Die Unbeugsame kehrt nach fünf Kreuzbandoperationen zurück

Viper Marieke Blase ist nicht zu stoppen 

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Wieder am Ball: Die Bad Wildunger Handballerin Marieke Blase (links), hier in der Vorsaison beim Sprungwurf gegen die damalige Blombergerin Celine Michielsen.

Marieke Blase  ist die Comebackerin bei den Handballerinnen der HSG Bad Wildungen. „Eine absolute Leistungssportlerin“, sagt ihre Trainerin.

Als sich Marieke Blase am 12. Oktober 2019 bei der Bad Wildunger 27:30-Niederlage bei den Kurpfalz Bären ihren vierten Kreuzband- und zudem noch einen Innenmeniskusriss zuzog, schien die Handballkarriere der Rückraumspielerin endgültig vorbei zu sein. „Ich konnte das nicht glauben und habe die ersten Nächte nur durchgeweint“, erzählt die Halblinke. Doch recht schnell erwachte der Kampfgeist der gebürtigen Oldenburgerin. „Ich habe mich nicht gefragt, wieso ich, sondern ich wusste, dass ich mich wieder operieren lassen und weiter Handball spielen würde.“ Elf Tage später lag sie unter dem Messer und kehrte tatsächlich am vergangenen Samstag beim 30:27-Coup der Vipers bei der HSG Bensheim/Auerbach auf das Handballfeld zurück.

„Ich war vor meinem Einsatz schon sehr nervös, das war eine sehr emotionale Sache für mich“, sagt die 26-Jährige. „Handball ist ihre absolute Leidenschaft. Marieke hat den Charakter einer absoluten Leistungssportlerin. Sie hat den Biss und das Durchhaltevermögen, das man heute leider kaum mehr findet“, sagt Trainerin Tessa Bremmer über die 1,79 Meter große Rückraumkraft.

„Ich liebe Handball"

„Handball ist das, was ich liebe. Ich könnte nicht ohne Handball sein“, begründet Blase selbst, wieso sie unbedingt weiter spielen wollte. Und das, obwohl sie nach einem noch im Trikot des Thüringer HC erlittenen Kreuzbandriss im rechten Knie 2014, dem nach ihrem Wechsel zur HSG im August 2016 ein weiterer im rechten Knie folgte, bevor sie im Mai 2017 und im März 2018 zwei weitere Kreuzbandrisse im linken Knie erlitt.

„Kind, lass es sein"

„Kind, jetzt lass es doch mit dem Handball gut sein“, riet Blase nach der in Ketsch erlittenen Verletzung ihre Mutter Sabine Kalla. Nicht nur die frühere Handballnationalspielerin vom VfL Oldenburg vertrat diese Meinung, sondern auch viele Freunde von Blase, „auch weil sie mich nicht wieder leiden sehen wollten, da ihnen das bis ins Mark ging.“ Sie solle an die Spätfolgen denken, bekam die Handballerin mit der Rückennummer 23 oft zu hören. Doch sie entschied sich anders. „Es ist meine Entscheidung und ich will unbedingt weiter Handball spielen. Aufzuhören war für mich nie eine Option. Ich lasse meinen Willen nicht brechen, auch weil ich daran glaube, dass man alles schaffen kann, was man will“, sagt die Unbeugsame.

Zu ihrem Entschluss habe auch beigetragen, „dass es meine Knie noch zulassen, Handball zu spielen“, auch, weil sie von den Kreuzbändern abgesehen, „super aussehen. Ich habe nichts an den Knorpeln und bei den Stabilitätstest habe ich noch besser als zuvor abgeschnitten“, sagt die „positiv Handball-Bekloppte“, die in beiden Knien als Kreuzbandersatz Semitendinosussehnen von Verstorbenen eingesetzt bekommen hat, „da ich meine schon verbraucht habe“.

Der abermalige Weg auf das Handballfeld zurück sei „wirklich schwierig gewesen“, gibt Blase zu, deren Vater Wolfgang früher die Oldenburger Erstligahandballerinnen trainierte. Neben ihrer Familie, „meine Mutter ist nicht ganz glücklich mit meiner Entscheidung“, hätten sie ihre Freunde, die Mannschaft, Bremmer und vor allem ihr Lebensgefährte Kamil Olejniczak unterstützt. „Er war unendlich für mich da“, sagt Blase über den früheren HSG-Physiotherapeuten.

Auch weil die Ärzte „ihr Okay“ gegeben hätten, half Bremmer, „Tessa hat nicht gestresst“, so Blase, ihrer Wunschspielerin bei deren Comeback. „Marieke braucht natürlich noch Zeit, aber wenn sie gesund bleibt, kann sie eine tragende Rolle bei uns einnehmen, nachdem sie uns jetzt schon gerade in der Abwehr hilft“, sagt die HSG-Trainerin. „Ich möchte einfach wieder Handball spielen und mich in Bad Wildungen für einen neuen Vertrag empfehlen“, sagt Blase, deren Kontrakt am Saisonende ausläuft.

„Wir haben das Potenzial für einen einstelligen Tabellenplatz“, sagt die als Physiotherapeutin 25 Stunden wöchentlich im Gesundheitszentrum Helenenquelle in Bad Wildungen arbeitende Abteilungsleiterin. Sie träumt als ehemalige Juniorennationalspielerin davon, noch einmal, dann in der A-Nationalmannschaft, „den Adler auf der Brust zu tragen“, doch derzeit hat Blase nur den Wunsch „gesund zu bleiben“. jh

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