Bad Wildunger Trainerin ist nach der 25:34-Niederlage bei Bayer Leverkusen sauer auf ihr Team

Pleite macht Tessa Bremmer böse

Leverkusen - Die schwachen Vipers können in der Smidt-Arena nur 32 Minuten lang bei den keineswegs überragenden Elfen bis zum 14:16 mithalten, bevor sie beim Tabellensechsten untergehen. Die starke HSG-Torfrau Manuela Brütsch verhindert noch eine höhere Niederlage.

Keine zwei Minuten waren nach dem Seitenwechsel absolviert, da schien der Traum vom Auswärtssieg in Leverkusen für die Bad Wildungen Vipers auf einmal zum Greifen nahe. Bis auf zwei Tore hatte Rückraumspielerin Laura Vasilescu die Gäste mit ihrem erfolgreich verwandelten Siebenmeter herangebracht (14:16) – und das gegen bis dahin keineswegs überragende Elfen.Doch das Erwachen fiel umso schmerzhafter aus. Keine 15 Minuten später war bei da schon zehn Treffern Rückstand (18:28) bereits alle Hoffnung dahin. An dieser sicherlich gruseligsten Phase des Auswärtsspiels am Rhein mochte HSG-Trainerin Tessa Bremmer die 25:34 (13:16)-Niederlage aber nicht alleine festmachen.

Schwache HSG-Verteidigung

Sicher: Nach der Pause kamen die Leverkusenerinnen – von den Vipers eingeladen durch die fatale Mischung aus schlechter Verteidigung und leichten Fehlern im Angriff – immer öfter in ihr gefürchtetes Tempospiel und führten zeitweise schon mit elf Toren, 30:19 (48.). „Aber im Grunde haben wir über die gesamte Spieldauer nicht das gemacht, was wir uns vorgenommen haen“, schimpfte Bremmer. Erschwerend seien in dieser Phase noch die mangelnde Laufbereitschaft beim gegnerischen Gegenstoß und die vielen leichten Zuspiele an den Kreis hinzugekommen. „Das ist auch eine Einstellungssache“, befand die Übungsleiterin. Mit den Unterschieden in Kader und Etat mochte sie das deutliche Resultat nicht schönreden. „Es ist wirklich keine Schande, in Leverkusen zu verlieren. Aber die Art und Weise macht mich wirklich…“, setzte sie an und vollendete nach einer kurzen Denkpause, „böse“. Schon zur Pause war Bremmer deutlich geworden, obwohl sich der Rückstand da noch in erträglichen Dimensionen bewegte. „Aber das lag nicht an unserem Spiel, sondern einzig und allein an der überragenden Leistung unserer Torhüterin. Sie hat uns im Spiel gehalten und niemand sonst“, stellte Bremmer zu Recht die überzeugende Vorstellung von Keeperin Brütsch heraus.Die Schweizer Nationaltorhüterin zeigte vor der Pause elf Paraden, meist in höchster Bedrängnis, darunter waren sogar zwei gehaltene Siebenmeter von Junioren-Auswahlspielerin Jennifer Rode und Nationalspielerin Kim Naidzinavicius. Schon da wurde Brütsch viel zu oft „von der Abwehr im Stich gelassen“, so Bremmer.

Wolf: „Wir hatten es einfach“

Deutlich schlimmer wurde das nach dem Seitenwechsel, als Brütsch im meist mit viel Tempo vorgetragenen Angriffswirbel des Rekordmeisters immerhin noch siebenmal einen vielversprechenden Bayer-Angriff vereiteln konnte. „Da hat Bad Wildungen es uns sehr einfach gemacht“, räumte Elfen-Trainerin Renate Wolf ein. Nach der Schlusssirene verließ auch die junge Ex-Leverkusenerin Johanna Stockschläder wie ihre die Teamkolleginnen nach einer kurzen Umarmung für die einstigen Mitspielerinnen Ramona Ruthenbeck und Johanna Heldmann mit hängendem Kopf die Arena, in der sich die einstige Nachwuchselfe rund anderthalb Jahre nach dem Titelgewinn mit dem Bayer-A-Junior-Team deutlich gereift präsentierte.Zu Beginn hatte sie sich an alter Wirkungsstätte und auf Linksaußen noch reichlich nervös gezeigt. Sie leistete sich zwei Würfe neben das Tor und scheiterte einmal an der starken Elfen-Torfrau Valentyna Salama­kha, wobei sie von Linksaußen nur einmal traf. „Das war aber der Nervosität geschuldet. Sie ist noch jung. Da ist so etwas entschuldbar“, zeigte sich Bremmer gnädig.

„Stocki“ als Spielmacherin

Dies musste die HSG-Trainerin aber auch angesichts der Schlussphase sein, in der „Stocki“ – jetzt aus dem Rückraum als Spielmacherin und Ideengeber ebenso angefeuert wie gefeiert von der Busladung Vipers-Fans in der Halle – richtig aufdrehte. Sie übernahm Verantwortung, setzte sich gegen die nun etwas zaghafte Elfen-Verteidigung mehrfach durch, brachte einige Anspiele durch und erhöhte ihre Ausbeute auf vier Treffer. „So eine Entschlossenheit hätte ich mir von einigen etablierten Spielerinnen heute auch mal gewünscht“, betonte Tessa Bremmer. Das machte Stockschläder aber nicht nur im eigenen Team zum Vorbild. Wolf mochte ihrer jungen Garde (am Ende verstärkt im Einsatz) dieses Beispiel vorhalten. „Das hat sie wirklich klasse gemacht. Eine gute, starke Leistung. Johanna hat einige Akzente gesetzt. So etwas hätte ich mir beispielsweise auch von Ramona Ruthenbeck gewünscht“, lobte die Ex-Nationalspielerin und erfahrene Trainerin die frühere Elfe auf Kosten der einstigen Teamkolleginnen.Außer Brütsch und Stockschläder durfte sich indes nur noch eine weitere Spielerin der Vipers aus der Kollektivkritik ausgenommen fühlen: Laura Vasilescu war nicht nur mit acht Treffern beste Schützin ihres Teams, sondern sogar (viel zu) lange die einzig gefährliche Waffe im Bad Wildunger Angriff. (tok/jh)

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