Sportchef sieht Schuld an Finanzkrise bei Heß

Berchten: „Ich muss nicht rechnen“

- „Er hat eingekauft wie Hoffenheim im Fußball“

Von Jürgen Heide

Bad Wildungen. Markus Berchten, der Sportliche Leiter der Bad Wildunger Handballerinnen, hat die geäußerte Kritik von Ex-Vipers-Geschäftsführer Rüdiger Heß, „er hat eingekauft wie Hoffenheim im Fußball“, an seiner Transferpolitik zurückgewiesen. Von den 17 Verträgen, die wir haben, hat Heß 14 unterschrieben“, sagt der Schweizer.

Dessen Großeinkauf mit neun Neuzugängen hatte auch der neue Geschäftsführer Dirk Ex, hinsichtlich von Torhüterin Veselinka Trenoska, siehe auch Artikel unten links, und der immer noch nicht spielberechtigten Montenegrinerin Jovana Jovovic mit den Worten, „es kann nicht sein, dass wir Spielerinnen bezahlen, die nicht spielen können“, hart kritisiert.

Er habe auch keine Vorverträge abgeschlossen und Heß vor vollendete Tatsachen gestellt, sagt Berchten. „Bei den zweiten Gesprächen war Heß immer dabei“, so der Schweizer. Weil auch seine umstrittene Einkaufspolitik zu der wirtschaftlichen Krise bei den Vipers geführt hat, stellt sich die Frage, ob der Sportliche Leiter nicht selbst die Kosten seiner Neuzugänge hätte addieren müssen, damit durch diese der geplante Etat nicht überschritten wird.

Berchten verneint dies. „Meine Aufgabe ist die Spielersuche. Es ist nicht meine Aufgabe, die Kosten zusammenzurechnen, sondern das Budget ist Sache des Geschäftsführers“, sagt er und schiebt Heß die Schuld für die Finanzprobleme in die Schuhe.

Verließ sich Heß auf Merck?

Als Geschäftsführer hätte dieser, wie es nun Ex machen will, Berchten bremsen müssen, wobei sich die Frage stellt, ob sich Heß vielleicht darauf verlassen hat, dass Gesellschafterin und Hauptsponsorin Katharina Merck, so wie es in der Vergangenheit üblich war, die Etatlöcher stopft. Wie die Spielerinnen werden auch die Trainer auf zehn Prozent seines Jahresgehalts verzichten, wodurch die HSG insgesamt rund 50 000 Euro spart. So wird das gesamte Team in der nächsten Woche von Ex diesbezüglich Änderungskündigungen bekommen.

Dagegen hat der Abgang von Kreisläuferin Sabine Kirmse nach Fritzlar keine finanziellen Gründe. „Sie hat keine Zukunft mehr bei uns gesehen, so dass wir ihrem Wunsch entsprochen haben“, sagt Ex, der die Blondine gerne behalten hätte, auch weil sie aus der Region ist. „Sie ist ein gutes Mädchen und hat hier in den letzten zweieinhalb Jahren einen guten Job gemacht“, sagt Trainer Søren Jeppesen, „aber wir betreiben Leistungssport, und da ich Tessa Cocx und Andrea Willimann am Kreis für stärker erachte, konnte ich ihr keine Einsatzzeit garantieren“, fügt der Däne an. „Für Sabine war es der richtige Schritt, nach Fritzlar zu gehen. Für uns nicht, weil wir sie gerne behalten hätten“, sagt Berchten, der trotz dieser Aussage aber den Wunsch der Melsungerin auf Vertragsauflösung locker hingenommen haben soll.

Gleiche Fehler gemacht

In der Liga, wo sich viele Vertreter schon lange hinter vorgehaltener Hand die Frage stellten, wie die Vipers ihren aufgeblähten Kader finanzieren, wird der Aufsteiger mit Argusaugen beobachtet, weil alle Klubs das abschreckende Beispiel der Sindelfinger Insolvenz kurz vor dem Saisonstart noch vor Augen haben. Für die Handball-Bundesliga Frauen (HBF) war dies ein großer Imageschaden. Noch schwerer dürfte ein solcher durch die erneuten Finanzprobleme in Bad Wildungen zu reparieren sein, da bei der HSG wohl viele der Fehler, welche die seit November 2010 amtierende neue Führungscrew um Merck und Berchten den alten Machern Hans-Werner Derx und Michael Grieneisen vorgeworfen hatte, erneut gemacht wurden. Für die eh schon schlechte Außendarstellung der Vipers ist dies katastrophal.

„Im ersten Halbjahr 2011 habe ich keine besonderen Auffälligkeiten festgestellt“, bescheinigt Ligaboss Berndt Dugall den in diesem Zeitraum jeweils teilweise amtierenden Geschäftsführern Merck, Alexander Eysert und Heß solides Wirtschaften, das die HSG nach dem Aufstieg aufgegeben hat. Einen Etatansatz von 550 000 Euro hat Heß bei der HBF eingereicht, die den Vipers auferlegte, vierteljährlich ihre Finanzen offenzulegen. Dugall ist jedenfalls schon gespannt, welche Zahlen er für Juli bis September, wenn die Neuzugänge zu Buche schlagen, von der HSG erhalten wird.

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