Herz für wilde Tiere in Not

Wildtierauffangstation in Bad Wildungen:  Aufpäppeln für Rückkehr in die Natur

Gelbbrustaras sitzen auf Schulter einer Züchterin.
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Aufzucht gelungen: Thekla Pfeiffer mit Gelbbrustaras. In ihrer Heimat in Südamerika ist diese Papageienart durch die zunehmende Zerstörung der Umwelt gefährdet.

In der Wildtierauffangstation von Thekla Pfeiffer in Bad Wildungen werden kranke, verletzte und schwache Tiere gesund gepflegt für eine Rückkehr in die Natur. Es ist ein Einsatz mit viel Herzblut und zahllosen schlaflosen Nächten.

  • Thekla Pfeiffer betreibt seit 15 Jahren eine Wildttierauffangstation in Bad Wildungen.
  • Verletzte, kranke und schwache Tiere werden gesund gepflegt für eine Rückkehr in die Natur.
  • Die Bad Wildungerin widmet sich auch der Nachzucht von Papageien, die in ihren Heimatländern in Afrika oder Südamerika wegen der Zerstörung ihrer Lebensräume bedroht sind.

Bad Wildungen – Pfeiffer ist Tiernärrin und hilft schon als Jugendliche etlichen kranken Tieren in Not. Diese Leidenschaft lässt die heute 62-Jährige nicht mehr los. Seit drei Jahrzehnten betreibt die Diplom-Pädagogin inzwischen eine Reitanlage für therapeutisches Reiten in Bad Wildungen und beherbergt regelmäßig Fundtiere.

Füchse, Waldohreulen und Bussarde

Gartenschläfer, Milane, Füchse, Schildkröten, Waldohreulen und Mäuse hat sie aufgepäppelt, Rehe und Bussarde erfolgreich ausgewildert. „Die meisten Tiere, die zu uns kommen, sind entweder verunfallt oder aus dem Nest gefallen oder ohne Mutter,“ erzählt Pfeiffer.

Aufgepäppelt: Reyhan Killinc, Tierpflegerin Zoo in Ausbildung, mit einem Igel.

In der Auffangstation werden Wunden versorgt und die Tiere aufgepäppelt für die Auswilderung. Das gehe bei einigen rasch, bei anderen hingegen sei der Zeitaufwand enorm. Blutjunge Tierkinder benötigten eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung mit Futterzeiten im Zwei-Stunden-Takt. Unterstützt wird die Wildungerin vor allem von Reyhan Killinc. Die 30-Jährige absolviert eine Ausbildung zur Tierpflegerin Zoo. Eine junge Wildkatze ist aktuell eine besondere Herausforderung. Außerdem werden sehr viele Igel abgegeben.

65 Wildtiere pro Jahr in Bad Wildunger Auffangstation

Bei Wildtieren sei es ein steter Spagat, ihnen die erforderliche Pflege zukommen zu lassen, aber den Kontakt auf das Nötigste zu reduzieren. „Sie sollen sich nicht an Menschen gewöhnen.“

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Zu Pfeiffers Lieblingstieren zählen Füchse. „Sie keckern wie wild, wenn sie gefüttert werden.“ Possierlich seien Eichhörnchen. Wenn sie stark genug sind zum Auswildern, wird der Kobel im Wald aufgehängt, wo das Futterangebot groß ist. Rund 65 Wildtiere durchlaufen die Station pro Jahr, schätzt Pfeiffer. Auf dem Großteil der Kosten bleibe sie sitzen. Der Landkreis zahle 200 Euro im Jahr, weitere Einnahmen gebe es nicht. Einige Finder, die Tiere abgeben, spendeten spontan Geld für Tierarzt und Futter.

Nachzucht bedrohter Papageienarten

Ein Steckenpferd der Bad Wildungerin ist die Nachzucht von seltenen Papageien, die in ihren Heimatländern in Südamerika und Afrika wegen der Zerstörung ihrer Lebensräume im Bestand gefährdet sind. Bei Gelbbrustaras ist ihr die Nachzucht gelungen: Homer und Sophie – zwei acht Jahre alte Prachtexemplare – leben in einer großen Voliere und genießen regelmäßig Freiflüge

. Mit allen Freifliegern hat Pfeiffer in der Reithalle die Rückkehr auf Pfiffe trainiert. Kletterpausen im Garten genießen quicklebendige Listaffen. Weil nach einem Notfall bei der Geburt eines Affenbabys Muttermilch fehlt, zögert Pfeiffer nicht lange und fährt zur Entbindungsstation nach Fritzlar. Eine gerade entbundene Mutter eines Babys hilft gern mit einer Pipette Milch aus – und das Affenbaby überlebt.

Veterinäramt überwacht Wildtierauffangstationen nach Tierschutzrecht

Das Veterinäramt des Landkreises genehmigt und überwacht Wildtierauffangstationen nach dem Tierschutzrecht. Dabei geht es um Gehegegröße, Futterpläne, Hygienekonzepte, Arten und Anzahl der Tiere. Die Pfleger müssen die Sachkunde im Umgang mit den Tierarten nachweisen, informiert Katrin Walmanns, Pressesprecherin des Regierungspräsidiums in Kassel.

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Die Informationen für die Naturschutzbehörde werden in einem Bestandsbuch dokumentiert, um Finder, Zugänge, Aufenthalt und Auswilderung nachvollziehen zu können. Die Wildtierauffangstationen werden unregelmäßig nach den Anforderungen des Tier- und Naturschutzes kontrolliert.

In Waldeck-Frankenberg werden drei Stationen betrieben – am Edersee, in Willingen und in Bad Wildungen. Die Pflegestationen sind untereinander über Landkreis- und Bundeslandgrenzen in Deutschland oft gut vernetzt, um durch Weitergabe von Tieren die bestmögliche Pflege zu ermöglichen, erläutert die Pressesprecherin des RP Kassel.

Wildkatze - scheu und mit extremem Freiheitsdrang

Aktuell wird eine Wildkatze gepflegt. Wildkatzenfunde sind selten, da die Wildkatze das Geheck versteckt anlegt und extrem scheu ist. In ganz Nordhessen wurden bislang ein bis zwei Kitten pro Jahr in Auffangstationen aufgenommen – 2021 waren es laut Regierungspräsidium Kassel insgesamt drei Tiere aus verschiedenen Landkreisen und ungewöhnlich spät im Jahr. Dadurch können sie erst im Frühjahr wieder ausgewildert werden.

Die Gefahr einer Fehlprägung durch die längere Haltung sei sehr gering, heißt es, da die Wildkatze genetisch einen „extremen Freiheitsdrang“ mitbringe und die Fähigkeit zu jagen. Fellproben des Senckenberg-Instituts weisen genetisch nach, ob es tatsächlich Wildkatzen sind und nicht wildkatzenfarbige Hauskatzen, so genannte Blendlinge.

Mitarbeiter und ehrenamtliche Helfer

Thekla Pfeiffer (62) betreibt in Bad Wildungen eine Reitanlage mit Schwerpunkt Therapeutisches Reiten. Die Wildungerin beschäftigt zwei Mitarbeiter und eine Auszubildende und wird von ehrenamtlichen Helfern unterstützt. Die Diplom-Pädagogin unterhält seit 15 Jahren eine Wildtierauffangstation und hat in dieser Zeit zahlreiche verletzte, schwache und kranke Wildtiere aufgepäppelt und wieder ausgewildert.

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Darüber hinaus widmet sich die Papageienkennerin der Nachzucht exotischer Vögel, die in ihren angestammten Heimatländern im Bestand gefährdet sind. Pfeiffer ist verheiratet mit Manfred Ellerbrock, Logopäde und Krimiautor (Pseudonym Lukas Erler), hat zwei erwachsene Söhne und ein Enkelkind. Im Haus der Familie sind darüber hinaus sechs Pflegekinder aufgewachsen.

RP-Sprecherin: Viele Tiere werden abgegeben, die nicht wirklich hilfsbedürfig sind

In Wildtierpflegestationen kümmern sich die Mitarbeiter um verletzte, kranke oder lebensschwache Wildtiere. Darunter sind Opfer von Verkehrsunfällen, aber auch Tiere in gesundheitlich schlechter Verfassung.

Derzeit melden Tierfreunde zahlreiche Igel, die aus Sicht der Finder so kurz vor der Winterruhe in bedenklichem Futterzustand sind. Den bewerten erfahrene Pflegestationen bei der Kontrolle der Tiere oft anders. Zuweilen werden so viele Wildtiere abgegeben, dass die Stationen dem Ansturm nicht gewachsen seien, gibt Katrin Walmanns, Sprecherin des Regierungspräsidiums in Kassel, zu bedenken.

„Leider werden viele Tiere als „hilfsbedürftiger Pflegefall“ von Bürgern betrachtet, welche nicht wirklich hilfsbedürftig sind“, betont die Pressesprecherin der Behörde. Einige Betreiber von Auffangstationen und auch Tierärzte möchten deswegen nicht auf einer Liste von Pflegestationen im Internet erscheinen, „um nicht mit riesigen Mengen von Fundtieren „geflutet“ zu werden“, erläutert Walmanns.

Drei Stationen in Waldeck-Frankenberg

Durch Aufklärung und Informationsweitergabe durch verschiedene Akteure werde versucht, das nötige Wissen zu streuen, damit nur noch die wirklich hilfsbedürftigen Tiere bei den Pflegestellen landen. Diese Stationen sind den Naturschutzbehörden, der Polizei, Jägern und Naturschutzverbänden wie BUND oder NABU bekannt und die Kontaktdaten würden im Einzelfall weitergegeben.

In Waldeck-Frankenberg werden laut Katrin Walmanns drei Stationen betrieben, die sich teilweise auf bestimmte Tierarten spezialisiert haben: Greifenwarte Edersee, Wild- und Freizeitpark Willingen und die Auffangstation von Thekla Pfeiffer in Bad Wildungen.

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Die RP-Sprecherin sagt: „Die Pflegestationen sind untereinander über Landkreis- und Bundeslandgrenzen oft gut vernetzt, um durch Weitergabe von Tieren die bestmögliche Pflege zu ermöglichen.“

Die Auffangstationen werden laut Regierungspräsidium unregelmäßig, auch unangekündigt, nach den Anforderungen des Tier- und Naturschutzes kontrolliert. Eine finanzielle Unterstützung des Landes gebe es nicht.

Sprecherin des RP: „Nicht jedes Fundtier darf einfach mitgenommen werden“

Vorsicht vor der Entnahme von Tieren aus der Natur: „Das Jagdrecht ist zu beachten, nicht jedes Fundtier darf einfach mitgenommen werden“, informiert Katrin Walmanns, Pressesprecherin des Kasseler Regierungspräsidiums.

Wildkaninchen und Wildschweine dürften nach der Aufnahme in menschlicher Obhut nicht wieder ausgesetzt werden. „Der Waschbär gilt zusätzlich als invasive Art, die Auswilderung nach dem Aufpäppeln ist verboten, was bedeutet, der Pfleger müsste sich lebenslang um den Waschbären kümmern.“ (Cornelia Höhne) 

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