Bad Wildungen 27:29 gegen VfL Oldenburg · Wirtschaftliche Hängepartie dauert an

Nur 50 Minuten mitgehalten

Bad Wildungen - Zu viele kleine Fehler verhindern ein sportlich besseres Ergebnis für die HSG, deren wirtschaftliches Überleben ebenfalls weiter fraglich ist. Auch gestern gab es dazu von den Verantwortlichen keine klare Aussage.

Als die überragende Laura van der Heijden 30 Sekunden vor Schluss in Unterzahl mit ihrem 15. Tor zum 29:26 für Oldenburg traf, waren die Vipers endgültig geschlagen. Die Treffsicherheit der holländischen Halbrechten verhinderte, dass die Gastgeberinnen vor 800 Zuschauern für den großen Kampf, dem sie dem VfL geliefert hatten, belohnt wurde.Kein Wunder, dass Karsten Moos nach dem Spiel noch lange allein auf der Bank saß und ins Leere starrte, wusste der Interimstrainer doch, dass gegen den Pokalsieger mehr drin gewesen wäre. „Wir haben in der entscheidenden Phase ein paar technische Fehler zu viel gemacht“, analysierte der 30-Jährige treffend.

Mit 8:4 (14.) hatte die HSG einen guten Start erwischt und auch noch beim 13:11 (25.) die Nase vorn, dann wendete sich das Blatt. Nach dem 14:17-Pausenrückstand konnten die Vipers, bei denen die schwache Spielmacherin Rebeca Cembranos Bruzon nach ihrer Einwechslung nicht für Entlastung sorgen konnte, insgesamt siebenmal verkürzen. Beim letzten Mal, beim 23:24 (50.), als Miranda Robben nach einem schönen Pass von Sabine Heusdens traf, schien es, als würden die Gastgeberinnen, den Tabellenvierten gar bis zum Abpfiff ärgern können. Die Oldenburgerinnen zogen aber mit einem 4:0-Lauf bis auf 28:23 (53.) vorentscheidend davon. War vor dem Wechsel van der Heijden die herausragende Spielerin, zeigte sich nun die Halblinke Julia Wenzl treffsicher und erzielten in dieser Phase drei Tore. Doch die HSG steckte nicht auf und kam durch Robben noch einmal auf 26:28 (58.) heran, bevor van der Heijden für die Entscheidung zugunsten des VfL sorgte. Den überaus nachvollziehbaren Gedanken an eine kurze Deckung gegen die Holländerin hatte Moos verworfen, „weil dann die Lücken in der Abwehr noch größer geworden wären.“ Trotz der Niederlage feierten die HSG-Fans ihr Team schon vor der Schlusssirene stehend. „Wir hoffen beim nächsten Heimspiel gegen Koblenz am 9. Januar auf eine volle Halle“, sagte der neue Hallensprecher Timo Hartmann. Bis dahin dürfte auch endgültig entschieden sein, ob es bei der HSG weiter geht, auch weil die zuständige Richterin den Vipers eine Frist bis zum Jahresende gesetzt hatte, um ihre Sanierungsbemühungen nachzuweisen. Dem vom Amtsgericht Fritzlar eingesetzten Gutachter Carsten Koch sollen mittlerweile alle Zahlen des Sanierungskonzepts der Sponsorengruppe um Jochen Backhaus, Uwe Gimpel und Simon Hallenberger vorliegen. In den vergangenen Tagen hatte das Trio offenbar aber mit immer neuen Baustellen zu kämpfen, so dass eine Rettung des Schlusslichts weiter fraglich erscheint. Dass aus der Liga mittlerweile zu hören ist, dass die Bad Wildunger die Lizenz für die nächste Saison für beide Bundesligen nach den Statuten der Handball-Bundesliga Frauen (HBF) auch dann verlieren würden, wenn Koch zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt würde, erklärt, dass der Kasseler Anwalt und das Amtsgericht diesen Schritt bisher vermieden haben. Dabei ist die HSG nach dem Abgang von Geschäftsführer Dirk Ex so nur eingeschränkt handlungsfähig.Wie schon berichtet, halten sich nachhaltig Gerüchte, dass nicht alle Spielerinnen mit dem erklärten Gehaltsverzicht einverstanden sind, so dass nicht auszuschließen ist, dass die Vipers, wenn das wirtschaftliche Aus noch abgewendet werden kann, mit einem noch kleineren Kader weiter machen müssen. „Wir trainieren und spielen weiter, bis uns jemand sagt, dass es keinen Zweck mehr hat“, sagte Tessa Cocx. Bleibt zu hoffen, dass die nervige Hängepartie und der Wettlauf gegen die Zeit nicht wie gegen Oldenburg mit einer Niederlage enden. (Jürgen Heide)

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