Anpfiff am Donnerstag um 18.30 Uhr

Vor dem Testspiel Gladbach gegen Bochum in Schwalefeld: Alt-Borusse Herrmann im Gespräch

„Ich kann nur da Leistung bringen, wo ich mich auch wohlfühle“: Patrick Herrmann.

Willingen. Am Donnerstag findet das Testspiel Borussia Mönchengladbach gegen VfL Bochum in Schwalefeld statt - wir sprachen vorab mit Alt-Borusse Patrick Herrmann.

Sammeln Sie Treuepunkte? Patrick Herrmann muss lachen. Er wäre mit Abstand der Borusse aus Mönchengladbach mit den meisten Punkten. Der 27-Jährige spielt dort seine elfte Profisaison. Und Hermann hat gegenüber seinen Teamkollegen vermutlich noch ein weiteres Alleinstellungsmerkmal. Wenn einer Willingen kennen sollte, dann er. Weiß er auch warum? Der 27-Jährige überlegt kurz und sagt nur: „Vielleicht wegen Fabi, genau der kommt daher“.

Gemeint ist Fabian Bäcker, der einst von Eimelrod in die Fußballwelt auszog und im Gladbacher Fohlenstall landete. In der Jugend haben sich Herrmann und Bäcker im Borussia-Internat kennengelernt und beide erhielten einen Profivertrag. Bäcker blieb aber nur zwei Jahre ein Borusse.

Wenn Hermann am Donnerstag mit seiner Mannschaft nach Willingen kommt und das neue Stadion in Schwalefeld mit einem Testspiel gegen den Zweitligisten VfL Bochum (18.30 Uhr) einweiht, weiß Herrmann nicht, ob er seinen Freund und ehemaligen Teamkollegen dort wiedersieht. „Wir halten immer noch Kontakt und ich muss Fabi gleich noch mal schreiben.“

Nicht immer setzt sich der bessere Fußballer durch

Während Hermann in seiner Karriere sogar ans Tor der Nationalmannschaft (zwei Einsätze) geklopft hat, ging es für Bäcker Schritt für Schritt wieder zurück ins Amateurlager. Heute spielt er für Germania Ober-Roden in der hessischen Verbandsliga Süd.

Es setze sich bei einer Karriere nicht immer der bessere Fußballer durch, betont Herrmann. „Neben Verletzungen, kommt hinzu, ob Verein oder Trainer auf dich setzen, wie man selbst gerade drauf ist, und natürlich ist auch viel Glück dabei, immer bei einem Bundesligaverein zu spielen.“

Patrick Herrmann

Das hat Herrmann vor dieser Saison selbst erlebt. Beinahe hätte es ihn erwischt. Trainer Dieter Hecking hatte ihm signalisiert, dass er nicht mehr auf ihn baue, dann kam das Testspiel gegen den FC Southhampton (3:0), Herrmann saß auf der Bank, Ibrahim Traore verletzte sich, der Fastverkaufte kam rein, erzielte zwei Tore. Herrmann war wieder im Geschäft.

Romantische Ader versiegt

Allerdings hat die Fußball-Bundesliga mit ihren harten Geschäftsgebaren auch bei Herrmann die eine oder andere romantische Ader versiegen lassen. Wie geht es ihm, wenn die Clubbosse einen Kollegen, der zum Freund geworden ist, so mir nichts, dir nichts verkaufen? „Man lernt damit umzugehen und jeder weiß, dass man nur für eine gewisse Zeit Weggefährte ist.“ Dann nimmt er wieder etwas Härte heraus. „Trotzdem entwickeln sich auch im Profifußball Freundschaften, die halten, auch wenn man sich von heute auf morgen nicht mehr sieht.“

Die Regeln der Leistungsgesellschaft hat der gebürtige Saarländer ebenfalls verinnerlicht. Das Wort „Vereinstreue“ komme in keiner Vertragsverhandlung vor, erzählt der 27-Jährige. Gefühlsduselei findet er in diesem Geschäft unangebracht: „Einen Spieler zu halten, der nicht mehr seine Leistung bringt, davon hat weder der Spieler etwas, noch der Verein.“ Herrmann ist aber auch kein Mensch, der all sein Tun dem Geld unterwirft. 

„Ich kann nur Leistung bringen, an Orten, wo ich mich wohlfühle, deshalb könnte ich nicht nur des Geldes wegen irgendwo Fußball spielen.“

Trotz elf Jahren Profi sagt Herrmann nur selten „Ball, lass mich in Ruhe!“ Dass man auch mal keine Lust auf Training habe, sei normal. Er kann auch immer noch nicht über eine Cola-Dose locker hinweggehen, die ihm auf der Straße entgegenrollt. „Ich kann ganz schlecht ohne Ball leben, dass bemerke ich immer im Urlaub.“ Es sei ein Wettkampftyp, auch bei ganz banalen Spielen.

Herrmann hat seinen ersten Profivertrag unterschrieben, da wusste noch keiner, dass es den Namen Facebook überhaupt geben wird. Er ist kein Gegner der sozialen Medien. Mit Facebook habe er die Möglichkeit näher an die Fans heranzurücken, sich mit ihnen mehr auszutauschen. Die negative Seite dieser medialen Entwicklung bis hin zum gläsernen Menschen hat der 27-Jährige zwar im Kopf, aber eine Gefahr sieht er nicht darin. „Das liegt an jedem selbst, wenn ich etwas poste, passe ich schon auf, wie ich etwas schreibe und formuliere.“

Hermann ist auch davon überzeugt, dass er es bei der Borussia noch mal zur Stammkraft schaffen kann auch die Nationalmannschaft hat er noch nicht abgehakt.

Überleben im Haifischbecken Bundesliga

„Ich versuche mich hier durchzubeißen und weiter Gas zu geben.“ Ein Satz fürs Phrasenschwein. Wird sein Gas geben vom Trainer auch immer bemerkt? Viele Arbeitnehmer leiden darunter, dass sie übersehen werden. Herrmann ist ein Glückspilz, denn er kennt dieses Problem nicht.

Er trägt auch die Portion Fairness in sich, die die Tage auf der Ersatzbank erträglicher machen. „Wenn ein Mitspieler auf meiner Position gut ist, gönne ich ihm das“

Der Stürmer auf Rechtsaußen will noch einige Jahre im Haifischbecken Bundesliga überleben. Deshalb hat er sich auch noch keinen Kopf darüber gemacht, was nach dem Fußball kommen könnte. Vielleicht irgendwas mit Fußball.

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