Rücktritt bei Vipers zum Saisonende 

Publikumsliebling Miranda Schmidt-Robben hört auf

Durchsetzungsfähig: Vipers-Linksaußen Miranda Schmidt-Robben (Mitte) hat oft zwei oder mehr Gegenspielerinnen beschäftigt. Die Niederländerin beendet nach der Saison ihre Karriere.

Von Reinhard Schmidt

Bad Wildungen. Zwei personelle Entscheidungen gaben die Verantwortlichen der HSG Bad Wildungen vor dem Spiel gegen den HC Rödertal bekannt. Er habe eine schlechte und eine gute Nachricht zu verkünden, teilte der sportliche Leiter Jochen Busch mit und begann mit der schlechten: Die Niederländerin Miranda Schmidt-Robben beendet nach dieser Saison ihre Karriere. Den Abschied vom Handball hatte im vergangenen Jahr bereits Annika Busch verkündet. Sie war der Grund für die gute Nachricht. Jochen Busch gab bekannt, dass seine Tochter es nach der schweren Knieverletzung doch noch mal wissen will und zu den Vipers zurückkehren werde (siehe Text oben). Sie habe einen Einjahresvertrag unterschrieben.

Die ehemalige niederländische Nationalspielerin Miranda Schmidt-Robben ist seit neun Jahren bei der HSG Bad Wildungen aktiv und hat alle Höhen und Tiefen den Vereins miterlebt. Mit ihr verlieren die Vipers nicht nur eine gute Handballerin, sondern auch eine Identifikationsfigur des Vereins, eine Führungspersönlichkeit in der Mannschaft und einen Publikumsliebling. Die 31-Jährige erklärte in einem Interview die Gründe für ihre Entscheidung, dem Leistungssport auf Nimmerwiedersehen zu sagen.

Frau Schmidt-Robben, bedeutet ihr Abschied vom Handball auch Abschied von den Vipers oder können Sie sich vorstellen, als Trainerin zurückzukehren?

Schmidt-Robben: Man soll nie nie sagen, aber erst einmal ziehe ich mich vom Spielbetrieb zurück, will ein bisschen mehr Abstand vom Handball und mehr für die Familie da sein. Ich bin aber weiterhin hier und werde vielleicht ab und zu auch noch mittrainieren.

Liegen die Gründe für den Rücktritt vor allem darin, dass es schwer ist Beruf, Familie und Handballbundesligaspielerin unter einen Hut zu bekommen?

Schmidt-Robben: Das ist ein Grund, obwohl der Verein mir schon sehr entgegen gekommen ist, denn er hat mir montags und mittwochs schon einen Mama-Tag gewährt. Arbeit, Kind, Training, Bundesliga, fast jedes Wochenende unterwegs in ganz Deutschland, das ist langsam zu viel. Mein Sohn fordert mittlerweile mehr von mir und sagt ‚Mama muss schon wieder weg zum Handball’. Die Kinder werden so schnell groß, ich bin jetzt 31 Jahre alt – ein guter Zeitpunkt, um den jüngeren Mädels Platz zu machen. Es ist schön gewesen.

Sie hätten von ihrer handballerischen Klasse auch in Spitzenteams der Bundesliga spielen können. Was hat Sie in Bad Wildungen gehalten, außer ihrem heutigen Mann Thomas Schmidt, den sie zunächst nur als Physiotherapeut kennengelernt hatten?

Schmidt-Robben: Natürlich spielt Thomas dabei eine große Rolle. Ich hatte schon einige Angebote, aber ich habe mich in Wildungen sehr wohl gefühlt. Ich habe hier auch viel miterlebt, fast eine Insolvenz, wir haben auf Geld verzichtet und irgendwann kam die Einsicht: Es ist nicht immer besser woanders. Hier weiß ich, was ich habe, spiele immer 60 Minuten, bin hier eine wichtige Spielerin, dann fragt man sich, will ich wieder von vorn anfangen, finde ich einen Job, findet Thomas einen Job. Irgendwann habe ich gesagt: Ich bleibe hier.

Wie viel Heimweh haben Sie nach Holland?

Schmidt-Robben: Viel!

Warum gehen Sie mit ihrer Familie nicht nach Holland?

Schmidt-Robben: Wir reden immer mal wieder darüber zurückzugehen, denn meine Eltern leben noch dort. Aber ich habe mir hier in Deutschland ein Leben aufgebaut, bin schon 13 Jahre weg aus Holland, Thomas ist deutsch, meine Schwester wohnt auch in Deutschland, in Hannover.

Wenn sie in Holland wohnen würde, würde mir die Entscheidung, in Deutschland bleiben oder zurückzugehen, viel schwerer fallen. Ich kann ja künftig öfter mal ein Wochenende in Holland verbringen. Darauf freue ich mich schon sehr.

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