HSG-Boss und Ex-Coach pokern um Abfindung

Ex: „Jeppesen ist egal, was bei uns passiert“

- Bad Wildungen (jh). Dass ein Trainer im Spitzensport nicht einmal einen Monat nach seiner Beurlaubung ein Spiel seiner früheren Mannschaft verfolgt, ist ungewöhnlich. Entsprechend war der Besuch der Bad Wildunger Erstligabegegnung gegen Oldenburg am Mittwochabend auch für Søren Jeppesen „etwas ganz Spezielles“, wie der Ex-HSG-Coach zugibt.

„Als ich in die Halle kam, wollte ich auf die Bank“, erzählt der Däne, der sich dann aber doch auf die gegenüberliegende Seite setzte, während sein Nachfolger Markus Berchten etwas mehr als 20 Meter weiter die Vipers coachte. Auf der rechten Seite der Tribüne, in der Nähe des Fanklubs, bei dem er große Sympathien genießt, verfolgte Jeppesen dann die Partie. „Während des Spiels war ich ganz ruhig“, erzählt der Däne, der am Mittwochabend viele Hände zu schütteln hatte. „Ich habe in Bad Wildungen noch zu vielen Leuten gute Kontakte“, sagt der noch in der Badestadt wohnende Däne, den HSG-Geschäftsführer Dirk Ex zum Hinrundenabschluss eingeladen hatte. „Die Fans haben mich super empfangen und beim Fanklub bin ich herzlich willkommen. Die finden es auch blöd, was der Verein gemacht hat“, sagt Jeppesen, der auch noch mit einigen Spielerinnen in Kontakt steht. „Ich hatte natürlich gehofft, dass die HSG gewinnt. Aber sie waren nicht gut genug. Oldenburg war die bessere Mannschaft und war einem Sieg mit zehn Toren näher als Bad Wildungen einem Erfolg“, bilanziert Jeppesen, der sich vor der Partie mit Ex getroffen hatte, um über eine Vertragsauflösung zu verhandeln. Bis zum 30. Juni 2013 läuft der Kontrakt des Skandinaviers bei den Südwal­deckerinnen noch, sodass sich Jeppesen ein Jahresgehalt als Abfindung vorstellt, wie er gestern, „ja, das stimmt“, bestätigte. „Sørens Vorstellung ist viel zu hoch. Wir liegen weit auseinander“, sagt Ex, der durchblicken lässt, dass die Vipers bereit sind, eine Abfindung in Höhe eines Halbjahresgehalts zu zahlen. „Dass es unglücklich war, dass Søren einen Zweijahresvertrag erhalten hat, wissen wir alle“, sagt Ex. Aus „sportlichen Gründen“ sei das Aus des Trainers beschlossen worden, fügt der Vipers-Geschäftsführer an, der seit über vier Wochen erfolglos mit Jeppesens Berater Uwe Battenfeld über die Vertragsauflösung des Trainers verhandelt. Bei dessen Beurlaubung habe sich die HSG auch „einen Spareffekt erhofft“, gibt Ex zu. Doch dieser wird nur eintreten, wenn der Däne seinen Vertrag nicht bis zum Ende aussitzt. „Es liegt in seinem eigenen Interesse, dass er bald wieder einen Verein findet. Denn wenn er zu lange pausiert, ist er weg vom Fenster. Vor allem wenn er in Deutschland bleiben möchte, wie er gesagt hat. Somit besteht die große Gefahr, dass Herr Jeppesen sich verpokert“, findet Ex. Die von dem erst im Juni verpflichteten 37-Jährigen geforderte Abfindung „kann ich als Einmalzahlung nicht bezahlen“, sagt Ex und lässt durchblicken, dass die finanziell angeschlagene HSG in diesem Fall wohl Insolvenz anmelden müsste. Auch weil dem Klub wohl in jedem Fall „ein heißer Winter“ bevorsteht. So hofft Ex auf eine baldige gütliche Einigung. Wenn diese ausbleibe, „zahlen wir eben sein Monatsgehalt weiter“, sagt der Vipers Verantwortliche. Zwar könne er Jeppesen einerseits verstehen, dass dieser auf seinem Vertrag beharre, durch den er auch ein Auto, aber keine Wohnung gestellt bekommt. Andererseits ärgert es ihn, „dass es Jeppesen nicht die Bohne interessiert, was bei uns passiert“, wirft Ex dem Dänen Söldnertum vor und dass er es in Kauf nehme, dass sich die Finanzlage der HSG noch verschärfe. „Mein Vertrag läuft noch eineinhalb Jahre. Ich will mein Geld haben. Es ist nicht mein Problem, dass der Verein kein Geld hat“, kontert Jeppesen, „ich bin ganz ruhig.“ Dem fest angestellten Marketing-Mitarbeiter Sören Wennerlund haben die Vipers zum 31. Januar aus „betriebsbedingten Gründen“, so Ex, gekündigt. „Wir hatten einen Wasserkopf und haben unsere Verwaltung dem Markt angepasst. Wir arbeiten nun mit zwei Leuten“, sagt Ex im Hinblick auf Bürokraft Ulla Knieling und ihn, wobei beide noch von den Teilzeitkräften Sabine Heusdens und Christiane Bautz unterstützt werden. Als Nachfolger von Wennerlund als Hallensprecher ist Dirk Mundhenke im Gespräch. Während sich Wennerlund über seine Zukunft nicht äußern wollte, soll die Trennung auch deshalb erfolgt sein, weil sich die Vipers-Verantwortlichen von seiner Arbeit mehr versprochen hatten.

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