Bad Wildungens rumänische Halblinke Laura Vasilescu führt die Torschützenliste der 1. Handball-Bundesliga an

„Ich spiele meine beste Saison“

Bad Wildungen - Vipers-Spielertrainerin Tessa Bremmer attestiert der linken Rückraumspielerin immer besser zu werden und sich zu einer Führungsspielerin bei der HSG entwickelt zu haben.

Dass die Handballerinnen der HSG Bad Wildungen gute Chancen haben, den Erstligaklassenerhalt zu erreichen, daran hat Laura Vasilescu großen Anteil. Neben Torfrau Manuela Brütsch ist die linke Rückraumspielerin die Leistungsträgerin des Aufsteigers. Mit 162 Toren, was einem Schnitt von 8,1 Treffern pro Spiel entspricht, führt die 30-Jährige derzeit sogar die Torschützenliste der Liga an, in der sie Anfang März schon kurzzeitig vorne gelegen hatte. Dass die Rumänin derart auftrumpfen würde, war vor der Saison nicht zu erwarten, obwohl „Sticky“, so ihr Spitzname, schon beim Aufstieg mit 4,6 Toren im Schnitt zu den Stützen des Zweitligazweiten der vergangenen Runde zählte. Zuvor hatte die gelernte Sportlehrerin nach ihrem Wechsel im Sommer 2012 von Celle (Schnitt; 2,75) schon ein halbes Erstligajahr für die Vipers (3,7) gespielt, bevor sie nach einem ebenso langen Abstecher aus Koblenz nach Nordhessen zurückkehrte.War Vasilescu zu Beginn ihrer Zeit in Südwaldeck nur eine Mitläuferin, auch weil sie als Spielmacherin aushelfen musste, ist die gelernte Halblinke spätestens nach dem Wechsel der letztjährigen Zweitligatorschützenkönigin Tessa Bremmer vom Kreis auf die Trainerbank zu einer Führungsfigur beim Neunten geworden.

Bremmer: „Krasser Sprung“

„Es ist krass, wie Laura sich in dieser Saison gesteigert hat, zumal sie wegen ihrer Meniskusoperation Mitte August einen Teil der Vorbereitung verpasst hat und zu Beginn der Runde noch nicht richtig fit war. Laura spielt eine richtig gute Saison und wird immer besser. Sie zeigt jetzt, was sie kann. Solch ein Sprung gelingt sonst eher jüngeren Spielerinnen“, sagt Bremmer. Sie bescheinigt der zurückhaltenden Vasilescu auch „mehr zu kämpfen“ und sich „zur Führungspielerin“ entwickelt zu haben. „Sie geht nun mehr aus sich heraus und hat verstanden, dass sie als erfahrene Spielerin Verantwortung übernehmen muss. Früher habe ich oft noch sagen müssen, ,Laura, werf doch', jetzt macht sie das von selbst und beruhigt die anderen Mädels“, fügt die Trainerin an. „Ich glaube, dass ich jetzt meinen besten Handball und meine beste Saison spiele. Tessa hat mir gesagt, dass ich Verantwortung übernehmen muss. Das tue ich und das klappt ganz gut.“ Dass dem so ist, führt die Torjägerin darauf zurück, dass Bremmer, „sie hat viel mit mir viel gesprochen“, ihr Selbstvertrauen gestärkt habe „und sie mich einfach frei spielen lässt. Das spielt eine große Rolle.“Von ihrer Leistungssteigerung ist die aus der 133 000-Einwohner-Stadt Buzau in der Region Walachei 110 Kilometer nordöstlich von Bukarest stammende Handballerin „nicht überrascht. Ich weiß, dass ich gut drauf bin. Das ist das Ergebnis harter Arbeit und hat auch damit zu tun, dass die ganze Mannschaft für mich spielt.“

Sichere Siebenmeterwerferin

Dass sie die Torschützenliste anführt, hat die nach Spielertrainerin Bremmer älteste HSG-Aktive auch ihrer Stärke von der Siebenmetermarkierung zu verdanken, wo sie mit einer Quote von 89,2 Prozent (74 Tore bei 83 Versuchen) zu den nervenstärksten Spielerinnen der Klasse zählt. Für Bremmer liegt Vasilescus Formhoch auch daran, dass die 1,80 Meter große Rückraumallrounderin „sich wohl fühlt und in Bad Wildungen angekommen ist“. So war es für die Nummer 23 der Vipers keine Frage, ihren Vertrag bereits im Februar bis zum 30. Juni 2016 zu verlängern, wobei der Kontrakt auch für die zweite Liga gilt.

„Bleiben zu 90 Prozent drin“

Nach dem 22:19-Sieg zuletzt in Göppingen und nunmehr fünf Punkten Vorsprung auf Abstiegsrang 13 geht Vasilescu aber davon aus, „dass wir zu 90 Prozent in der ersten Liga bleiben“. In der mache es „Spaß zu spielen“, erzählt „Sticky“, über deren ausgeleierte Jogginganzüge ihre Mitspielerinnen ebenso schmunzeln wie wenn die inzwischen sehr gut Deutsch sprechende Rückraumkraft, „am Anfang war die Sprache sehr schwer für mich“, mit einer eigenen Tasche für ihre Sportschuhe zum Training erscheint.Konnte die am linken Arm tätowierte Handballerin während ihrer Profizeit in Griechenland von 2005 bis 2011, „ich wollte nur ein Jahr dort spielen, aber dann hat es mir so gut gefallen, dass ich länger geblieben bin“, noch das süße Leben genießen, hat sie nun viel weniger Freizeit, weil sie seit Sommer 2013 im Gesundheitszentrum Helenenquelle der Bad Wildunger Zeiss-Klinik 25 Stunden in der Woche als Sportlehrerin arbeitet.

„Meine Mama ist sehr stolz “

Dass sie in der Torschützenliste ganz oben steht, „freut mich, meine Mutter aber noch mehr“, erzählt Vasilescu. „Meine Mama verfolgt in Rumänien per Internet unsere Spiele und ist sehr stolz auf mich.“ Ihre Mutter heißt übrigens auch Laura mit Vornamen. „Bei uns haben alle zwei Vornamen“, erzählt die frühere rumänische Juniorennationalspielerin. Laura, „das war sehr einfallsreich“, sagt sie ironisch, ist dabei nur ihr zweiter und Nicoleta ihr erster Vorname. „Nicoleta mag ich aber nicht. So werde ich auch nur von meiner Familie gerufen“, sagt die jüngere Vasilescu.

Geschenk TorschützenköniginSie gibt zu, dass sie auch am Saisonende schon gerne in der Torschützenliste ganz oben stehen würde. „Ich hoffe, dass ich das schaffe. Das wäre schon ein schönes Geschenk für mich, weil einem so etwas nicht so oft in seiner Karriere passiert, weil man dazu auch von Verletzungen verschont bleiben muss und das nötige Glück braucht.“ (jh)

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