt, danach endet Löws Vertrag. Brasilien wird die letzte Chance sein, seine hervorragende Arbeit mit einem Titel zu krönen. Es wird auch für Spieler wie Bastian Schweinsteiger, Lukas Podolski oder Kapitän Philipp Lahm die letzte Gelegenheit sein, um zu verhindern, dass die Fußballgeschichte sie irgendwann zu einer „goldenen Generation“ zählen wird, die leider, leider leer ausgegangen ist, wenn die großen Pokale verteilt wurden. Die Spanier oder Portugiesen haben das in der Vergangenheit schon alles erlebt.

Der Bundestrainer hat sich noch in der Nacht nach dem Halbfinal-Aus gegen Italien zu einem vehementen Plädoyer für seine Mannschaft und für die Zukunft des deutschen Fußballs aufgeschwungen. „Es gibt keinen Grund, alles infrage zu stellen“, sagte Löw: „Die Mannschaft hat uns zwei Jahre viel Freude bereitet, sie hat sich klasse entwickelt, wird diese Niederlage verkraften und aus ihren Fehlern lernen.“ Und dann schickte er einen Satz hinterher, bei dem man das Ausrufezeichen praktisch mithören konnte: „Das dürfen wir nicht vergessen!“

Löws Mannschaft besitzt ja nach wie vor beste Perspektiven. Miroslav Klose, der Senior des Teams, ist mit 34 Jahren der einzige Spieler, dessen Zeit in der Auswahl zu Ende sein dürfte, auch wenn er selbst sich noch ein WM-Turnier vorstellen kann. Deutschland besitzt Spieler wie Mesut Özil, Toni Kroos, Mats Hummels oder Holger Badstuber, keiner älter als 23 Jahre, die sich noch weiterentwickeln werden, deren Reifeprozess noch nicht beendet ist.

Dazu gibt es jüngere Spieler, die „nachdrängen“, wie es Löw immer nennt. Marco Reus hat bereits in Polen und der Ukraine andeuten dürfen, dass er einmal Weltklasse werden kann. Da ist Mario Götze, dieses Dortmunder Ausnahmetalent, das eine Verletzung vor dem Turnier vermutlich darum gebracht hat, ein EM-Star zu werden. Und Deutschland möglicherweise um den Tick Genie, der gefehlt hat. Doch Götze hat noch viele Turniere vor sich. Und da gibt es einen wie Ilkay Gündogan, auch er ein toller Fußballer, die Bender-Zwillinge Lars und Sven und und und …

Die deutsche Mannschaft war die jüngste bei der Europameisterschaft, das Alter und ihre Klasse sind ein Versprechen für die Zukunft. „Das gibt aber keine Garantie für einen Titel“, sagte Kapitän Lahm. Die Mannschaft wird sich in den nächsten zwei Jahren die Cleverness aneignen müssen, die ihr die Italiener voraushaben. Sie wird von den Spaniern lernen müssen, wie man kritische Situationen mit Ruhe und Ballkontrolle besser meistert und vor allem Fehler vermeidet wie gegen Italien. Denn an Löws Zustandsbeschreibung wird sich nichts ändern: „Wenn die besten vier Mannschaften aufeinandertreffen, ist die Luft sehr, sehr dünn.“

Nach Tagen, „in denen man in ein tiefes Loch fällt“ (Teammanager Oliver Bierhoff), werden sich Trainer und Spieler neue Ziele setzen, „eine neue Motivation finden“ (Löw). Dabei wird es auch darum gehen, sich auf die Suche nach der verlorenen Leichtigkeit zu machen, die der Mannschaft irgendwann und irgendwo zwischen der erfolgreichen EM-Qualifikation und der Endrunde abhandengekommen ist. Doch zunächst gilt, was Klose zum Motto für die kommenden Tage gemacht hat: „Erst einmal alles sacken lassen.“ Am 15. August geht es für die Nationalelf weiter mit einem Freundschaftsspiel in Frankfurt gegen Argentinien. Und dann beginnt auch schon die Qualifikation für Brasilien - am 7. September mit dem Spiel gegen die Färöer in Hannover. Über Hannover nach Brasilien. Was die Zukunft bringt? Philipp Lahm sagt: „In unserer Zukunft sieht es gut aus.“

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