Eine überragende Tessa Cocx reicht Vipers nicht

Keine Big Points in Buxtehude

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- Buxtehude (jh). HSG Bad Wildungen zieht sich beim Dritten trotz der 26:30 (12:14)-Niederlage gut aus der Affäre.

Als Markus Berchten in der 56. Minute beim Stand von 24:27 seine Auszeit nahm, hatte der Vipers-Trainer noch Hoffnung, dass die HSG in Buxtehude doch noch zu Zählbarem gelangen könnte. Und das, obwohl Cristina Mihai kurz zuvor mit einem Siebenmeter an der eingewechselten Nationaltorfrau Jana Krause gescheitert war. Statt 25:26 hieß es kurze Zeit später 24:27, nachdem auf der Gegenseite Stefanie Melbeck getroffen hatte. Als die routinierte Linkshänderin nach einem Ballverlust von Sabine Heusdens in der 57. Minute beim 28:24 ihr achtes Tor erzielte, „war das Spiel gelaufen“, analysierte Berchten treffend.

Trotz der erwarteten Niederlage war der Schweizer mit dem Auftritt seines Teams vor 1300 Zuschauern im Sportzentrum Nord zufrieden. Obwohl Buxtehude nicht seinen besten Tag erwischt hatte und BSV-Coach Dirk Leun trotz des Sieges stinksauer über die Leistung seiner Schützlinge war, hatte sich der Neuling beim Vizepokalsieger sehr achtbar aus der Affäre gezogen und war dem Attribut „starker Aufsteiger“ wie die Vipers im Hallenheft des BSV betitelt worden waren, gerecht geworden.

Zudem erwies sich Bad Wildungens Coach Berchten noch als netter Gast, als er Buxtehude beim Pressegespräch „ein tolles Spiel“, attestierte, wobei dies Leun alles andere als recht war. „Mit der Leistung können wir nicht zufrieden sein. Ich finde es schade, dass die Mannschaft es nicht schafft, Spannung und Konzentration aufzubauen, um so einen Gegner souverän zu schlagen. Wir müssen langsam den Turbo im Kopf anwerfen“, zürnte der BSV-Trainer, während Berchten „hochzufrieden war. Die Mannschaft hat 60 Minuten gerackert und gefightet“, attestierte der 49-Jährige seinem Team zu Recht.

So ließ sich die HSG auch von einem schnellen 1:4-Rückstand (4.), bedingt durch einige Ballverluste, nicht aus dem Konzept bringen, sondern kam durch einen Doppelschlag von Miranda Robben sogar zum Ausgleich, 5:5 (8.). Auch nach dem 7:7 (14.) ließ die HSG den BSV nicht auf mehr als drei Tore enteilen, sodass dieser erst nach 38 Minuten erst mal mit vier Toren, 20:16, in Front gehen konnte. Zuvor hatte Petra Diener bereits Siebenmeter von Diane Lamein und Isabell Klein abgewehrt. Selbst als die Melbeck und Co. auf 22:17 (43.) und 24:19 (46.) erhöhten, gaben die ohne Torfrau Julia Gronemann (Grippe), „die Reise wäre eine Qual für sie gewesen“, so Berchten, angetretenen Vipers nicht auf.

Angeführt von der überragenden Tessa Cocx, schlug der Tabellenneunte zurück und konnte nach dem zweiten Treffer der in der Abwehr starken Marinda van Cappelle sogar auf 23:24 (50.) zur Freude der 30 mitgereisten und nicht zu überhörenden Fans verkürzen.

Selbst von der engen Deckung gegen Mihai durch BSV-Spielmacherin Randy Bülau ab der zweiten Hälfte hatten sich die Gäste bis dahin nicht beirren lassen. Vielmehr nutzen sie die entstehenden Räume, um Cocx am Kreis anzuspielen, die „nicht nur wegen ihrer acht Tore, sondern auch wegen ihrer starken Deckungsarbeit überragend war“ wie Berchten treffend analysierte.

Doch weil weder die als Anspielerin einige Male glänzende Heusdens, „ihr hat wie Diener im Tor noch das letzte Extra gefehlt“, so Berchten, noch Linkshänderin Mihai oder Spielmacherin Ruta Latakaite am Sonntagnachmittag eine herausragende Leistung abliefern konnten und so Cocx allein auf weiter Flur stand, musste sich die HSG, bei der Torfrau Vanessa Maier (siehe Artikel unten) ihr Debüt feierte, letztlich geschlagen geben.

Dies führte Berchten auch darauf zurück, „dass wir einige Male, als wir noch näher hätten herankommen können, die Big Points nicht gemacht haben, was Buxtehude auch mit Kontern eiskalt bestraft hat. Sonst wäre am Schluss noch mehr möglich gewesen“, bilanzierte der Schweizer. Obwohl Cocx bereits in der 31. Minute von den schwachen Schiedsrichtern ihre zweite Zeitstrafe erhalten hatte, ließ Berchten sie danach weiter auf dem Feld und hatte mit seinem Poker Erfolg. Dies hatte zur Folge, dass die zweite Kreisläuferin Andrea Willimann nicht eingewechselt wurde. Dabei hätte sie Mihai in der Abwehr entlasten können. Doch weil Berchten dort meist schon van Cappelle für Heusdens spielen ließ „und mir zwei Angriffs- und Abwehrwechsel zu heiß waren“, schmorte Willimann wie die A-Jugendliche Marie-Theres Raum 60 Minuten auf der Bank. Dagegen hatte Rückraumspielerin Jovana Jovovic in der ersten Hälfte für Jessica Kleinmann einen Kurzeinsatz auf der ungewohnten Rechtsaußenposition. Auf der konnte Kleinmann ebenso wie Robben auf der linken Seite kaum Akzente setzen.

Zudem hatten beide Teams Probleme im Positionsangriff, auch wenn Berchten hier Fortschritte gesehen hatte. „Wir haben keinen Standhandball mehr, sondern Bewegungshandball gespielt und einen Schritt in die richtige Richtung gemacht“, sagte er nach der Niederlage beim BSV. Dieser konnte es sich leisten, die WM-Teilnehmerinnen Isabell Klein und Katja Langkeit von der Bank kommen zu lassen, während für die HSG zu hoffen ist, dass das Spiel und der weite Trip den Vipers nicht zu viel Kraft für das Heimspiel am Mittwoch gegen Frankfurt/Oder, „was wir gewinnen wollen“, so Berchten, gekostet hat.


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