Bundesliga-Handballerinnen der HSG Bad Wildungen Vipers feiern mit rund 400 Anhängern Saisoneröffnung

„Hier sind die Emotionen anders“

Frage und Antwortspiel: Moderator Jürgen GTrumpp hatte für alle Viper-Spielerinnen die passenden Fragen auf Lager und einige Antwort überschaschten. Fotos: malafo

Bad Wildungen. Launische Diva von der Ense, eine verrückte Nudel, Kaugummi-Mangel oder eine Heirat.

All diese Worte flossen bei der Saisoneröffnung der Handballerinnen des Bundesligisten HSG Bad Wildungen Vipers zusammen. Rund 400 Anhänger verfolgten am Samstag den Auftritt der neuformieren Mannschaft vor der Ense-Halle. Und sie konnten die Hitze kurz vergessen, weil Moderator Jürgen Trumpp die Spielerinnen mit viel Wissen und Wortwitz auf einer Bühne kurzweilig vorstellte.

Dort erfuhr der Vipers-Fan unter anderem, dass Anouk Nieuwenweg wichtige Tore nur dann erzielt, wenn sie in diesem Moment nicht nachdenkt, Torfrau Manuela Brütsch vom Bewegungsablauf her eine Hüpferin und die neu aus Nellingen gekommene Torhüterin Anna Bocka eher eine Steherin ist. „Solch ein gegensätzliches Duo kann man taktisch gut einsetzen, weil sie den Gegner stets vor neue Situationen stellt“, fügte Torwarttrainer Detlef Kleinmann hinzu.

Da Romy Bachmann-Morf plötzlich hinten vier Buchstaben mehr hat, kam sie nicht um eine Antwort auf eine Frage herum. Ja, sie sei seit dem 15. Juni unter der Haube. Die Spielmacherin hat fast ein Jahr verletzungsbedingt pausiert. Und obwohl sie nun schon über ein Jahr eine Viper ist, kann sie in Wildungen immer noch nicht ihren Lieblingskaugummi kaufen. „Am Einzelhandel müssen wir noch arbeiten“, machte Trumpp ihr Mut.

Bühnenreife Wortbeiträge

Einige Wortbeiträge der Spielerinnen waren wahrlich bühnenreif. Als Schrecken jedes Interviewers präsentierte sich einmal mehr Anna Maria Spielvogel. Es lässt sich aus ihren Worten nur schwer heraushören, ob sie nun Spaß macht oder nicht. Angesprochen auf Annika Busch, ihrer Konkurrentin auf der Rechtsaußenposition, sagte sie: „Für Annika ist es auf jeden Fall hart, hinter mir zu sein, aber ich denke, sie schafft das schon, sie hat eine richtig gute Vorbereitung gemacht und ich bin richtig stolz auf sie.“

Amüsant ihre schlichten Antworten, auf Fragen, bei denen viele Sportler weit ausholen würden. „Deine Formkurve fiel im Laufe der Saison. Woran hat es gelegen?“ - Spielvogel: „Vielleicht habe ich nicht so gut gespielt.“ Der niederländische Neuzugang Maxime Struijs, die vom Liga-Konkurrenten Göppingen kam, bezeichnet sich selbst als eine verrückte Nudel. „Auf was müssen wir uns denn da gefasst machen auf dem Spielfeld“, fragte Trumpp und erhielt eine Antwort, die vielleicht nur eine verrückte Nudel geben kann: „Im Moment weiß ich das noch nicht genau, ich muss hier erst einmal meinen Platz finden und bin derzeit täglich mit meinem Muskelkater beschäftigt.“ Die 24-Jährige spielt damit auf die harte Vorbereitung an, für die ihre Trainerin Tessa Bremmer bekannt ist.

Mit einem Lob für die besondere Stimmung bei den Spielen in der Ense-Halle hat Annika Ingenpaß bei den Fans künftig vermutlich ein Stein in Brett. Sie gilt als eines der größten deutschen Talente auf der Kreisposition. Die 21-Jährige kommt vom TuS Metzingen, wo mit 1400 der höchsten Zuschauerschnitt der Liga herrscht. „In Wildungen sind aber die Emotionen anders, ich bin hier reingekommen und habe gedacht, cool.“

Der vierte Neuzugang Maxi Mühlner war nicht auf der Bühne, weil sie sich mit dem deutschen U18-Team für die WM in Polen vorbereitet. Sie sendete aber einen Videogruß in die Badestadt. 

Die bekannten Gesichter waren alle da: Laura Vasilescu, Annika Busch, Sabine Heusdens, Marieke Blase, Sina Ritter, Lisa-Marie Preis, Anna Frankova und die verletzte Mariel Beugels. Sie hofft nach ihrer Meniskusoperation, dass sie in rund zwei Wochen wieder fit sein wird. Es fehlte auch noch der sportliche Leiter Jochen Busch, der einen Schlaganfall erlitten hat. „Es geht ihm schon wieder ganz gut, aber wir wissen nicht, wann er zu uns zurückkommt“, sagte Geschäftsführer Uwe Gimpel. Werden die Vipers zur launischen Diva von der Ense? Diese von den Profikickern von Eintracht Frankfurt abgeleitete Frage stellte Trumpp Trainerin Tessa Bremmer, weil ihre Spielerinnen in der vergangenen Saison den Meister THC Thüringen besiegt hatten, ins Final4 eingezogen waren, aber auch Niederlagen gegen vermeintlich schwächere Gegner hinnehmen mussten. 

„Das ist genau das, wo wir nicht hinwollen“, betonte die Trainerin. Durch das Verletzungspech sei der Kader zu klein gewesen. „Wir haben ihn jetzt noch einmal in der Breite und auch qualitativ verstärkt. Ich hoffe, dass wir dadurch konstanter werden und nie wieder mit irgendeinem Fußballverein verglichen werden.“ 

Da die Vipers künftig näher an ihre Breitensport-Teams in der HSG rücken wollen, machten die Profis die Bühne frei für das Männerteam und die zweite Frauenmannschaft, die der Moderator kurz vorstellte. 

Ersten Testspiele verloren

Danach stand das erste Testspiel der Saison für die Vipers an. Sie unterlagen dem Ligakonkurrenten HSG Blomberg-Lippe mit 25:30. Bremmer saß 60 Minuten seelenruhig auf der Bank und so bewertete sie dieses Spiel auch. „Es war das erste Spiel, dazu möchte ich noch nichts sagen.“ Gut, dann lassen wir es auch beim schlichten Ergebnis. Das Team hat noch vier Wochen Zeit, sich auch spielerisch aneinander zu gewöhnen. Aber auch das zweite Testspiel verloren die Vipers gestern gegen Zweitligist SG Kirchhof mit 28:30. (rsm)

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