Nach dem Abbruch der Erstliga-Saison

Vipers: „Die Lage ist sehr schwierig“

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Blick in eine ungewisse Zukunft: Vipers-Geschäftsführer Uwe Gimpel (links). 

Der durch das Coronavirus verursachte Abbruch der 1. Handball-Bundesliga der Frauen bringt auch die HSG Bad Wildungen in eine finanziell schwierige Situation. Vor allem ausstehende  Sponsorengelder bereiten den Vipers Sorgen.

Bad Wildungen – Es geht um einen fünfstelligen Betrag für die vorzeitig beendete Runde aus. Zudem wird der Etat durch die fehlenden Tageseinnahmen aus den vier abgesagten Heimspielen belastet, die sich bei im Schnitt 700 Zuschauern auf geschätzte 18.000 Euro belaufen dürften.

„Ohne die noch ausstehenden Sponsorengelder ist unsere wirtschaftliche Lage sehr schwierig“, sagt Uwe Gimpel. Trotz der besorgniserregenden Situation sieht der Geschäftsführer der für den Spielbetrieb zuständigen „HSG Bad Wildungen Vipers Sport und Marketing GmbH“ diese „wegen unserer konservativen Kostenstruktur besser als andere Klubs aufgestellt. Der Großteil der Sponsoren verhält sich bislang uns gegenüber loyal“, freut er sich.

Verkauf von Tageskarten insgesamt zu gering

Das HSG-Jahresbudget von circa 300.000 Euro bildet im wesentlichen die Personalkosten ab. Damit sind die Südwaldeckerinnen, deren Wirtschaftsjahr am 30. Juni 2020 endet, im finanziellen Ranking der Liga das Schlusslicht. „Wir verkaufen noch zu wenige Tageskarten“, sagt Gimpel, dessen Klub auf die Einnahmen von rund 150 Dauerkarteninhabern und zahlreicher Vip-Kunden zurückgreifen kann. 

Die meisten Spielerinnen, die größtenteils noch in ihren Berufen nebenher arbeiten, sind aufgrund des Bad Wildunger Modells, „bei dem wir Sport und Beruf verbinden“, so Gimpel, auf Minjob-Basis bei der HSG angestellt, sodass es für sie kein Kurzarbeitergeld geben wird.

Hoffen auf die Treue der Sponsoren

Als „eine unwirkliche Situation“ bezeichnet der bei den Vipers für die Kommunikation zuständige Mitgesellschafter Simon Hallenberger treffend die allgemeine Lage. Der geschäftsführende Gesellschafter Gimpel hofft, dass der Handball-Erstligist „mit Hilfe unserer Partner und mit Unterstützung der Politik“ bis zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs, der in nicht Corona-Zeiten jeweils zum 1. Juli erfolgt, über die Runden kommt.

„Wir haben sehr treue Unterstützer. Unsere Sponsoren sind mit Herz dabei“, setzt auch Tessa Bremmer beim Blick in die Zukunft auf die langjährigen Partner und die gewachsenen Strukturen beim Erstligazwölften. „Ich bin froh, dass es jetzt eine Entscheidung gab, die auch nicht mehr überraschend war. Es war richtig die Saison abzubrechen, sodass wir jetzt alle zu Hause bleiben können“, kommentiert die Vipers-Trainerin das vorzeitige Rundenende.

Ein paar Tage frei für die Spielerinnen

Sie gewährt nun ihren Spielerinnen, „die jetzt Ruhe im Kopf bekommen“, Urlaub bis zum 1. April. Aufgeatmet, weil mit dem Saisonende der Klassenerhalt sicher ist, hat Bremmer aber nicht. „Das war auch nicht nötig, weil wir sowohl jetzt als auch nach der Hinrunde nicht auf einem Abstiegsplatz gestanden sind.“

Dass die Situation für die Vipers beim Blick auf die nächste Spielzeit nicht leichter werden wird, weiß Gimpel, da auch einige HSG-Geldgeber derzeit selbst „situationsbedingt vor großen Herausforderungen stehen“. Doch mit Hilfe „von Sponsoren und Fans“ will der seit Mitte 2015 bei den Vipers als Geschäftsführer tätige 54-jährige Unternehmer den Erstligastandort Bad Wildungen erhalten. 

Das war ihm schon Anfang 2013 gelungen, nachdem eine Sponsorengruppe um Gimpel, Hallenberger und den verstorbenen Jochen Backhaus die von den vorherigen Machern verursachte drohende Insolvenz doch noch abgewendet hatte.

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