Desolate HSG Bad Wildungen bei Pokal-Debakel gegen Thüringer HC

17:34 - Vipers werden auseinandergenommen

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Bad Wildungen - „Wir waren vorne und hinten überfordert“, brachte Bad Wildungens Torfrau Manuela Brütsch die gestrige Pleite der HSG in der zweiten Pokalrunde auf den Punkt.

„Ich hätte mir ein paar Fans mehr gewünscht“, sagte Carsten Koch, bevor er mit einem Aktenordner unter dem Arm die Ense-Halle verließ. Trotz des Aufrufs eines Sponsors die finanziell sehr stark angeschlagenen Vipers nach dem eingereichten Insolvenzantrag zu unterstützen, hatten gerade einmal 300 Zuschauer den Weg in die Halle gefunden, in der immerhin der Deutsche Meister gastierte.Und der ließ dem Erstligaschlusslicht nicht den Hauch einer Chance, sondern nahm die Vipers völlig auseinander.

Mitte der zweiten Halbzeit schüttelte HSG-Coach Markus Berchten aufgrund der vielen Unzulänglichkeiten seines Teams den Kopf, während sich die am Daumen verletzte Halblinke Sabine Heusdens, die zwar auf dem Spielbericht stand, aber natürlich nicht eingesetzt werden konnte, ihren roten Pullover über den Kopf zog, weil sie das einseitige Spiel nicht mehr mit ansehen wollte. Ein Tempogegenstoßtor nach dem anderen kassierte HSG-Keeperin Julia Gronemann nach dem Wechsel, so dass die sonst besonnene Torhüterin lautstark ihre Vorderleute anschrie, was auch in der ersten Hälfte schon Brütsch, ich hatte mir mehr Gegenwehr erhofft“, gemacht hatte, ohne dass dies etwas geholfen hätte.

„Bemitleidenswert“ fand Berchten seine starken Torhüterinnen, die mit ihren insgesamt 19 Paraden ein noch höheres Debakel des Tabellenletzten verhinderten. Nach der 2:1-Führung der HSG (2.) war spätestens beim 17:7 (22.) für die Gäste klar, dass die Vipers eine Packung in der zweiten Pokalrunde beziehen würden. Nach der 25:36-Pleite vor zwei Wochen in der Liga gegen den THC hatte Berchten zwar eine klare Niederlage erwartet „aber keine so hohe“. Dass die HSG, der auch Annika Busch (Muskelverletzung im Hüftbeuger) fehlte, hochkant aus dem Pokal flog, lag vor allem an ihrem katastrophalen Angriffsspiel mit einer Vielzahl von Fehlern.

Die zunächst auf Linksaußen aufgebotene Rebeca Cembranos Bruzon konnte weder dort noch später auf der Mitte Akzente setzen, sondern hatte einen rabenschwarzen Tag erwischt. Kein Wunder, dass Berchten die Leistung der Spanierin nicht kommentieren konnte. Dafür fand er Rechtsaußen Romana Grausenburger „blass“.

Das war noch stark untertrieben, denn die österreichische Nationalspielerin war ebenfalls ein Ausfall. Auch Laura Vasilescu, der dritte Neuzugang, enttäuschte. „Sie wusste, dass sie nach dem Ausfall von Sabi Verantwortung tragen musste, damit ist sie nicht zurechtgekommen“, sagte Berchten über die Rumänin. Am Kreis feierte in der Schlussphase Theresa Loll ein zehnminütiges Debüt, während in dieser Zeit Tessa Cocx auf der Mitte agierte.

„Das Spiel hat bei uns auch wegen der personellen Besetzung niemand Freude gemacht. Wir sind froh, wenn nach dem Buxtehude-Spiel die EM-Pause kommt“, sagte die Holländerin. Wie auch Brütsch, „die finanzielle Situation hat man im Hinterkopf“, hofft Cocx, dass die Insolvenz noch abgewendet werden kann. „Wir werden als Mannschaft weiterkämpfen, bis uns jemand sagt, dass dies keinen Zweck mehr hat“, sagte Cocx, „aber wir können - vom wirtschaftlichen her gesehen - nichts anderes machen, als die Sponsoren zu bitten noch mehr Geld reinzustecken.“

Zur aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung hielten sich die Vipers-Verantwortlichen wiederum bedeckt. „Wir sitzen mit mehreren Sponsoren zusammen und arbeiten an einem Konzept, dass wir in 14 Tagen präsentieren wollen“, sagte Jochen Backhaus. Der Beiratsvorsitzende geht davon aus, dass dann auch Koch seine Analyse erstellt hat. (jh)

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