Vipers Bad Wildungen gelingt Sensation · Siegtreffer sechs Sekunden vor Schluss

Latakaite lässt Leverkusen leiden

- Leverkusen (jh). Nach 7:13-Rückstand und der ersten Führung erst nach 46 Minuten gewann die HSG Bad Wildungen mit 31:30 die Bundesliga-Partie in Leverkusen und sorgt damit bei der Premiere von Markus Berchten auf der Trainerbank für eine Sensation.

27 Sekunden waren noch zu spielen, als Berchten die grüne Auszeitkarte auf den Tisch legte. Als die Schiedsrichter die Partie nach der einminütigen Pause wieder freigaben, kam Cristina Mihai zwölf Sekunden vor Schluss nach einem Freiwurf an den Ball. „Ich wollte eigentlich werfen“, sagte die Rumänin später. Doch weil sich zwei Leverkusener Abwehrspielerinnen auf sie stürzten, „und ich Ruta am Kreis frei gesehen habe“, entschied sich die Linkshänderin im letzten Moment um und passte den Ball zu Latakaite, wobei dieser auf halbem Weg zu Boden zu fallen schien. „Das war ein Scheißpass“, gab die Torjägerin später mit einem Grinsen zu, bevor sie anfügte: „Aber ein gutes Tor von Ruta.“ Und durch den Treffer der überragenden Spielmacherin kam der Rangneunte tatsächlich zum Auswärtscoup beim bisherigen Vierten. Denn nach Latakaites Tor sechs Sekunden vor Schluss hielt die in der zweiten Halbzeit ebenfalls herausragende Torfrau Julia Gronemann auch noch den letzten Freiwurf von Laura Steinbach und tanzte dann ausgelassen mit der Mannschaft. Der erste Erstligaerfolg der Vipers in der Fremde war auch deshalb ein Coup, weil die Gäste schon mit sechs Toren zurücklagen (7:13, 21.), „und niemand gedacht hätte, dass wir hier gewinnen“, wie Gronemann zugab. Die Keeperin, die zunächst Petra Diener, die aber keinen Ball zu fassen bekam, den Vortritt lassen musste, nagelte in der zweiten Halbzeit ihr Tor zeitweise zu. Zwölf Bälle parierte sie in diesem Zeitraum und hatte damit großen Anteil daran, dass die zuvor bis auf das 1:1 (6.) ständig zurückliegenden Gäste nach 46 Minuten durch Mihai nicht nur ausgleichen konnten (24:24, 47.), sondern durch Miranda Robben eine Minute später sogar 25:24 führten. Danach entwickelte sich ein spannender Schlagabtausch, bei dem die Gäste nicht mehr in Rückstand gerieten, gar zweimal mit zwei Toren führten. Zuletzt beim 29:27 175 Sekunden vor Schluss durch die in der zweiten Hälfte aufblühende Mihai. Als Steinbach aber 54 Sekunden vor dem Ende mit einem Gewaltwurf zum 30:30 traf, mussten die Vipers bis zu Mihais Zusammenarbeit mit Latakaite noch einmal zittern. Dass ausgerechnet die Litauerin zum Sieg traf, war bezeichnend für ihre herausragende Vorstellung, bei der die Regisseurin bis zum Stand von 7:12 (19.) alle Bad Wildunger Tore erzielt hatte. „Rutas Siegtreffer war das i-Tüpfelchen auf ihrer Superleistung“, freute sich Berchten, der selbst in der ersten Halbzeit, als die Vipers aufgrund ihrer schwachen Rückwärtsbewegung von Bayer oft überrannt worden waren, am späteren Erfolg gezweifelt hatte. Dass Leverkusen sich in der zweiten Hälfte nicht mehr absetzen konnte, lag vor allem an Gronemann, „die uns im Spiel gehalten hat“, so Berchten. „Zum Glück lagen wir zur Pause nur mit drei Toren zurück“, sagte die Keeperin nach der schwachen Vorstellung im ersten Abschnitt, bei der Berchtens Veränderungen nur bei Latakaite als neuer erster Siebenmeterwerferin griffen. Dagegen konnte die für Sabine Heusdens in der Startformation stehende Marinda van Cappelle vor allem im Angriff nicht überzeugen. Doch in der Deckung steigerte sich die Holländerin so wie das gesamte Gästeteam im zweiten Abschnitt immens, so dass die Premiere von Berchten als Nachfolger von Søren Jeppesen doch noch mit einer Sensation endete. „Ich ziehe meinen Hut vor der Mannschaft, dass sie nach dem ängstlichen Beginn nicht die Flinte ins Korn geworfen hat und zurückgekommen ist“, freute sich Berchten – und wurde von den mitgereisten Fans mit Sprechchören gefeiert.

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