Handball: Wildungerinnen wollen mit Sieg ins Viertelfinale

Vipers im Pokal gegen Halle: Pereiras Ausfall wiegt schwer

 Maria Ines Da Silva Pereira (2. von rechts)
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Nicht mit dabei: Auch wenn es hier so aussieht, mit einem Bein kann auch Maria Ines Da Silva Pereira (2. von rechts) nicht Handball spielen. Sie fällt gegen Halle aus.

Seine eigenen Gesetze soll der Pokal haben – auch im Handball. Das ist doch nur eine Phrase, oder?

Bad Wildungen – „Nein, da ist schon was dran“, meint Tessa Bremmer, Trainerin der Handballspielerin der HSG Bad Wildungen Vipers, die morgen (19 Uhr) im Achtelfinale des DHB-Pokals auf den Bundesligakonkurrenten SV Halle/Neustadt treffen.

Aber was steht drin in diesen Gesetzen? „Etwa, dass man bereit ist, in diesem einen Spiel mehr Risiko zu gehen“, meint Bremmer.

Wenn die riskantere Spielweise klappt, kann eine Mannschaft auch über sich hinauswachsen. Das hat der SV Buxtehude bewiesen, der am vergangenen Mittwoch den noch ungeschlagenen Bundesliga-Spitzenreiter Borussia Dortmund mit 26:25 aus dem Pokalwettbewerb gekegelt hat.

Genau dieses Buxtehuder Team haben die Vipers vor zwei Wochen im Ligaspiel besiegt - mit einer herausragenden Maria Ines Da Silva Pereira. Ausgerechnet sie wird gegen Halle nicht auflaufen.

„Sie hat sich leider im Training eine Knöchelverletzung zugezogen“, berichtet Bremmer. Das bedauert die Trainerin sehr, nicht nur wegen Pereiras Tordrang, sondern vor allem wegen ihrer Defensivqualität. Bremmer ist seit der Verletzung von Vanessa Magg auf der Suche nach einem gut harmonierenden Innenblock und meinte, in Pereira dieses Problem halbwegs gelöst zu haben.

Defensivverbund wieder umstellen

Jetzt heißt es für die Vipers-Trainerin, dass sie den Defensivverbund schon wieder umstellen muss. Daher ist sie insgeheim froh über dieses Pokalspiel, das somit auch ein wenig zum Testspiel wird. „Ich bin da ganz ehrlich, Pokal ist mir nicht so wichtig wie die Liga“, betont die Trainerin.

„Das heißt aber nicht, dass wir dieses Spiel nicht ernst nehmen, wir wollen natürlich eine Runde weiterkommen.“ Bremmer hat auch viel Vertrauen in ihren Kader. „Wir haben noch genug andere qualitativ gute Spielerinnen, die nach dem Ausfall von Maria ihre Chance nutzen können.“

Der SV Halle/Neustadt lag den Wíldungerinnen bisher recht gut, aber die Mannschaft von Trainer Jan-Henning Himborn hat an handballerischer Stärke zugelegt. Die Vipers-Siegesserie riss im März dieses Jahren als das Heimspiel mit 22:27 verloren ging. Beide Mannschaften haben vermutlich wenig Geheimnisse voreinander, denn sie kennen sich gut, weil sich ihre Wege auch in der Vorbereitungszeit immer mal wieder kreuzen.

Der Aufsteiger spielt bislang eine gute Saison und liegt auf Tabellenplatz sieben. „Sie haben ihren Kader vor allem in der Breite gut verstärkt“, lobt Bremmer. Daher weist sie die Favoritenrolle für ihre Mannschaft von sich. „Es wird ein Spiel auf Augenhöhe und die Tagesform wird über den Sieg entscheiden.“

Bis auf Pereira und Magg hat Bremmer alle Spielerinnen an Bord. Aber eine wichtige Motivationsstütze fällt aus: Die Zuschauer werden der Mannschaft fehlen.

Mit Akribie gegen die Wildunger „Wundertüte“

Wer im Sport als unberechenbar gilt, der ist für den Gegner schwer auszurechen. Diese Aufgabe will Trainer Jan-Henning Himborn mit seinen Handballerinnen des SV Halle/Neustadt lösen.

Wie bereitet er seine Wildcats auf die „Wundertüte“ Wildungen vor? Der Coach muss lachen und antwortet pfiffig: „Akribisch.“ Ins Detail will er hier natürlich nicht gehen. Das Gute an dieser Vorbereitung sei, dass sie fast schon für zwei Spiele gelte, sagt der Coach, denn in zwei Wochen gastierten die Vipers in der Liga in Halle.

Corona beschert einem nur Nachteile, aber einen Vorteil könnte das Virus durchaus haben: Es verschönert Gästen möglicherweise das Auswärtsspiel, weil sie nicht gegen eine Zuschauermenge agieren müssen. Die Ränge in Wildungen werden leer sein.

Darüber kann sich Himborn aber nicht freuen. „Handball ohne Zuschauer geht gar nicht, auch, wenn sie gegen einen sind“, betont der Coach, der den Vipers die Favoritenrolle zuschiebt. „Sie sind eine etablierte Bundesligamannschaft und wir sind Aufsteiger.“

Der Coach scheint aber zu wissen, wie er den Vipers den Zahn ziehen kann. „Ich glaube, Wildungen ist eine Mannschaft, die sehr von der Tagesform abhängig ist und wie gut sie ins Spiel hineinfindet.“ Sein Team müsse daher vor allem in der Anfangsphase fair, aber körperbetont dagegen halten.

Warum es in dieser Saison so gut läuft für sein Team, dafür hat der Coach keine genaue Erklärung. „Wir haben keine Spielerin die herausragt, wir entwickeln unser Stärke im Kollektiv.“

Und obwohl der Coach davon ausgeht, dass es ein enges Spiel geben wird, vielleicht mit Verlängerung hat eines nicht trainieren lassen: Siebenmeterwerfen. „Das ein Pokalspiel so entschieden wird, passiert recht selten im Handball.“ rsm

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