Vereine nehmen Angebot kaum wahr

Ballspielen auf dem Gehweg: Kreisfußballausschuss veranstaltet Walking-Football-Tag

Wieder auf Ballhöhe: Beim Gehfußball-Tag in Rhadern haben 25 Teilnehmer diese Art von Balltreten für sich getestet.
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Wieder auf Ballhöhe: Beim Gehfußball-Tag in Rhadern haben 25 Teilnehmer diese Art von Balltreten für sich getestet.

Die Laufwege seiner Mitspieler muss hier keiner kennen. Die Gehwege aber schon. Und jeder Pass in den Lauf wird vom Schiedsrichter abgepfiffen. Trotzdem spielen die Männer und Frauen auf dem Sportplatz in Rhadern Fußball.

Rhadern – Sie spielen Gehfußball oder Walking Football. Diese etwas andere Spielart Sechs gegen Sechs auf Kleinfeld mit kleinen Toren, bei der das Laufen verboten ist, hat in Südhessen schon in einigen Vereinen seine Spieler gefunden.

Franz Mühlhausen, Referent für Freizeit- und Breitensport im Kreisfußballausschuss Waldeck, möchte den Gehfußball nun auch im Waldecker Land ins Laufen bringen. Dafür hat er einen Gehfußballtag in Rhadern für interessierte Vereine auf die Beine gestellt. Rund 25 Männer und Frauen sind der Einladung gefolgt. Einige von ihnen, die vielleicht schon mit einem überheblichen Lächeln ankommen, werden nach einer Trainingseinheit und anschließendem Spiel, zumindest mit der Erkenntnis „besser als gedacht“ wieder nach Hause fahren.

Aufwärmen mit Eintracht-Trainerin

Dass der Gehfußball innerhalb von nur drei Stunden so sehr an Ansehen gewinnt, liegt auch an den Trainern, die Qualität mitbringen und extra aus Frankfurt und Groß-Gerau angereist sind.

Werner Abraham ist der Gehfußball-Beauftragte des Hessischen Fußballverbandes und die Studentin Caja Zohren. Sie ist mit dem Ex-Profi Cezary Tobollik eine von drei Übungsleitern, die die Gehfußball-Mannschaften bei Eintracht Frankfurt betreuen. Spätestens als Zohren mit der Aufwärmphase beginnt, wird deutlich, auch ohne Laufen kann man in den Ablauf dieser Trainingseinheit eine hohe Intensität bringen, sei es durch Dehnübungen oder anspruchsvolle Spielformen.

„Wenn du das gut machst und ständig in Bewegung bist, dann hast du nach dem Training richtig was geleistet, du bist geschwitzt“, verspricht Abraham. Bei manchen Übungen ist auf den ersten Blick auch nicht zu erkennen, dass hier „nur“ Gehfußballer trainieren, etwa bei Einheiten für ein sauberes Passspiel.

Caja Zohren (links) leitete das Aufwärmtraining und gab den Teilnehmern viele praktische Tipps für das Gehfußballspiel .

All das können die Teilnehmer im abschließenden Spiel gleich in die Praxis umsetzen. Aber hier zeigt sich schnell, dass das Unterbewusstsein nicht so leicht vom Gehfußball zu überzeugen ist wie das Bewusstsein. Fußball ohne Laufen ist schwer und auch der gewohnte Pass in den Lauf kommt nie an, weil er für Geher zu schnell gespielt ist und es einem in der Fußballseele wehtut, den Ball einfach ins Nichts weglaufen zu lassen.

Auch die Flanke oder der hoch gespielte Pass sind keine spielerischen Mittel, denn der Ball darf maximal einen Meter hoch gespielt werden. Und der harte Zweikampf fällt hier auch flach, keinen intensiven Körperkontakt, der Einsatz der Ellenbogen und das seitliche Hineinrutschen sind verboten.

Sichtbar wird auch, dass vor allem eine Frage oft nur schwer zu beantworten ist: Wo hört das Gehen auf und wann beginnt das Laufen? „Ein Fuß sollte immer auf der Erde sein, aber das ist für einen Schiedsrichter nur schwer zu beurteilen“, gibt Abraham zu. Nach einer gewissen Zeit, bekommen die Spieler ein Gefühl für dieses Spiel. Es sind sogar schon einige Spielzüge möglich.

Niemand auf dem Platz wirkt gelangweilt, nicht einmal die jüngeren Spieler, die in ihren Vereinen noch Lauffußball spielen. Für den Beobachter sehen einige Szenen wie Fußball in Zeitlupe aus. Deshalb bietet sich der Gehfußball auch als Trainingseinheit für jene Kicker an, die Fußball nicht gut denken, können, denn denen es normalerweise schwerfällt, freie Räume oder Passwege zu erkennen. Hier können sie es besser erkennen.

Gehfußball fördert das Passspiel

Zohren reizt am Gehfußball, dass man dabei nichts oder nur wenig über Schnelligkeit und Körperlichkeit regeln kann. „Dadurch rücken technische Fertigkeiten, gutes Pass und Positionsspiel, die Ballan- und -mitnahme mehr in den Mittelpunkt“, meint die Trainerin.

Als der Abpfiff ertönt, kommen zwar viele lachende Spieler vom Platz, aber die körperliche Anstrengung ist den meisten schon auch ins Gesicht geschrieben.

Und als die letzte Dankesrede verklungen, das Geschenk samt Gegengeschenk an die Trainer und den Gastgeber SG Lichtenfels ausgetauscht ist, sagt einer der Spieler: „Ich dachte wir gründen jetzt eine Mannschaft.“ - „Ja, das dachte ich auch“, stimmt ein weiterer Spieler mit ein. Doch so weit ist der Gehfußball scheinbar nicht – noch nicht.

Mühlhausen: „Interesse der Vereine noch zu gering“

Franz Mühlhausen wusste nicht so recht, ob er den Gehfußballtag nun als Erfolg werten sollte oder nicht. Wichtig war heute auf dem Platz. Daran hatte der Referent für Freizeit- und Breitensport im Kreisfußballausschuss Waldeck auch nichts auszusetzen. „Die beiden Trainer haben gezeigt, dass Gehfußball ein Sportvariante ist und die SG Lichtenfels hat diesen Tag gut organisiert.“

Allerdings hätte er sich doch mehr Vereinsvertreter für diesen Vorführtag gewünscht. „Ich bin schon ein wenig enttäuscht darüber, dass die Vereine nicht einmal einen Abgesandten geschickt haben, der sich diese Sportart zumindest mal anguckt und sie in seinen Verein trägt.“

Die Aufgabe der Botschafter für den Gehfußball im Frankenberger Raum übernahmen Kreisfußballwart Jürgen Schicke und Breitensport-Beisitzer Michael Brosig. Beide sehen für den Gehfußball eine Zukunft.

„Ausprobieren ist immer besser, als belächeln“, betont Trainerin Caja Zohren, die vor zwei Jahren den Start des Gehfußballs bei Eintracht Frankfurt unterstützt hat. „Viele, die bei mir ins Training kommen, schauen sich das an und nach dem Training bleiben die meisten.“

Mehr solcher Anfragen wünscht sich Mühlhausen für den Waldecker Raum. „Wenn es genügend Interessenten gibt, könnten wir so einen Tag wie heute auch nochmal wiederholen.“ rsm

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