Trainerentlassung bei der HSG Bad Wildungen

Beschluss ohne plausible Begründung

- Bad Wildungen (jh). Einstimmig hätten die Gesellschafter, Berchten und er die Ablösung des dänischen Coachs beschlossen, sagt Ex. Für ihn ist Berchten „eine Dauerlösung“ als Trainer des Bundesligateams.

Am vergangenen Freitag gab es bei der HSG Bad Wildungen Vipers Sport und Marketing GmbH, die für den Spielbetrieb des Frauenhandball-Erstligisten zuständig ist, eine Gesellschafterversammlung.

„Die Trainerfrage stand dabei nicht auf der vorher festgelegten Tagesordnung“, sagt Dirk Ex. Doch während der Sitzung hätten die Gesellschafter ihn aufgefordert, „in der Trainerfrage genau hinzuschauen“, sagt der Geschäftsführer. Die Gesellschafter, also Katharina Merck, Alexander Eysert und drei Vertreter des Vereins VfL Bad Wildungen „haben uns mit Nachdruck aufgefordert, so rasch wie möglich für eine engere Verzahnung des Handballleistungszentrums mit dem Bundesligateam zu sorgen“, erzählt Sportchef Markus Berchten.

Diese trauten die Gesellschafter, von denen für den VfL wohl Geschäftsführer Wolfgang Ochs und der Vorsitzende Wolfgang Nawrotzki bei der Sitzung dabei waren, offenbar Jeppesen nicht zu. Dagegen aber Berchten. So sei innerhalb von einer Woche, so Ex, der Entschluss gereift, sich vom dänischen Coach, der erst im Juli sein Amt bei der HSG angetreten hatte, sich zu trennen.

Eine schlüssigere Begründung nannten Ex und Berchten zunächst nicht. Von „notwendigen Korrekturmaßnahmen“ sprach Ex und zitierte damit fast wörtlich die wachsweiche Pressemitteilung der Vipers, während Berchten erklärte, dass er trotz der Auswärtsschwäche der HSG mit den bisherigen fünf Punkten „zufrieden sei“ und „Mannschaft und Trainer bisher vernünftig gearbeitet haben.“

Wie Aale wanden sich die beiden Vipers-Verantwortlichen um eine schlüssige Begründung für die Beurlaubung von Jeppesen, anstatt Butter bei die Fische zu machen. Mit der Freistellung des Dänen hatten sie nicht nur diesen „völlig überrascht“, wie beide zugaben. Auch die Mannschaft sei über die Maßnahme „überrascht gewesen“, fügte Ex an. Offenbar war das Team, in dem es kritische Stimmen, aber auch Fürsprecher für den Trainer gegeben haben soll, so perplex über dessen Freistellung, dass es Ex für notwendig erachtet, am Montag noch ein Gespräch mit dem Mannschaftsrat, bestehend aus Kapitänin Miranda Robben, Ruta Latakaite, Sabine Heusdens und Tessa Cocx, zu führen, „um das Thema aufzuarbeiten“.

Verständlich, dass die Spielerinnen Erklärungsbedarf haben, weil Jeppesen offenbar auch dem Sparzwang bei der HSG zum Opfer fiel, was Ex zunächst bei der Pressekonferenz in der HSG-Geschäftsstelle auch zugab, bevor er diese Aussage wieder rief. Erst nach ständigen Nachfragen gab auch Berchten zu, dass er sich von dem Dänen, den er im Juni auf den Tipp eines Spielerberaters verpflichtet hatte, mehr erwartet hatte.

„Von der Idee, wie Søren vorhatte, spielen zu lassen, habe ich noch nicht alles gesehen. Das schnelle und dynamische Spiel, was er praktizieren lassen wollte, habe ich zu wenig gesehen“, wurde Berchten nach über einer Stunde Dauer des Pressegesprächs endlich konkreter.

Weitere Hintergründe, ein Interview mit Ex-Trainer Jeppesen und einen Kommentar zum Thema lesen Sie in Ihrer WLZ und FZ am Samstag.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare