Nach 0:5-Fehlstart ist Bad Wildungen ohne Chance beim 24:30 (11:19) gegen Buxtehuder SV

Keine Chance beim Debüt in Liga ein

- Bad Wildungen (jh). Der Aufsteiger findet zum Saisoneinstand in der 1. Bundesliga kein Mittel gegen offensive Deckung des Vizemeisters.

Als die überragende Linksaußen Katja Langkeit nach ihrem achten Tor zum 20:12 (35.) ihren Arbeitstag vorzeitig beenden durfte, war längst klar, dass die HSG bei ihrer Erstligapremiere gegen Buxtehude nicht den Hauch einer Chance haben würde. Der Fehlstart in die neue Liga hatte sogar ein Handballdebakel befürchten lassen. Im Zeitraffer: Fangfehler Tessa Cocx, Langkeit trifft nach 22 Sekunden. Fehlwurf von Cristina Mihai, Julia Gronemann hält auf der Gegenseite zwar einen Siebenmeter von Maxi Hayn, die im Nachwurf aber auf 2:0 erhöht (2.). Ballverlust Bad Wildungen, Langkeit zum 3:0 (4.). Fangfehler Cocx, Langkeit zum 4:0 (6.). Ballverlust von Sabine Heusdens, Hayn zum 5:0 für den BSV (7.).

Nun hatte Trainer Søren Jeppesen, der sich bei seinem Debüt zu Beginn wohl wie im falschen Film vorgekommen sein muss und vor dem Spiel „ein Kribbeln im Bauch“ hatte, genug. Der Däne nahm eine Auszeit, nach der Mihai in der achten Minute, die Hallenuhr zeigte 19.08 Uhr, endlich den ersten Erstligatreffer der Südwaldeckerinnen erzielte. Bezeichnenderweise per Siebenmeter. Bis zum ersten Feldtor durch Ruta Latakaite zum 4:9 brauchte Bad Wildungen sogar 15 Minuten.

Was die Gastgeberinnen bis zur zehnten Minute, 1:7, boten, war unterirdisch. Doch wieso kam die HSG nicht in die Gänge? Ganz einfach. Nachdem er zuletzt beim Auftaktsieg gegen Trier eine 6:0-Abwehr spielen ließ, hatte Buxtehudes Trainer Dirk Leun, „er ist ein cleverer Coach“, so Jeppesen, seine Deckung auf eine 5:1-Formation „wegen der starken Rückraumspielerinnen“ der HSG umgestellt und mit dieser simplen Maßnahme für Verwirrung beim Heimteam gesorgt, das wie paralysiert schien.

„Bad Wildungen hat wohl gedacht, dass wir mit einer 6:0-Deckung beginnen würden, und sich erst einmal auf die 5:1-Abwehr einstellen müssen“, brachte es Langkeit auf den Punkt. Mit ihrer Schnelligkeit nutzte die Nationalspielerin, „ich hatte von Bad Wildungen mehr erwartet“, die vielen Ballverluste der Nordhessinnen zu Tempogegenstoßtoren aus. Zwar konnte die HSG zwischenzeitlich auf 8:12 (20.) verkürzen, ohne den Vizemeister aber auch nur im Ansatz gefährden zu können.

„Der Unterschied war größer als sechs Tore. Wir können mit dem Resultat ganz zufrieden sein. Wir sind mit einem kleinen blauen Auge davongekommen“, bilanzierte Bad Wildungens sportlicher Leiter Markus Berchten die einseitige Partie, in der der BSV schon mit 23:13 (38.) geführt hatte, bevor die Vipers nach dem 20:29 (55.) noch etwas Ergebniskosmetik betreiben konnten. Dass sich die HSG gegen die offensive Deckung des BSV „so schwergetan hatte“, so Berchten, führte Jeppesen auf „die Nervosität und die mangelnde Bewegung“ seiner Spielerinnen zurück.

Letztere fehlte der HSG auch in der Abwehr, in der die Vipers bei Weitem nicht so bissig waren wie Buxtehude mit Randy Bülau als vorgezogener Spielerin.

Torfrau Petra Diener stark

So waren die Torfrauen Julia Gronemann und die sehr starke Petra Diener oft auf sich allein gestellt. Während sich Jeppesen darüber freute, „dass wir die zweite Halbzeit mit drei Toren gewonnen haben“, und er dadurch die Hoffnung hat, „dass wir, wenn wir so spielen wie in der zweiten Hälfte, auch Leipzig Probleme bereiten können“, fand Diener, dass das schmeichelhafte Endergebnis eher durch Buxtehude bedingt war. „Sie haben in der zweiten Hälfte das Tempo rausgenommen und Leun hat auf die Jugend gesetzt“, bilanzierte sie treffend. „Petra hat gezeigt, dass wir im Tor Substanz dahinter haben“, freute sich HSG-Geschäftsführer Dirk Ex über die Leistung seiner Freundin. Von den Neuzugängen konnten sonst nur die spät ins Spiel gekommenen Sophia Bepler (42.) und Andrea Willimann (54.) auf sich aufmerksam machen. Neben Bepler, die nach ihrer Einwechslung für Miranda Robben, die keine Akzente setzen konnte, sofort traf, war auch Willimann noch erfolgreich.

Während ihre Kreisläuferkollegin Tessa Cocx nicht ihren besten Tag hatte, wechselten bei der nur kurz eingesetzten Halblinken Marinda van Cappelle Licht und Schatten ab. Wegen der fehlenden adäquaten Alternativen im HSG-Rückraum, die sich deutlich bemerkbar machten, gab die A-Jugendliche Julia Ammann (17) kurz vor der Pause für Mihai auf halbrechts ein vierminütiges Erstligadebüt und musste wie der Großteil ihrer Mitspielerinnen Lehrgeld zahlen. Gar nicht zum Einsatz kam Sabine Kirmse. „Sie ist am Kreis die Nummer drei“, sagte Jeppesen über die langjährige Stammspielerin, die wie die Slowakin Patricia Puskasova nicht auf dem Spielberichtsbogen stand. Auf dem hatte Jeppesen, der die schnelle Jessica Kleinmann eher für Annika Busch hätte bringen sollen, um Langkeit zu stoppen, noch eine Position freigelassen.

„Gegen Leipzig wird es genauso schwer“, glaubt Diener, sodass die HSG nur mit einer deutlichen Leistungssteigerung die Chance auf eine Überraschung haben dürfte.

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