Obwohl HSG-Coach Berchten glaubt, dass VfL-Spielstil seinem Team nicht liegt, hofft er auf nächste Überraschung

„Oldenburg spielt grauenhaftes Tempo“

- Bad Wildungen (jh). Gegen den Vierten wollen die Bad Wildunger Vipers in der Handball-Bundesliga der Frauen nach dem Sieg in Leverkusen einen weiteren Coup schaffen.

Der Knaller, den der Aufsteiger mit dem 31:30-Auswärtscoup am vergangenen Freitag in Leverkusen zündete, wirkt auch im neuen Jahr noch nach. So waren für das heutige Spiel gegen Oldenburg (19 Uhr, Ense-Halle) bereits gestern alle Sitzplatzkarten vergriffen. „Wir gehen von einer vollen Halle aus“, sagte HSG-Rückraumspielerin Sabine Heusdens, die auf der Geschäftsstelle der Vipers mitarbeitet.

Auch Markus Berchten hat die Euphorie mitbekommen, die im Umfeld des Siebten nach den ersten Punkten in fremder Halle herrscht. Durch den Premierensieg über ein Spitzenteam sei nicht nur das Selbstvertrauen seiner Spielerinnen gestiegen, sondern deren eigene Erwartungshaltung „ist innerlich höher geworden. Auch die des Umfelds ist größer geworden. Vielleicht ist sie außen sogar zu hoch“, sagt der neue Coach.

Trotz der beiden unerwarteten Zähler vor dem Jahreswechsel sieht der Schweizer sein Team gegen den Traditionsverein in der Außenseiterrolle. Dies begründet er auch damit, dass „Oldenburg schnell und mit vielen Finten spielt. Sie suchen oft die 1:1-Situation und spielen insgesamt einen Stil, der uns nicht auf den Leib geschneidert ist“, sagt der 48-Jährige in Anspielung darauf, dass der VfL vielen flinke Akteurinnen in seinen Reihen hat, von denen keine Feldspielerin mehr als 1,79 Meter misst, während im Team der HSG viele größer gewachsene Handballerinnen stehen.

„Oldenburg spielt über 60 Minuten ein grauenhaftes Tempo“, sagt Berchten über das offensivstärkste Team der Liga, das für ihn schwerer auszurechnen ist als Leverkusen, „weil sie vom Kollektiv sehr stark und von allen sechs Positionen gefährlich sind, während Bayer meist versucht, Laura Steinbach und Nadine Krause zum Abschluss zu bringen.“ So ist ein schnelles Rückzugsverhalten der HSG noch nötiger als in Leverkusen, wo die Gäste in den ersten 20 Minuten oft überrannt wurden.

„Das lag auch daran, dass wir viele Bälle einfach verloren haben. Wenn wir gegen Oldenburg nur wenige Konter zulassen, haben wir gegen sie eine gute Chance, sonst nicht“, glaubt Berchten.

Besonders müsse sein Team auf die holländischen Nationalspielerinnen Laura van der Heijden und Lois Abbingh aufpassen. „Van der Heijden ist eine extrem gute Linkshänderin im rechten Rückraum und Abbingh wirft auch aus zehn Metern Tore“, sagt Berchten über die Halblinke, die trotz ihrer „erst 19 Jahre eine nervenstarke Siebenmeterschützin und auch stark im Eins-gegen-Eins ist“.

Auch Kreisläuferin Wiebke Kethorn, „die seit Jahren beständig gut spielt“, gelte es zu beachten, fügt er an.

Der Schweizer bangt noch etwas um den Einsatz von Torhüterin Petra Diener, die ein Grippevirus plagt. Berchten geht aber davon aus, dass die Lebensgefährtin von Geschäftsführer Dirk Ex spielen kann. Andernfalls würde die A-Jugendliche Vanessa Maier nachrücken. Den 12er-Kader von Leverkusen sollen deren Teamkolleginnen Julia Ammann und Vanessa Kohler auffüllen.

Auch gegen den VfL will Berchten im Rückraum wieder rotieren lassen und Marinda van Cappelle in der Offensive einsetzen, obwohl sich die Holländerin in Leverkusen „dort schwergetan hat“, wie Berchten zugibt. Dafür bescheinigte der Coach, „ich bin ein Trainer, der oft nach der Deckung aufstellt“, seiner Nummer zehn „eine sensationelle Abwehrleistung“. So könnte sich Heusdens erneut erst einmal wieder auf der Bank wiederfinden, obwohl Berchten mit ihrer Leistung in der zweiten Halbzeit in Leverkusen zufrieden war, „nachdem Sabi zuvor in einigen Spielen zu viel wild drauflos geknallt hat.“ Diese nimmt ihre ungewohnte Rolle – zumindest nach außen hin –
gelassen. „So kann ich mich mehr auf den Angriff konzentrieren“, sagt Heusdens.

Den Sieg in Leverkusen hat Berchten mit seinem Team übrigens nur ganz kurz analysiert, auch „um nicht allzu viel Euphorie aufkommen zu lassen“, die bei seinen Spielerinnen aber nicht mehr zu verhindern sein wird, wenn diese auch Oldenburg schlagen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare