„Handballbekloppter Handlungsreisender“

Stephan Nocke neuer Torwarttrainer der HSG Bad Wildungen

Vipers-Torwarttrainer Stephan Nocke mit Geste.
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Gibt die Richtung vor: Vipers-Torwarttrainer Stephan Nocke.

Cheftrainerin Tessa Bremmer hat einen neuen Mitarbeiter: Stephan Nocke arbeitet seit Ende Januar als Torwarttrainer bei den Vipers. Sein Erstliga-Debüt musste er verschieben.

Bad Wildungen – Am Samstag wollte sich Stephan Nocke bei seinem ersten Punktspiel mit den Vipers eigentlich über einen Sieg der HSG über Buchholz-Rosengarten freuen. Daraus wurde wegen der Absage des Spiels nichts. Stattdessen ärgerte sich der frühere Zweitligatorwart von Eintracht Hagen (1997 bis 2001), der über sich selbst sagt: „Ich war kein großes Blatt und nie Vollprofi“, zu Hause auf dem heimischen Sofa in Kamen vor dem Fernseher: Sein Fußball-Lieblingsverein Borussia Dortmund musste sich gegen die TSG Hoffenheim mit einem 2:2 begnügen.

Seit Ende Januar arbeitet der 40-Jährige nun mit den Schweizer Nationaltorhüterinnen Manuela Brütsch und Lea Schüpbach zweimal wöchentlich bei den Vipers, nachdem seine Tätigkeiten als Cheftrainer der Landesligisten HSG Lüdenscheid (Männer) und TV Halingen (Frauen), „bei denen ich als Trainer viel Unterstützung bekomme“, wegen der coronabedingten Aussetzung des Spielbetriebs auf Eis liegen. „Bei Frauen muss man sensibler bei seinen Ansprachen sein, weil die sich das sehr zu Herzen nehmen. Da macht eher der Ton die Musik“, während bei den Männern ein rauerer Umgangston normal sei, hat Nocke festgestellt.

Als er von einem Freund die Stellenanzeige der Vipers geschickt bekam, war er sofort Feuer und Flamme. Nocke bewarb sich und hinterließ bei einem Probetraining einen positiven Eindruck. „Er ist sehr motiviert, arbeitet sehr leidenschaftlich und kann den Mädels gut helfen“, lobt Cheftrainerin Tessa Bremmer ihren neuen Mitarbeiter. „Ich habe mich mit Tessa gleich gut verstanden. Wir haben die selbe Wellenlänge. Die Möglichkeit in der Bundesliga zu arbeiten, wollte ich wahrnehmen, auch weil der Aufwand dazu machbar ist“, sagt Nocke, der rund drei Stunden für Hin- und Rückfahrt pro Training benötigt.

Nocke bezeichnet sich selbst als „handballbekloppt“ und „als Handlungsreisenden in Sachen Handball“, weshalb er vor drei Jahren auch noch einmal als Torwart beim 250 Kilometer entfernten norddeutschen Oberligisten HSG Schwanewede in der Nähe von Bremen „ohne Geld und Training“ aushalf.

Hauptberuflich arbeitet Nocke als Rechtsanwalt

Zudem arbeitet er seit Jahren in der Handballtorwartschule seines Kumpels Michael Lorenz in Koblenz mit. Nach der B-Lizenz als Handballtrainer will der hauptberuflich als angestellter Rechtsanwalt tätige Diplom-Jurist in naher Zukunft die Torhüterlizenz des Deutschen Handball-Bundes erwerben. „Meine Zukunft im Handball sehe ich eher als Torwarttrainer“, sagt der 1,85 Meter große und 97 Kilogramm schwere Vipers-Neuzugang mit Spitznamen ‘Mopsi´. „Den Namen habe ich seit 25 Jahren, weil ich mal einen Mops hatte. Mit meinen Aussehen hat das natürlich nichts zu tun“, erzählt der „Ruhrgebietler, uns wird nachgesagt, dass wir einen trockenen Humor haben und direkt sind“, grinsend.

Durch Arbeit an der „Mobilität, der Schnelligkeit und dem Stellungsspiel“ will der geschiedene Vater der 15-jährigen Lisa-Marie, „die hat mit Handball so viel zu tun, wie ich mit Schalke 04“, die erfahrene Brütsch (36 Jahre) und vor allem Schüpbach (23), „sie hat Bock und ist eine coole Socke“, weiterentwickeln. „Es macht viel Spaß mit ihnen zu arbeiten“, sagt der BVB-Fan und gelernte Diplom-Verwaltungswirt. Mit Videoschnitten der Wurfbilder der gegnerischen Spielerinnen bereitet er das Duo zudem auf die Spiele vor und entlastet dadurch auch Bremmer, die diese Aufgabe nach dem Abgang von Torwarttrainer Detlef Kleinmann in der vergangenen Saison selbst übernommen hatte. (Jürgen Heide)

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