ZDF hofft auf Champions League

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Köln - Dem Free-TV-Zuschauer steht ein Wechsel in der Champions League bevor. Der öffentlich-rechtliche Sender ZDF hat gute Chancen sich dieses Jahr für drei Jahre die Rechte zu sichern.

Der Champagner stand kalt und die Korken waren schon gelockert im Sommer 2008, als die Rechte für Champions und Europa League das letzte Mal vergeben worden sind. Das ZDF war sich sicher, die Champions League zu bekommen, die ARD wollte die Europa League. In letzter Sekunde aber grätschte Sat.1 böse dazwischen und sicherte sich beide Rechtepakete. Das werde ihnen nicht nochmal passieren, schworen sich die Verantwortlichen beim ZDF damals.

Am Freitag könnte die Stunde der Genugtuung für das ZDF gekommen sein. Dann will T.E.A.M., die Rechtevermarktungsagentur der UEFA verkünden, wer ab 2012 die Champions League im Free-TV in Deutschland überträgt: Sat.1 oder ZDF.

Finanziell soll das ZDF das bessere Angebot gemacht haben. Doch neben dem Recht auf Ausstrahlung der Spiele gehört zur Ausschreibung auch die Pflicht auf Ausstrahlung der Champions-League-Sponsoren. Und dieses Sponsoring verbietet der gerade verabschiedete 15. Rundfunkänderungsstaatsvertrag dem ZDF eigentlich nach 20.00 Uhr.

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Entsprechend schaut auch die Politik auf die Entscheidung. „Ich erwarte vom ZDF einen verantwortungsvollen Umgang mit Gebührengeldern und dass es im Falle des Zuschlags auf die Ausstrahlung der Sponsoren verzichtet“, sagte Burkhardt Müller-Sönksen, medienpolitischer Sprecher der FDP und Mitglied im Medienausschuss des Deutschen Bundestags, dem SID.

Der Leipziger Staats- und Medienrechtler Christoph Degenhart erklärt: „Der neue Staatsvertrag erlaubt ein Sponsoring nach 20.00 Uhr nur bei genau definierten Großereignissen, für die Champions League wäre das ein Finale mit deutscher Beteiligung.“

Die Angst bei Sat.1: Das ZDF zahlt neben den geschätzten 50 Millionen Euro pro Saison für die Rechte eine Entschädigung an die UEFA-Sponsoren dafür, dass sie nicht gesendet werden. Sat.1 sendet diese Sponsoren derzeit problemlos und kann das auch weiterhin tun - bekommt dafür aber kein Geld. Der sogenannte Mediawert der Sendezeit, in der die Sponsoren auf diese Weise präsent sind: geschätzt rund 15 Millionen Euro.

„Wir halten die Ausstrahlung der Champions League durch das ZDF unter dem neuen Rundfunkstaatsvertrag nicht für machbar, da das ZDF die Sponsorenhinweise nicht ausstrahlen darf“, sagt ProSiebenSat. 1-Sprecher Julian Geist und fügt gleich hinzu: „Wenn man versucht, die Sponsoren mit Gebührengeldern herauszukaufen, dann ist das ein Skandal und Gebührenverschwendung.“

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Beim ZDF in Mainz bleibt man trotz der Attacken aus Unterföhring gelassen. „Wir haben ein Angebot abgegeben. Dieses orientiert sich an den rechtlichen Grundlagen von heute und an denen, von denen wir bereits wissen, dass sie kommen“, sagte ZDF-Sprecher Andreas Stock dem SID: „Alles andere ist pure Spekulation.“ „Die Nicht-Erfüllung von Sponsoren-Verpflichtungen müsste in das Angebot eingepreist werden“, fordert FDP-Politiker Müller-Sönksen: „Alles andere wäre Wettbewerbsverzerrung.“ Medienrechtler Degenhart geht noch weiter: „Sollte das ZDF wirklich versuchen, die Sponsoren-Verpflichtung aus dem Vertrag rauszukaufen, wäre das für mich eine nicht unbedenkliche Umgehung der Rechtslage.“

Rechte-Vermarkter T.E.A.M. stand 2008 bei der Vergabe der Rechte für England vor einem ähnlichen Problem. Damals bot die öffentlich-rechtliche BBC um die Champions League mit - und bekam sie am Ende wegen des Sponsoring-Verbots nicht.

sid

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