Wildunger Handball-Frauen sehen zu hohes finanzielles Risiko

Pannenserie in Blomberg: Vipers verzichten auf Einspruch

Hatte in Blomberg viel Grund sich aufzuregen: Bad Wildungens Trainerin Tessa Bremmer. Die Vipers sehen aber von einem Einspruch ab. Foto: malafo

„Die werden nicht reichen.“ So antwortete Tessa Bremmer auf die Nachfrage der WLZ, ob sie zehn Minuten Zeit für eine Nachbetrachtung des Bundesliga-Spiels der HSG Bad Wildungen bei der HSG Blomberg-Lippe habe.

Bad Wildungen– Kein Wunder, dass der Blick zurück so lange dauert: Zu viel ist schief gelaufen aus Sicht der Wildunger am vergangenen Samstag in Blomberg. Zu sehr steckt der Frust noch im gesamten Team, wie die Trainerin der HSG versichert.

„Es wurden viele Fehler gemacht, die in der ersten Bundesliga nichts zu suchen haben. Deswegen sind wir wütend“, sagt sie. Dennoch: Von einem Einspruch, den er am Spieltag noch angekündigt hatte, sieht der Verein ab, zumal die Erfolgsaussichten schwer einzuschätzen sind.

zum ärgerlichen Auswärtsspiel

Wie ist das Spiel eigentlich ausgegangen?

Schon allein an dieser Frage scheiden sich die Geister. 29:27 hat Blomberg-Lippe gewonnen – auf dem Papier. Woher das 29. Tor kommt, kann offenbar auch im Nachhinein nicht schlüssig erklärt werden. Die Vipers waren, so Tessa Bremmer, von einem Spielstand von 28:27 ausgegangen, die Schiedsrichter und Zeitnehmer beharrten auf 29:27. „Wenn du nur um ein Tor hinten liegst und noch eine Minute Spielzeit hast, reagierst du taktisch, vom Coaching her ganz anders und mit weniger Risiko als bei zwei Toren Differenz“, erklärt die HSG-Trainerin.

Warum gab es so unterschiedliche Auffassungen über den Spielstand?

Das lag an der Anzeige-Tafel in der Halle. Die hat offenbar fast während des gesamten Spiels Aussetzer gehabt bzw. Fehler produziert. Bremmer schildert unter anderem zwei Beispiele: „Bei 6:5 wirft Blomberg ein Tor; plötzlich stand da 8:5. Bei 17:22 machen wir ein Tor – angezeigt war dann 18:23.“

Was ging noch schief?

Als die Vipers in Unterzahl die Torhüterin gegen eine zusätzliche Feldspielerin austauschen, wollen die Offiziellen am Zeitnehmertisch einen Wechselfehler gesehen haben, sodass HSG-Torhüterin Manuel Brütsch eine Zeitstrafe aufgebrummt bekam. In der offiziellen Spielstatistik taucht diese aber nicht auf. Kurz zuvor gab es zwei Minuten gegen Miranda Schmidt-Robben (Nummer 21); notiert wurde aber Nummer 20, sodass es erneut zu Diskussionen kam. Das sind nur zwei von mehreren Pannen, die Bremmer aufzählte.

Immer wieder, so die HSG-Trainerin, habe die Wildunger Bank Zeitnehmer und Sekretär auf Fehler hingewiesen – vergebens, ohne Folgen.

Legen die Vipers jetzt Einspruch ein?

Man kann schon sagen, dass uns all die Vorkommnisse einen oder zwei Punkte gekostet haben. Aber: Wir haben zwei Tage alles erörtert und darüber nachgedacht. Manche haben uns gesagt, ein Einspruch hätte gute Chancen. Aber wir werden das nicht machen“, erklärt Tessa bremmer und fügt hinzu, finanziell sei ein Einspruch  ein großes Risiko: „Einspruchsgebühr, Fahrt- und Anwaltskosten – das kostet ein paar tausend Euro. Selbst wenn wir erfolgreich sind, wird es schwer, im Wiederholungsspiel zu punkten gegen eine Mannschaft, die eigentlich besser ist als wir“, meint die Niederländerin. Wäre der Gegner ein direkter Konkurrent im Abstiegskampf gewesen, hätte man Einspruch eingelegt, stellt sie klar.

Zudem fürchtete die HSG eine Neuansetzung an einem Mittwochabend direkt vor einem der wichtigen Kellerduelle. „Auch personell ist das ein Risiko bei unserem kleinen Kader“, so Bremmer. Lieber wolle man all die Emotionen nun mit ins wichtige Heimspiel gegen die Kurpfalz Bären aus Ketsch am kommenden Samstag (19 Uhr) nehmen.

Bremmer: "Es ist einfach bitter: Alles, was wir an Fehlern kritisiert haben, wurde zugegeben und ist nachweisbar. Aber das hilft uns nicht."

Ligaleitung bestätigt Fehler

Was sagt die Ligaleitung zu dem Fall?

Uwe Stemberg von der „Spielleitenden Stelle“ der HBF (Handball Bundesliga Frauen) hat sich ausführlich mit den Vorkommnissen befasst. „Alle Beteiligten, Schiedsrichter wie andere Offizielle, haben sich das Spiel auf Video angeschaut und danach alle Fehler eingestanden“, sagt Stemberg. Es sei auch klar geworden, dass das Spiel 28:27 ausgegangen sei. Stemberg bekräftigt aber: „All das führt nicht automatisch zu einer Neuansetzung. Ein Einspruch hätte aus meiner Sicht keinen Erfolg gehabt.“

Haben diese Pannen also keine Konsequenzen?

Sportlich gesehen nicht. Einzige Folge: Uwe Stemberg („wir müssen professioneller werden“) hat fürs nächste Heimspiel von Blomberg eine Spielaufsicht durch die HBF angekündigt. Sollte die Anzeigetafel erneut streiken, werde die Halle als Spielort solange gesperrt, bis sie wieder funktioniert. (schä)

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