Zwei Fragen an heimische Fußballer zur Weltmeisterschaft  in Russland  

Umfrage: Mehrheit traut deutschem Team viel zu 

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Fahnen flattern im Wind in St. Petersburg. Sie signalisieren den Fußballfans ein Willkommen.  

Die Welt, so weit sie Fußball mag, blickt nach Russland. An diesem Donnerstag beginnt die Weltmeisterschaft. Eine wie jede andere? Wir haben beim Waldecker Pokal am Sonntag in Sachsenberg Spielern, Trainern und Offiziellen zwei Fragen dazu gestellt.

Frage 1:63 Prozent der Deutschen glauben, das unsere Mannschaft bis ins Halbfinale kommt. Was denken Sie?

Frage 2: Gastgeber Russland politisch am Pranger, dazu gibt es Dopingvorwürfe gegen das Land; die Fifa von Korruption geschüttelt – es gibt Leute, die rufen zum WM-Boykott auf. Andere sagen, es ist doch bloß Fußball. Was sagen Sie?

Eine Auswahl der Antworten - von Peter Bauschmann bis Martin Wagner

Peter Bauschmann (Kreisfußballwart): Ich traue unserer Mannschaft dieses Mal nicht ganz so viel zu. Ich denke, deshalb reicht es nur fürs Viertelfinale, zumal wir dort auf Belgien oder England treffen könnten.

Für einen denkbaren Boykott hätte man früher reagieren müssen. Jetzt, so kurzfristig, wäre es unsinnig und ich halte es auch nicht für realistisch. Für mich war es nie ein Thema, zur WM zu fahren. Wenn begleitete ich lieber Eintracht Frankfurt.

Albert Bobsin (Vorsitzender TSV Sachsenberg): Mein Tipp lautet Halbfinale, denn den Titel erfolgreich zu verteidigen, ist lange nicht mehr vorgekommen. Wenn aber das nötige Glück dazu kommt, dann kann uns auch das gelingen. 

Selbst wenn ich das Geld hätte, um zur WM zu fahren, ich würde es nicht machen. Zum einen kann ich einen Putin nicht unterstützen und zum anderen wird der Kampf gegen Doping in vielen Ländern großgeschrieben, in Russland aber ganz klein. Deshalb war ich von Anfang an dagegen, dass die WM überhaupt da ausgetragen wird. 

Kai Bremmer (Sportlicher Leiter TSV Altenlotheim): Wenn sich die deutsche Mannschaft steigert, dann kann sie das Halbfinale schaffen. 

Doping gehört zum Sport einfach nicht dazu und hat somit auch beim Fußball nichts zu suchen. Korruption oder Schmiergelder zu zahlen, das scheint ja fast schon Normalität zu sein. Franz Beckenbauer hat es ja genauso gemacht. Mehr will ich dazu gar nicht sagen. 

Karl-Reinhard Grosche (Spielausschuss der SG Goddelsheim/Münden): Ich glaube auch, dass unsere Mannschaft bis ins Halbfinale kommt. Das ist ganz klar das Ziel. Danach ist dann alles möglich. 

Was die Politik angeht: Die ganzen Entscheidungen, die da gefallen sind, finde ich auch nicht gut, aber jetzt noch einen Boykott? Das wäre viel zu kurzfristig, was da alles dranhängt. Ich selber kann mir nicht vorstellen, keine WM-Spiele anzugucken. Ich bin Fußballfan, es ist halt so, dass man die WM doch genießt.

Gottfried Henkelmann (stellv. Kreisfußballwart): Die Vorbereitungsspiele gegen Österreich und Saudi-Arabien waren ja richtig panne. Aber wir sind immer eine Turniermannschaft gewesen, also traue ich der Mannschaft das Viertelfinale und vielleicht auch das Halbfinale zu. 

Russland ist ein schwieriges Thema, auch wenn man sieht, wo alles Weltmeisterschaften und Olympische Spiele stattfinden. Aber ein Boykott hat auch bei den Spielen 1980 nicht viel gebracht. Ich bin der Meinung, man sollte das trennen und deshalb bin ich auch dafür, dass da alle antreten.

Peter Kiel (bis Ende dieser Saison Trainer der Fußballerinnen des TSV Korbach): Halbfinale kriegt die deutsche Mannschaft hin. Dass sie einfach durchmarschiert, glaube ich aber nicht so unbedingt. 

Das System insgesamt ist korrupt. Bei dem einen fällt’s auf, beim anderen nicht. Ob die WM nun in Deutschland war oder woanders, überall ist was geflossen, was nicht hätte sein dürfen. Was die Politik angeht, das ist ein anderes Thema. Aber Boykott ist für mich keine Antwort. Es gehört sich sportlich einfach, da muss man hin.

Kai Klöser (Spieler der SG Adorf/Vasbeck): Wir kommen ins Finale, definitiv. Und wer das erreicht, der will auch Weltmeister werden. Meiner Meinung nach können wir das wieder packen. 

Schön ist es nicht, was da bei den Russen abgelaufen ist. Das sollte man auch nicht unbedingt unterstützen, aber eine WM komplett zu boykottieren, finde ich auch nicht richtig. Selbst hinzufahren kam für mich nie infrage, allein schon, weil das Land mich nicht reizt. 

Auch der fünfte Stern ist möglich 

Andreas Penzenstadler (Sportlicher Leiter SC Willingen): Bei den 63 Prozent bin ich mit dabei. Ich traue ihnen auch mehr zu – Deutschland war immer eine Turniermannschaft und wird sich steigern, auf die Vorbereitungsspiele gebe ich wenig. Ich denke sogar, dass wir ins Finale kommen, und dann ist auch der fünfte Stern möglich. 

Die Mannschaften können nichts dafür, was da an Korruption oder politisch läuft. Deshalb sollte man das als Fan auch gucken, ich werde die Spiele nicht boykottieren. Und die Fifa hätte Russland das Turnier vorher abnehmen müssen. 

Bastian Schade (Spieler des TuSpo Mengeringhausen): Ich gehe auch von einer Halbfinal-Teilnahme aus. Die Vorbereitungsspiele waren zwar nicht gut, aber das waren sie auch 2014 nicht. Der Kader ist stark genug, um weit kommen zu können. 

Was einen Boykott angeht, denke ich, man sollte besser teilnehmen. Ein Boykott wäre ja auch ein Zeichen gegenüber Russland angesichts der politischen Spannungen, die zur Zeit herrschen. Teilnahme ist ein positives Signal. Außerdem geht es um Sport, und der sollte immer eine gewisse Unabhängigkeit von der Politik haben.

Uwe Steuber (Vorsitzender der Sportkreises, Bürgermeister von Lichtenfels): Ich wünsche mir zwar das Halbfinale, glaube aber nach der schlechten letzten Phase der Vorbereitung nicht daran. 

Das Turnier würde ich nicht boykottieren; bei der weltweiten Entwicklung aktuell, müsste man ganz viel boykottieren. Außerdem ist so eine WM immer ein Wirtschaftsfaktor für das Land, und viele Leute, die sonst keine Arbeit haben, können davon profitieren. Ich werde mir die Spiele auf jeden Fall angucken und freue mich, dass unser Lichtenfelser Original Herbert Götz, der vor Ort ist, dem Bürgermeister live auf dem Laufenden hält.

Martin Wagner (Referent des HFV und Trainer aus Berndorf): Ich stimme den 63 Prozent zu, die glauben, dass unsere Mannschaft bis ins Halbfinale kommen kann. Warum? Weil sie gut ist. 

Es ist in Ordnung, dass die Weltmeisterschaft in Russland stattfindet. Grundsätzlich sollte man solche Austragungsorte aber mal überdenken. Ein Boykott der Spiele kommt für mich als Zuschauer niemals infrage.

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