Niederländerin spricht über ihr letztes Handballspiel, ihre Höhepunkte in Bad Wildungen und ihre Zukunft

Miranda Schmidt-Robben geht mit „komischem Gefühl im Bauch“

Die Frau mit dem Hammer: Bei ihrer offiziellen Verabschiedung nach dem Spiel gegen Bietigheim (24:31) hing Bad Wildungens Linksaußen Miranda Schmidt-Robben (links) ihre Handballschuhe schon einmal symbolisch an den Nagel. Rechts Vipers-Kapitänin Manuela Brütsch. Foto: malafo

Bad Wildungen. Sie kam zur HSG Bad Wildungen, da waren die Vipers noch in den Anfängen. Nun beendet   Miranda Schmidt-Robben ihre sportliche Karriere. 

 Während die Niederländerin in diesen Tagen als Eventmanagerin Einsätze ihres Arbeitgebers, einem Veranstaltungsunternehmen, beim Hessentag in Korbach und sonst auch Hochzeiten plant, beendet die 31-jährige Bad Wildunger Linksaußen heute mit dem Spiel beim TV Nellingen (18 Uhr) zum Saisonfinale (18 Uhr) ihre erfolgreiche Handballkarriere.

Kribbelt es bei ihnen schon, wenn Sie an das Spiel in Nellingen denken, Frau Schmidt-Robben?

Miranda Schmidt-Robben:Ich habe schon ein komisches Gefühl im Bauch, wenn ich daran denke, dass das Spiel in Nellingen mein letztes Handballspiel sein wird und ich mitkriege, dass die anderen Mädels schon über die Sommervorbereitung sprechen, während es diese für mich nicht mehr geben wird.In den letzten drei Jahren war diese wegen unserem dreijährigen Sohn Leo immer mit ganz viel Stress verbunden. Da habe ich immer schon geplant, wo Leo ist, während ich jetzt ein bisschen in den Tag hineinleben kann, was schon etwas besonderes ist und was ich eigentlich nicht kenne. Ich freue mich darauf den Sommer zu genießen, mal mit Leo früher ins Freibad zu gehen und nicht wenn alle Muttis mit Kindern nach Hause gehen, mit der Familie und Freunden zu grillen oder auch mal spontan nach Holland zu fahren. Einfach nicht mehr das getaktete Leben zu haben, bei dem man monatelang im Voraus planen muss, wo man hinfährt, wann man ein Konzert besucht oder sich mit Freunden und der Familie treffen kann.

Wann haben Sie sich entschieden, nach dieser Saison ihre Karriere zu beenden?

Schmidt-Robben: Ehrlich gesagt war ich schon nach der letzten Saison kurz davor, aufzuhören. Ich hatte aber irgendwie das Gefühl, dass ich mit dem Handball noch nicht ganz fertig. Jetzt bin ich mir dagegen sicher. Es wird jedoch einfach mal Zeit für einen neuen Lebensabschnitt: Familienplanung vorantreiben, beruflich weiterentwickeln und einfach mal Freizeit haben, um zu reisen und das Leben zu genießen. Außerdem bin ich bis jetzt ohne große Verletzungen (toi,toi,toi) durch meine Laufbahn gekommen, da will ich das Schicksal nicht noch unnötig herausfordern.

Sie sind den Vipers seit 2009 treu geblieben. Gab es nicht auch verlockende Angebote?

Schmidt-Robben: Neun Jahre beim gleichen Verein zu bleiben ist heutzutage im Spitzensport ja nun nicht mehr gerade an der Tagesordnung. Natürlich gab es zwischendurch immer wieder mal andere Angebote, auch aus dem Ausland und sportlich sowie finanziell manchmal lukrativer, aber von Jahr zu Jahr habe ich mich hier im Waldecker Land einfach immer mehr verwurzelt. Ich war und bin immer noch extrem stolz darauf, dass wir mit unserem kleinen Verein und unseren begrenzten finanziellen Möglichkeiten trotzdem in Deutschlands Spitzenklasse immer wieder für Schlagzeilen sorgen konnten.

Was war ihre persönlichen Höhepunkte in Bad Wildungen?

Schmidt-Robben: Natürlich die mitreißenden Siege als krasser Außenseiter damals in Leipzig oder wie im Januar gegen den großen Thüringer HC. Auch die beiden Aufstiege in die 1. Bundesliga 2011 und 2014, und hier vor allem der 2011, als gleichzeitig meine Schwester ebenfalls mit Celle aufstieg, sind nicht zu vergessen. Damals war meine Mutter bei mir in der Halle, während mein Vater bei meiner Schwester war und wir haben über das Handy erfahren, dass wir beide in die erste Liga aufgestiegen sind. Auch unsere Duelle zähle ich zu den Höhepunkten. Und als Krönung in der letzten Woche das Final Four in Stuttgart. Zudem haben wir uns als kleiner Verein nach dem Tiefpunkt mit der Fast-Insolvenz am Jahresende 2012 fest in der 1. Bundesliga etabliert haben.

Sie sind in Waldeck-Frankenberg sesshaft geworden. Was war neben der Familie dafür ausschlaggebend?

Schmidt-Robben:Familie ist natürlich der wichtigste Punkt, aber es gibt hier viele schöne Ecken in der Umgebung. Im Sommer kann man am See liegen und Wassersport machen und im Winter sogar Ski fahren. Leider fehlt für die jungen Leute ein bisschen die Action, dafür kann man sich über mangelnde Ruhe nun nicht beschweren.

Wie sieht ihr All-Star-Team ihrer aktuellen und früheren Mitspielerinnen aus?

Schmidt-Robben: Jokelyn Tienstra im Tor, meine Schwester Jolanda Bombis-Robben auf linksaußen, Sabine Heusdens auf halblinks, Pearl van der Wissel in der Mitte, Anouk Nieuwenweg auf halbrechts, Annika Busch auf rechtsaußen und Tessa Bremmer am Kreis.

Was muss in der Region unbedingt gesehen oder gemacht haben?

Schmidt-Robben: Die Sperrmauer am Edersee und Schloss Waldeck, aber auch die vielen schönen Veranstaltungen wie das Skispringen in Willingen, Handball bei den Vipers, das Altstadt-Kulturfest in Korbach, der Viehmarkt in Bad Arolsen, das Samba-Festival in Bad Wildungen oder Fußball in Höringhausen.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Vipers und deren Zukunft?

Schmidt-Robben: Unsere Entwicklung war genau richtig: nicht zu schnell, aber dafür kontinuierlich. Meistens ist es doch so, dass wenn man zu schnell wächst, man auch sehr schnell wieder fallen kann. Wirtschaftlich und sportlich geht es Schritt für Schritt nach oben. Ich hoffe nur aus tiefstem Herzen, dass diese Tendenz in der Zukunft bestehen bleibt, da die Rahmenbedingungen in unserem Sport immer schwieriger werden. Sei es beispielsweise die Sponsorensuche oder auch einfach nur passende Spielerinnen zu finden. Es hängt vieles davon ab, wer in Zukunft die Fäden im Verein zieht. Wenn die bisherigen Verantwortlichen Uwe Gimpel, Simon Hallenberger und Tessa Bremmer mal nicht mehr den Verein führen, weiß ich nicht, ob irgendein Außenstehender jemals in der Lage sein wird, unsere Erfolgsgeschichte als kleiner Dorfverein in der großen Bundesliga fortzuführen. (jh/r)

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