SC Willingen stellt neue Trainer vor und nennt Gründe für den überraschenden Wechsel

"Hubi" Albers folgt auf Schäfers Rausschmiss am Telefon

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Neues Dreigestirn: Hubertus Albers (links) übernimmt beim SC Willingen bis Saisonende das Traineramt, unterstützt von Bernd Keindl (rechts); hier beide mit Abteilungsleiter Matthias Wilke beim Trainingsauftakt auf dem neuen Kunstrasenplatz.

Willingen. Auf unrühmliche Art und Weise endete die Trainerlaufbahn von Uwe Schäfer beim SC Willingen. Ein internes Duo übernimmt für ein halbes Jahr dessen Aufgaben. Der Mannschaftskapitän sieht nun die Spieler in der Pflicht.

Die Entlassung von Uwe Schäfer ist ein Paukenschlag.

Als sich Schäfer am Freitag erkundigte, wie es auf der neuen, noch nicht ganz fertigen Anlage in Schwalefeld organisatorisch laufen soll, teilte ihm Jochen Schmitt, einer der Fußball-Abteilungsleiter, am Telefon mit, dass er entlassen sei. „Ganz ehrlich“, erklärte der Bad Arolser, „mir hat es die Sprache verschlagen, so eine Art und Weise hat niemand verdient“.

Matthias Wilke, der andere Fußballchef räumte ein, „das war sicherlich etwas kurzfristig, aber die Sache hat sich erst im Laufe der Woche plötzlich so entwickelt“. Am Mittwoch hatten Mannschaft und Vorstand zusammengehockt und sich angeblich alle 17 anwesenden Spieler für eine Trennung ausgesprochen. „Sie haben sich im Training unterfordert gefühlt“, sagte Wilke. „Mir tut das für Uwe leid, aber wir mussten im Sinne des Vereins handeln“.

Keindl: „Chemie stimmte nicht mehr“

Ein Grund, der für Schäfer „absolut haltlos“ ist. Wenn eine Mannschaft nicht fit sei, dann breche sie oft nach einer Stunde ein. Das sei nicht zu beobachten gewesen, und zum Beispiel im Pokal gegen die Hessenligisten habe sein Team sogar in der Verlängerung die größeren Kraftreserven besessen. Für den B-Lizenz-Inhaber waren die schwankenden Leistungen, die den SCW nach Platz sechs in der vergangenen Saison aktuell nur auf Rang zwölf und damit in Abstiegsgefahr sehen, deshalb „keine Frage der Physis, sondern Kopfsache“.

"Die Chemie hat einfach nicht mehr gestimmt", sagt Spielführer Christoph Keindl. Es habe eine Aussprache gegeben, sich danach aber nicht genug geändert, so der 29-Jährige im WLZ-Interview. Er räumte aber ein, dass bei Spielern immer wieder auch die nötige Einstellung gefehlt hat.

"Jetzt sind wir Spieler in der Pflicht. Wir müssen die vier Wochen Vorbereitung voll durchziehen, um dann gleich im ersten Spiel gegen Hessen Kassel II anzufangen zu punkten. Ich hoffe auf eine erfolgreiche Rückrunde und dass wir noch unter die ersten Zehn kommen", so Keindl.

Und was erwartet er vom "neuen Besen" Albers? "Hubi ist jemand, der die Liga kennt, denn er hat fast jedes Spiel von uns gesehen. Ich denke, mit ihm haben wir, in Verbindung mit meinem Vater, die optimale Lösung bis zum Sommer gefunden. Schon im ersten Training hat man gesehen, die Stimmung ist gut und gelöst."

Uwe Schäfers Irrglaube

„Wenn man die Übungen im Training nicht oder nur halbherzig umsetzt, dann braucht man sich nachher nicht zu beklagen“, blickt der Ex-Trainer noch einmal zurück.  Eine Verlängerung des Engagements des 51-jährigen Übungsleiters über den Sommer hinaus war schon länger fraglich. Schäfer selbst hatte auch eine gewisse Unruhe registriert. Doch nach einem von beiden Seiten offen geführten Gespräch mit der Abteilungsleitung Anfang Dezember glaubte er, den nötigen Rückhalt zu haben, etwa um die Zügel anzuziehen. „Mit dieser Motivation bin ich ins neue Jahr gestartet.“

Aber offenbar lagen die Auffassungen in Sachen Mannschaftsführung und darüber, wie die sportlichen Ziele erreicht werden können, doch zu weit auseinander. Der Vorbereitungsplan auf die Restrunde sei nicht ausreichend. Schäfer wollte die Mannschaft in dreieinhalb Wochen fit machen. Nach Ansicht der Spieler und auch des Vorstands offensichtlich zu wenig, um wieder erfolgreicher zu werden. „Wir haben so eine schlechte Rückrunde gespielt“, erinnerte Wilke an die letzte Saison.

Keine Rückrunde wie im Vorjahr

Im Dezember zeitweise auf Rang drei, wurden nach der Winterpause nur noch zehn Punkte geholt. „Das darf sich nicht wiederholen“, fordert er. Denn dieses Mal gibt es praktisch kein komfortables Polster.

Nun soll es also das Duo Albers/Keindl richten. „Mit dem SC Willingen habe ich meine größten sportlichen Erfolge gefeiert“, erklärte Albers, „da ist doch klar, dass ich aushelfe“. 

Bis letzten Sommer trainierte Albers den westfälischen Bezirksligisten SV Oberschledorn/Grafschaft, seitdem pausierte er beruflich bedingt. Das ist auch der Grund, warum der 53-Jährige definitiv nur die 16 Spiele bis zum Sommer an der Linie stehen wird. 

Dabei wird er von Bernd Keindl unterstützt. „Ich habe noch immer einen sehr guten Draht zu den meisten Spielern“, erklärte der Ex-Trainer gestern beim Start in die Vorbereitung. Der liegt der Plan von Uwe Schäfer zugrunde. „Aber wir werden die ein oder andere Einheit zusätzlich einbauen“, so Keindl.

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