Rückraumspielerin der Wildunger Vipers glaubt im Interview an den Einzug ins Final Four

„Wenn nicht jetzt, wann dann?“ - Heusdens von Pokalerfolg überzeugt

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Nicht zu stoppen: Die Bad Wildungerin Sabine Heusdens hat sich, beobachtet von ihrer Teamkameradin Marieke Blase (hinten rechts) beim 30:27-Coup gegen die Thüringerinnen Anika Niederwieser, Saskia Lang und Josefine Huber durchgesetzt. 

Bad Wildungen. Genau eine Woche nach dem sensationellen 30:27-Sieg über Tabellenführer Thüringer HC will die HSG Bad Wildungen an desem Samstag (20 Uhr) mit einem Sieg im Pokal-Viertelfinale beim Tabellensechsten Bayer Leverkusen den Einzug in das Final Four-Turnier schaffen

Sollte den Bundesliga-Handballerinnen dieser Schritt in die Stuttgarter Porsche-Arena am 19. und 20. Mai gelingen, hätte das Team innerhalb von nur acht Tagen für zwei Höhepunkte der Vereinsgeschichte gesorgt. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, zitiert Rückraumspielerin Sabine Heusdens im WLZ-Interview den Hit der „Höhner“ und ist vom Einzug der Vipers die Pokalendrunde überzeugt. 

Wenn der im Spiel in Leverkusen gelingt, „können alle unsere Fans ihre Übernachtung bei mir buchen“, sagt die 29-Jährige mit einem Schmunzeln. Beim Erstligazehnten ist „Sabi“ ein Publikumsliebling und immer für Späße gut.

Haben Sie auch den Eindruck, dass ihre Mannschaft nach dem 30:27-Coup über Tabellenführer Thüringer HC und den vorherigen Pleiten in Oldenburg und Blomberg gerade noch rechtzeitig vor dem Viertelfinale in Leverkusen wieder in der Spur zu sein scheint, Frau Heusdens?

Sabine Heusdens: Ja, der Sieg über den THC war auf jeden Fall ein sehr guter Start ins neue Jahr. Ich glaube, wenn wir so konzentriert weitermachen, wird Leverkusen es schwer haben, uns uns schlagen. Zudem haben wir mit ihnen aufgrund der 17:19-Niederlage im November noch eine Rechnung offen. Schon damals haben wir gespürt, dass wir sie schlagen können, aber wir haben teilweise unklug agiert und haben auch wirklich schlecht gespielt. Ich glaube, wenn wir nur 80 Prozent von dem zeigen, was wir gegen Thüringen gezeigt haben, würde es schon reichen. Aber wir wollen 110 Prozent geben und das müsste dann auch reichen.

Im Ligaspiel in Leverkusen war die katastrophale Angriffsleistung entscheidend für die Niederlage.

Heusdens:Das stimmt. 17 Tore zu werfen, ist einfach viel zu wenig. Unsere nur 19 Gegentore hätten für einen Sieg reichen müssen. Wir haben gegen Thüringen gezeigt, was wir im Angriff können. Wir müssen das wiederholen und gucken, was Katja Kramarczyk macht, die nicht umsonst Nationaltorhüterin ist. Sie ist wirklich gut, wir aber auch.

Trotz der mit einem Kreuzbandriss ausfallenden Nationalspielerin und Linkshänderin Jennifer Rode hat Bayer einen breiteren Kader.

Heusdens:Definitiv, aber ich denke, dass die Chancen, ins Final Four zu kommen 50 zu 50 sind. Es wird darauf ankommen, welche Mannschaft mehr möchte, mehr Willen, Herz und Leidenschaft zeigt. Es ist natürlich auch wichtig konzentriert zu spielen und die kleinen Fehler abzustellen.

Gegen Thüringen scheint Ihr Team auch durch den Tausch der Positionen zwischen ihnen und Torjägerin Laura Vasilescu, die als Spielmacherin agiert hat, während sie auf halblinks, gespielt haben, wieder ins Rolle gekommen zu sein. Auch weil Sie sich im linken Rückraum offensichtlich wohler fühlen, oder?

Heusdens: Ich spiele schon 25 Jahre Handball und vom Gefühl her davon schon 24 auf Rückraum links, sodass es logisch ist, dass ich mich auf halblinks wohler fühle. Aber ich stelle mich immer in den Dienst der Mannschaft, egal, ob ich auf halblinks, in der Mitte oder wie in der Schlussphase gegen den THC am Kreis spiele. Der Wechsel zwischen Laura und mir war für Thüringen eine Überraschung. Nach Blomberg und Oldenburg haben wir uns zusammengesetzt und auch im Training kurz und kräftig miteinander, auch die Rückraumspielerinnen untereinander, gesprochen. Auch über die Umstellung.

Auch vom Kopf her dürfte es für Sie einfacher sein, auf halblinks statt auf der Mitte, wo Sie Spielzüge ansagen müssen, zu spielen, zumal Sie ja als hinten im Abwehrinnenblock der 6:0-Deckung bereits große Verantwortung tragen.

Heusdens:Als Spielmacherin zu agieren, ist anstrengender, weil man da nachdenken muss, was man spielen kann. Da braucht man viel Konzentration und Luft.

Haben Sie schon in dieser Woche ein Kribbeln verspürt, weil sie heute in Leverkusen ein großes Ziel erreichen können?

Heusdens:Wir haben bis zum ersten Training am Montag nach dem Sieg gegen Thüringen noch auf Wolke sieben geschwebt, aber ab dann lag unser Fokus auf Leverkusen. Bad Wildungen war nur 2012 so weit im Pokal. Wir sind alle ganz heiß darauf, dass Final Four-Turnier zu erreichen. Für solche Momente etwas spielt man Handball und so etwas erlebt man nicht oft, auch weil man Glück bei der Auslosung haben muss. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Sie haben 2012 drei Länderspiele für die Niederlande bestritten. Wäre die Teilnahme an der Pokalendrunde dennoch der Höhepunkt ihrer Karriere?

Heusdens: Das kann man auf der gleichen Höhe ansehen. Die Länderspiele waren natürlich ein Erlebnis, weil man für sein eigenes Land spielt. Doch vor über 6200 Leuten in einer Halle wie der Porsche-Arena zu spielen, das habe ich auch noch nicht erlebt. Die Chance, das mit seinem Verein zu erreichen, ist sehr klein und natürlich noch einmal eine Extramotivation, um heute noch eine Schippe draufzulegen. 

Das Final Four wäre ein Höhepunkt meiner Karriere und auch für den Verein überragend. Es würde sowohl den Klub als auch die Stadt in Deutschland noch bekannter machen. Das war auch immer schon unser Ziel. Wir wollten deshalb auch in der Liga nicht mehr nur gegen den Abstieg spielen, sondern ein ernsthafter Gegner sein; was auch wichtig für die nächsten Jahre ist, um Spielerinnen zu uns zu holen.

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