Das kämpferische Vorbild der Vipers

- Sabine Heusdens nach dem Gang in die Kabine in Socken auf das Spielfeld zurückgehumpelt.

Von Jürgen Heide

Bad Wildungen. Als ihre Mitspielerinnen nach dem nervenaufreibenden 22:22 gegen Blomberg noch ausliefen, kam Sabine Heusdens nach dem Gang in die Kabine in Socken auf das Spielfeld zurückgehumpelt. Auf der Höhe des Mittelkreises legte Physiotherapeut Thomas Schmidt der holländischen Halblinken erst einmal einen kühlenden Tapeverband an, nachdem sie sich bei einer Angriffsaktion einen Pferdekuss am rechten Schienbein zugezogen hatte (54.). Das konnte „Sabi“, deren Mutter Inge mit ihrem Lebensgefährten Freek wie fast immer in der Halle war, aber nicht davon abhalten, die restlichen Minuten noch durchzuhalten. Die Rückraumspielerin stand im wahrsten Sinne des Wortes wieder auf und sorgte sogar noch für die 22:21-Führung der Vipers (58.). Bei diesen war die Blondine wie so oft das kämpferische Vorbild.

Während sie im Abwehrmittelblock austeilte, überzeugte die 23-Jährige nicht nur wegen ihrer sechs Feldtore und der beiden mit Gewalt verwandelten Siebenmeter auch im Angriff. Nachdem der heimischen HSG bis zum 0:3 (2.) nichts gelungen war und der abermals verschlafene Start Erinnerungen an das Auftaktmatch gegen Buxtehude (24:30) hervorrief, war es bezeichnenderweise die nebenberuflich 25 Stunden auf der HSG-Geschäftsstelle „als Mädchen für alles“, wie sie selbst sagt, arbeitende Holländerin, welche die Aufholjagd der Vipers mit ihrem Tor zum 1:3 in Unterzahl nach drei Minuten und neun Sekunden einleitete.

Als Heusdens nach dem 2:3 (5.) durch Cristina Mihai einen Fehlpass spielte, schrie Søren Jeppesen von draußen: „Sabi, come on.“ Doch es hätte der Aufmunterung des Coachs wohl gar nicht bedurft, damit sich die Bad Wildunger Nummer vier wieder aufgerappelt hätte, was sie mit ihrem Tor zum 3:3 (7.) dann sogleich auch tat. Dass sie mit einem Doppelpack zum 8:7 (16.) sogar die erste Führung für die Vipers erzielte, war fast schon logisch.

Wie die Ex-Bad-Wildungerin Xenia Smits auf der Gegenseite, die bisweilen unglücklich agierte, ihr sehr großes Potenzial aber oft andeutete, musste auch Heusdens, bis auf eine fünfminütige Entlastung durch die immer noch gehemmt agierende Marinda van Cappelle, fast durchspielen, was sie mit großem Kämpferherz tat, bevor sie nach Spielschluss beide Daumen in Richtung der heimischen HSG-Fans reckte und von Sportchef Markus Berchten zu Recht eine Stoffschlange als „Viper des Tages“ erhielt. Zuvor hatte die Niederländerin nach ihrer Auswechslung nach 43 Minuten ziemlich ausgepumpt kurz auf der Bank gesessen.

„Ich bin ziemlich fertig, aber das Leben geht weiter“, bilanzierte Heusdens, nachdem sie nach Spielschluss erst einmal richtig durchgeatmet hatte. Dies tat sie auch hinsichtlich des Ergebnisses. „Wir können froh sein, dass wir im Gegensatz zu Celle und Trier schon einen Punkt, unseren ersten Erstligapunkt, haben. Wir hätten das Spiel auch verlieren können, vor allem nachdem Blomberg zehn Sekunden vor Schluss den Ball hatte.“ Sie habe das gute Gefühl aus der Abwehr in den Angriff mitgenommen, begründete Heusdens ihre starke Offensivleistung und fand, dass es der Mannschaft gelungen sei, sich trotz der Finanzprobleme „auf das Spiel zu konzentrieren“.

Bleibt die Frage nach ihrem Schienbein. „Das tut ein bisschen weh“, sagte Heusdens, bevor sie mit einem Lächeln davonhumpelte.

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