Mogelpackung statt großer Hilfe?

Vipers warten noch auf beantragtes Geld

Auch er wartet mit den Vipers auf Geld vom Staat: Der Bad Wildunger Geschäftsführer Uwe Gimpel, der hier beim Pokalspiel gegen Halle-Neustadt (37:31) auf der Tribüne sitzt, links HSG-Rückraumspielerin Marieke Blase.
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Auch er wartet mit den Vipers auf Geld vom Staat: Der Bad Wildunger Geschäftsführer Uwe Gimpel, der hier beim Pokalspiel gegen Halle-Neustadt (37:31) auf der Tribüne sitzt, links HSG-Rückraumspielerin Marieke Blase.

Bezüglich der Zuschüsse vom Bund für Profisportvereine hofft die HSG Bad Wildungen bald auf einen positiven Bescheid.

Bad Wildungen - Es ist ein Kontrastprogramm ohne gleichen. Während die Fußballer melden, dass die 36 Klubs der beiden Bundesligen allein aus ihrer TV-Vermarktung weit mehr als eine Milliarde Euro erlösen und davon gut 100 Millionen der Primus Bayern München erhält, kämpfen andere Profisportler um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Es geht ums wirtschaftliche Überleben aller Vereine in Eishockey, Hand-, Basket- und Volleyball. Denen hatte der Staat zunächst maximal 800 000 Euro pro Klub und 200 Millionen insgesamt für 2020 zugesagt und kürzlich dieses Versprechen auch für 2021 gegeben. Doch bei den Adressaten gilt das Hilfspaket inzwischen als Mogelpackung, auch weil aufgrund enormer Bürokratie nur wenig bis nichts bei den Darbenden ankommt.

Grundsätzlich ist die Bereitschaft von Land und Bund den Profisport zu unterstützen ein dringend notwendiges und zugleich positives Signal. „Im Frauenbereich sind wir schon etatmäßig nicht von den Höchstgrenzen für die Fördermöglichkeiten betroffen, stolpern aber dann in der Bürokratie an Aufwand, rechtlichen Rahmenbedingungen, ungeklärten Fragen oder Voraussetzungen“, sagt Vipers-Geschäftsführer Uwe Gimpel, der .it Hilfe eines Steuerberaters den entsprechenden Antrag gestellt und nun auf einen positiven Entscheid und einen Zuschuss für entgangenen Zuschauereinnahmen hofft.

„Da wir zurzeit kaum die Entwicklung absehen können und selbst bei einem positiven Bescheid nicht wissen, ob wir schlussendlich verlässlich mit den Geldern planen können, bedarf es hier einfacher und sicherer Wege für die Vereine. Die zurzeit zusätzlichen Kosten neben Trainings- und Spielbetrieb für unter anderem für Hygiene, Corona-Testungen zehren stark am Etat, da muss jeder Cent abgewogen werden“, fügt der Chef der Erstligahandballerinnen der HSG Bad Wildungen an.

Handball-Erstligist MT Melsungen hat für 2020 nicht einmal eine Förderung durch dieses Paket beantragt. Eishockey-Zweitligist Kassel Huskies erwartet Tag für Tag vergebens einen positiven Bescheid inklusive Zahlungseingang und Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel hat auch aufgrund seiner Gemeinnützigkeit immerhin von Stadt Kassel und Land Hessen Unterstützung erhalten, beim Bund aber nichts beantragt.

HBL-Boss Frank Bohmann: „Gibt Klärungsbedarf“

Viele Verantwortliche der Profisportvereine loben den guten Willen der Politik nach einer ersten Zurückhaltung im Frühsommer, dann doch den Sport zu unterstützen. Sie sehen aber in der Umsetzung viele Mängel aufgrund enormer Bürokratie und offener Fragen. Auch weil EU-Recht offenbar die maximale Zuwendung pro Klub auf einmal 800000 Euro limitiert. Damit würden etliche Vereine 2021 leer ausgehen.

„Das hat uns völlig kalt erwischt“, sagte Geschäftsführer Stefan Holz von der Basketball-Bundesliga (BBL). Sollte die Regelung nicht pro Kalenderjahr gelten, stelle sich die Frage, „ob unter diesen Umständen ein neuer 200-Millionen-Topf überhaupt Sinn macht“.

Auch Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL) sieht noch einigen Klärungsbedarf. Er hoffe, dass „wir bis Weihnachten Klarheit haben und dann sicher kalkulieren können.“ Sein Kollege Gernot Tripcke von der Deutschen Eishockey-Liga betont, wie wichtig es sei, „dass die Klubs die Zahlungen für 2021 zusätzlich erhalten“. 13 von 14 DEL-Klubs hätten die Hilfen wegen ausbleibender Einnahmen aus dem Kartenverkauf beantragt und drohen nun für 2021 leer auszugehen.

Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, bestätigte, dass der Höchstsatz zur Kompensation ausbleibender Zuschauereinnahmen bei 800000 Euro bliebe. Darüber hinaus könne aber noch eine Unterstützung für die Deckung von Fixkosten beantragt werden – maximal drei Millionen Euro.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) müht sich um eine Lösung mit der Politik. Derzeit wird geprüft, wie die Unterstützung trotz der herrschenden EU-Richtlinien ausgezahlt werden kann und welche weiteren Fakten die Zuschüsse begründen könnten. Tripcke sagt daher: „Wir sehen, dass der politische Wille da ist.“

Fakt ist, dass das Paket für 2021 nur mit 80 Millionen Euro frischem Geld geschnürt werden muss. Die anderen 120 Millionen sind aus 2020 noch übrig. Was zeigt, dass dringend nötige Förderung nicht ankommt. Viele Vereine können den großen Verwaltungsaufwand für die Anträge nicht leisten, gehen dadurch leer aus und finanziell am Stock. (sam/jh) mit sid/dpa

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