Frauenhandball-Bundesligist HSG Bad Wildungen Vipers steht heute vor der schweren Auswärtsaufgabe beim Vierten Leverkusen

Bei Berchtens Trainerdebüt Bayer überraschen

- Bad Wildungen (jh) .Nach der über sechswöchigen Spielpause aufgrund der Weltmeisterschaft in Brasilien will der Erstligaaufsteiger bei der Premiere seines neuen Coachs Markus Berchten Spitzenteam Leverkusen ärgern.

In der Lounge der Ense-Halle hatte Markus Berchten am Donnerstag auf vier Zeichenblock großen Papieren seinen Spielerinnen taktische Vorgaben aufgeschrieben und Laufwege aufgemalt. Auch mit der Hilfe der Zettel möchte der Schweizer seinem neuen Team mehr Struktur verleihen und heute (19 Uhr, Smidt-Arena) beim Vierten ein erfolgreiches Trainerdebüt feiern. „In den nächsten vier Spielen wäre jeder Punkt von uns eine Riesenüberraschung“, sagt der 49-Jährige auch schon im Hinblick auf die Spiele gegen Oldenburg (4. Januar), in Buxtehude (22. Januar) und Leipzig (29. Januar). Zugleich fügt er aber an, „dass wir nach Leverkusen fahren, um zu gewinnen.“ Dabei sei die Partie wegen seines Debüts auf der Bank der Vipers für ihn persönlich „sicherlich etwas Spezielles“. „Ich habe schon in der Woche gemerkt, dass ich beim Einschlafen immer an Leverkusen denke. So etwas ist mir schon lange nicht mehr passiert“, spürt der frühere Schweizer Frauennationaltrainer ein „Kribbeln“ sowie „Vorfreude“ und eine „Vorbelastung“ . Allerdings sei er nicht so nervös, „dass ich fünfmal auf die Toilette muss“, fügt Berchten mit einem Grinsen an. Obwohl Bayer trotz der Ausfälle von Linksaußen Joyce Hilster (Fingerbruch) und Rechtsaußen Marlene Zapf (Leistenzerrung) der klare Favorit ist, wollen die Vipers gegen das immer noch gut besetzte Team nicht ängstlich agieren. „Leverkusen hat viel individuelle Klasse und ist vor allem im Rückraum ganz stark besetzt“, sagt Berchten. Zuletzt bildeten Spielmacherin Anne Jochin, die Halblinke Laura Steinbach und die Slowakin Denisa Glankovicova (Halbrechts) die Aufbaureihe, während Nationalspielerin Nadine Krause von der Bank kam. „Das zeigt, was Bayer für ein Potenzial hat“, sagt Berchten über das Team von Renate Wolf zu deren Kritik am Finanzgebaren der Vipers (siehe Interview unten) sich die HSG-Verantwortlichen nicht äußern wollten. Dass Bayer in der vom Zweitligisten HSG Bensheim/Auerbach gekommenenen Spielmacherin Kim Naidzinavicius noch ein Riesentalent und mit der Halblinken Roxanne Bovenberg noch eine holländische Nationalspielerin auf der Bank hat, zeigt ebenso die gute Besetzung des Tabellenvierten. „Wir müssen das Leverkusener Tempospiel unterbrechen, weil sie uns sonst kaputt laufen“, sagt Berchten, was seiner Mannschaft dadurch gelingen soll, indem sie bei eigenem Angriff mit Geduld spielen soll. „Wir müssen uns hundertprozentige Chancen kreieren“, fordert der neue Coach, der mit zwölf Akteurinnen ins Rheinland reisen will. Während Jugendspielerin Julia Ammann ihren Akku wieder aufladen soll und deshalb eine schöpferische Pause erhält, vervollständigt ihre Kollegin aus der A-Jugend, Marie-Theres Raum, das Team und soll aushelfen, falls Rechtsaußen Jessica Kleinmann eine Pause braucht. „,Mini‘ hat das Vertrauen der Mannschaft“, sagt Berchten über die 17-Jährige. Mehr Spielanteile als sein Vorgänger Søren Jeppesen will Berchten der Holländerin Marinda van Cappelle geben, die beim Turnier vor knapp zwei Wochen in St. Gallen überzeugt habe. „Sie hat die Angst verloren“, sagt der Schweizer über die Rückraumspielerin, die zuvor meist über Kurzeinsätze nicht hinauskam. Nunmehr plant Berchten mit einer „Viererrotation im Rückraum“, sodass van Cappelle auf Halblinks Sabine Heusdens entlasten soll. Heusdens wiederum hat Berchten in St. Gallen auch auf der Spielmacherposition getestet, um hier eine weitere Alternative zu haben. Für den Schweizer ist die 1,88 Meter große van Cappelle nicht nur eine Verstärkung für den Abwehrinnenblock der HSG, sondern mittlerweile auch eine „Angriffsoption“. Und das, obwohl sie nach einer Operation an ihrer rechten Schulter diesen noch nicht zu 100, „aber zu 95 Prozent“, so der Coach, belasten kann. „Marinda hat viel Vertrauen dazugewonnen. Sie ist ein vollwertiges Mitglied der Mannschaft“, sagt Berchten. Als fünfte Rückraumspielerin steht ihm Jovana Jovovic zur Verfügung. Weil die erst Ende August verpflichtete Montenegrinerin noch „Integrationsschwierigkeiten hat“, so Berchten, plant der Coach mit der 22-Jährigen erst einmal nur als Joker im Rückraum und als erste Alternative für Spielführerin Miranda Robben nach dem Abgang von Sophia Bepler auf Linksaußen. In der Abwehr will Berchten einige taktische Veränderungen vornehmen, über die er sich aber ausschweigt. „Wir haben eine gute Stimmung in der Mannschaft. Alle zwölf Spielerinnen sind fit. Wir schauen positiv nach vorne und sind bereit“, sagt Berchten und hofft, dass die in der Vergangenheit „nicht wirklich auswärtsstarken Bad Wildungerinnen“ zumindest „ein solides Auswärtsspiel“ in Leverkusen abliefern.

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