Nach dem Auswärtscoup in Leverkusen will sich Matchwinnerin und Regisseurin Ruta Latakaite mit den Vipers nach oben orientieren

„Wir dürfen jetzt nicht mit Platz zehn zufrieden sein“

- Leverkusen (jh). Für den früheren Trainer Gernot Weiss war sie „der Kopf der Mannschaft“, für Ex-Coach Søren Jeppesen „mein Hirn auf dem Feld“. Auch der neue Verantwortliche auf der Vipers-Bank, Markus Berchten, weiß um den Wert von Ruta Latakaite, den diese mit ihren elf Treffern und dem Siegtor in Leverkusen noch einmal nachhaltig unterstrich. „Ruta war unser cooler Kopf, unsere Spielmacherin, die auch in der Abwehr auf halblinks gegen Denisa Glankovicova eine Superleistung gezeigt hat“, lobte der Schweizer die 31-jährige Litauerin, die im WLZ-FZ-Interview sagt, dass erst die nächsten Bad Wildunger Spiele zeigen werden, welche Wirkung der Trainerwechsel für die HSG hat.

Frau Latakaite, hatten Sie Angst, dass der Pass von Cristina Mihai vor Ihrem Siegtor Sie nicht mehr erreichen würde.

Ich weiß gar nicht genau, wie Mia das gemacht hat, nachdem die Deckungsspieler auf sie gestürzt sind und sie bis zum letzten Moment gewartet hat. Aber es war letztlich gut und für mich sehr einfach, das Tor zu werfen.

Ihre Mannschaft lag nach 21 Minuten schon mit sechs Toren in Rückstand. Wann haben Sie gemerkt, dass die dennoch nicht überzeugenden Leverkusenerinnen zu schlagen sind?

In der zweiten Halbzeit. In der ersten Hälfte hat Bayer Vollgas gespielt. Da hatten wir Probleme, aber irgendwann haben sie den Atem verloren. Wir sind immer dran geblieben und haben dann gemerkt, dass die Kräfte bei Leverkusen langsam schwinden.

Gab es diesbezüglich für Sie einen Knackpunkt?

Ja, als wir drei Minuten vor Schluss mit zwei Toren vorne lagen. Am Ende hatten wir dann auch mehr Glück.

In der ersten Hälfte hatte die HSG Probleme in der Rückwärtsbewegung, oder?

Ja, das stimmt, weil Leverkusen einfach Vollgas gespielt hat, was auch daran lag, dass wir vorne Bälle verworfen haben und sie so schnell nach vorne laufen konnten. Weil sie auf der Spitze bis auf zehn, elf Meter gedeckt haben, hatte Leverkusens vorgezogene Spielerin bei Tempogegenstößen immer einen Vorsprung. In der zweiten Halbzeit haben wir dann unsere Tore gemacht und dann ist es auch leichter zurückzulaufen.

Dass die HSG ihren ersten Auswärtssieg ausgerechnet bei einem Spitzenteam wie Leverkusen feiert, war nicht zu erwarten, oder?

Es war jedenfalls nicht geplant. Wir hatten keinen Druck, was sehr gut war. Wir konnten frei aufspielen und zeigen, was wir können.

Das ist eine ganze Menge. Jedenfalls steht die HSG nun auf Playoffplatz sieben.

Wir haben jetzt sieben Punkte. Damit können wir uns nicht zurücklehnen. Aber wir können vielleicht noch mehr und noch mehr Gas geben.

Die Vipers haben nun sieben Zähler Vorsprung auf Abstiegsrang elf und fünf Punkte auf Platz zehn, den letzten Nichtabstiegsrang. Können Sie nun etwas nach oben schielen?

Ja, wenn wir daran glauben, ist es auch leichter, nach oben zu kommen. Wir dürfen jetzt nicht mit Platz zehn zufrieden sein.

Wie kam es dazu, dass Sie nun die erste Siebenmeterwerferin sind, nachdem Sie bisher nur im Spiel beim Thüringer HC Strafwürfe ausgeführt haben?

Der Trainer, also der Schweizer, hat das rausgefunden. Das hat auch ganz gut geklappt. Ich denke, das liegt auch daran, dass die gegnerischen Torhüterinnen mein Wurfbild nicht kennen. Das ist auch ein bisschen Entlastung für Cristina Mihai, die sonst bei uns immer wirft und auf deren Würfe die Torfrauen vorbereitet sind.

Sind Ihnen schon einmal die ersten sieben Tore Ihres Teams in einem Spiel gelungen?

Nein. Irgendwann habe ich gedacht, hey Mädels, ihr müsst auch mal anfangen zu treffen, ich kann das nicht das ganze Spiel so machen. Normalerweise war es so, dass wir das Spiel immer verlieren, wenn ich das erste Tor geworfen habe. Das war ein Aberglaube, der langsam aufhören musste.

Welchen Anteil hat der Trainer am Sieg? Was hat der Wechsel Berchten für Jeppesen gebracht?

Das ist schwer zu sagen. Ich merke, dass die Mannschaft, weil sie auswärts spielt und die Turbulenzen vorbei sind, lockerer ist. Wir spielen einfach das, was wir können, und haben keinen Druck. Man kann auch sagen, dass wir einen neuen Trainer haben, aber wir haben mit Søren schon fünf Punkte geholt, was ein kleines Polster war, sodass wir ein bisschen ruhiger spielen konnten. Wir werden in den Spielen wie am Mittwoch gegen Oldenburg sehen, welchen Anteil der Trainer hat.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare