Gruppenliga im FAKTENCHECK

Die schwere Suche nach dem Schalter – die Hinrunde der SG Bad Wildungen/Friedrichstein

Drei Trainer hat die SG Bad Wildungen verbraucht. Jörg Schäfer (Bild links) sammelte elf Punkte, Nachfolger Jan Leimbach (rechtes Bild, rechts) fügte in vier Spielen vier hinzu. Beim wilden 4:6 gegen Altenlotheim stand Carsten Laun (rechts Bild, hinten links) an der Bande.
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Drei Trainer hat die SG Bad Wildungen verbraucht. Nach Jörg Schäfer holte Nachfolger Jan Leimbach (hinten rechts) in vier Spielen vier Punkte. Beim wilden 4:6 gegen Altenlotheim stand Carsten Laun (hinten links) an der Bande.

Die Fakten sprechen für sich – oder? Nach 16 Spielen in der Fußball-Gruppenliga 1 ziehen wir eine erste Bilanz der Waldecker Mannschaften. In Teil 2 geht es um die SG Bad Wildungen/Friedrichstein.

Bad Wildungen – Locker zum Klassenerhalt – diese Zeiten sind schon etwas länger vorbei für die SG Bad Wildungen/Friedrichstein. Diesmal könnte es ganz schwer werden. Die Krux: Die Leistungen waren beileibe nicht durchweg schlecht, die Ergebnisse passten aber nicht immer dazu. Vielleicht lag es daran, dass zumindest nach außen wenig Selbstkritik zu hören war.

Jörg Schäfer hatte nach der Pleite bei der SG Neuental (2:3 nach 2:0-Führung) Mitte Oktober genug, eine Woche später kam Ex-Spieler Jan Leimbach als neuer Jung-Trainer. Auf einer vernünftigen Wintervorbereitung unter ihm ruhen die Hoffnungen. Warum steht die SG da, wo sie steht? Das zeigt der WLZ-Faktencheck.

Über Trainingsbeteiligung und die Suche nach sich selbst

Als 15. steckt die SG mitten im Abstiegskampf, so wie es Ex-Coach Jörg Schäfer erwartet hatte.
Der Klassenerhalt sei das vorrangige Ziel, hatte Schäfer Ende Juli gesagt; nach einer eher mäßigen Vorbereitung. Ursprünglich sei ein gesicherter Platz so um Rang zehn das Ziel gewesen, blickt Carsten Laun zurück. Dem SG-Sportvorstand, der für zwei Spiele Übergangstrainer war, war aber die Vorbereitung als „ziemliche Katastrophe“ auch nicht entgangen. „So richtig wussten wir nicht, wo wir stehen. Jetzt muss man sagen, dass es realistisch ist, die Blicke eher nach unten statt nach oben zu richten“, so Laun.

Die Mannschaft hat sich nicht wie erhofft weiterentwickelt.
„Wir müssen einen deutlichen Sprung nach vorne machen, sonst bekommen wir Probleme“, hatte Jörg Schäfer prophezeit, zumal er wusste, dass Ronald Karges (Karriere-Aus nach Knieverletzung) und Kevin Wathling (Knie-OP) fehlen werden. „Das hat uns enorm zurückgeworfen, damit sind zwei Stützen weggebrochen“, sagt Carsten Laun, der aber durchaus Entwicklung sieht. Janis Schuldt habe sich beispielsweise zu einem Führungsspieler entwickelt, Johannes Süring eine tolle Hinrunde in der Innenverteidigung gespielt. Die Neuzugänge Norayr Jalilyan (12 Einsätze) in der Abwehrkette sowie Almedin Zahovic (13) und Eugen Ruf (11) in der Offensive waren keine Heilsbringer, aber fügten sich gut ein.

Und Laun verweist auf die ersten acht Spiele der Saison, von denen zwar fünf unentschieden endeten, aber auch nur zwei verloren gingen; „gegen die Topteams Baunatal und Wabern, und dass sogar nur knapp. Es war also erstmal ganz gut“, sagt der Sportvorstand. „Wir waren oft nicht weit weg von einem Dreier, aber wir hatten keine Konstanz“, so Laun, der als wichtigen Faktor auch ausmachte: „Uns fehlen die Unterschiedsspieler.“

Elf Punkte in elf Spielen holte Trainer Jörg Schäfer, ehe er Mitte Oktober bei der SG Bad Wildungen aufhörte.

Die Trainingsbeteiligung war zu schlecht, um konstanter spielen zu können.
Anfangs hatte Jörg Schäfer Verständnis dafür, wenn nach dem Ende des Lockdowns nicht alle gleich wieder drei- viermal pro Woche zum Fußball stürmen. „Es nehmen sich Spieler die wiedergewonnene Freiheit, auch mal was anderes zu machen als Training oder Spiel.“ Die Toleranz war im Oktober aufgebraucht, nachdem der damalige Coach wiederholt nur ein halbes Dutzend Spieler des Gruppenligakaders auf dem Trainingsplatz vorfand. Angesichts dieser Einstellung mochte er nicht mehr weiter seine Zeit opfern.

„Das Leben unter Corona ist anders geworden“, beleuchtet Carsten Laun die pandemischen Umstände genauso. Von der Einstellung her sei man aber nicht unzufrieden mit dem Team, sagt er, wohlwissend, dass der Konkurrenzdruck im eigenen Lager für die „Erste“ nicht ganz so hoch ist. „Auch wenn Einsatz und Fleiß in der zweiten Mannschaft stimmen, fehlt es uns in der Breite noch an Qualität.“

Die Mannschaft scheint noch immer auf der Suche nach sich selbst.
Ein Patentrezept hat keiner parat. Teils gibt die Mannschaft Rätsel auf. Carsten Laun sah in Mengeringhausen (kurz vor Schluss das 2:2 kassiert) und in Goddelsheim (3:2 gewonnen) „sehr gute Spiele, aber dazwischen kommen zwei so Heimspiele wie das 1:4 gegen Edermünde und das 0:5 Mengsberg“, blickt der Sportvorstand ein wenig ratlos zurück auf die ersten Matches unter dem neuen Trainer Jan Leimbach. Dem fiel unter anderem, dass sein Team gegen Edermünde 30 Minuten am Drücker war, dann ein Gegentor kassierte und einbrach. „Wenn du so schlecht da stehst, reicht das, um größere Verunsicherung hervorzurufen.“

Der Tabellenkeller beginn auf Platz sechs.

Carsten Laun über die enge Lage in der Liga, die Hoffnung macht

Der neue Trainer hat schon einiges bewirkt.
„Nach allen Spielen, die ich gesehen haben, außer Mengsberg, haben sich hinterher alle gefragt, warum wir verloren haben“, sagt Leimbach, der zumindest die Sinne der Spieler erst einmal geschärft hat. Dass es einzig und allein um den Nichtabstieg gehe, habe man klar kommuniziert. „Dieser prekären Lage sind sich alle bewusst“, so der neue Trainer, der hofft, dass es der Mannschaft gut tut, über Winter in Ruhe Abläufe einstudieren zu können. „Gegen den Ball wurde das schon gut verinnerlicht bisher. Aber spielerisch kannst du in fünf Wochen nicht viele Ideen umsetzen“, sagt der 25-Jäherie, der in naher Zukunft nicht der einzige Jungspund im derzeit ältesten Team der Liga sein soll. Die SG möchte einen Umbruch beginnen, „zumal die Jugendarbeit stimmt“, so Carsten Laun. Er weiß: berichtet der Coach, der am 21. Januar mit dem Training für die Rückrunde beginnen will.

Das steht auf dem Wunschzettel:
„Gesundheit für alle im Verein“ stehe auf dem einen Zettel, sagt Carsten Laun: „Auf dem anderen die Wunschüberschrift für Mitte Juni: „Wildungen hält die Klasse.“ (Dirk Schäfer)

Lesen Sie auch: Die Hinrundenbilanz der SG Goddelsheim/Münden

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