Schiedsrichter besorgt

Bitte, mehr Respekt! - Hat Corona das Verhalten auf dem Fußballplatz verändert?

Autoritätsverlust: Manuel Winkler zeigt einem Spieler gelb. Er ist besorgt, dass die Teams, den Respekt vor Schiedsrichter-Entscheidungen verlieren.
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Autoritätsverlust: Manuel Winkler zeigt einem Spieler gelb. Er ist besorgt, dass die Teams, den Respekt vor Schiedsrichter-Entscheidungen verlieren.

Hat die Corona-Pandemie das Verhalten der Spieler auf Fußball-Schiedsrichter verändert? Ein lokaler Experte hat eine klare Meinung dazu.

Korbach – Leben die Schiedsrichter in Corona-Zeiten auf Amateurfußballplätzen gefährlicher als noch vor der Pandemie? „Ja“, meint Manuel Winkler, stellvertretender Schiedsrichterobmann im Fußballkreis Waldeck. Aber er relativiert diese Zustimmung sofort wieder und betont: „Ich kann das nicht mit Zahlen belegen, es ist nur so ein Gefühl von mir.“

Doch der gebürtige Landauer, der jetzt in Warburg wohnt, nennt einige Beispiele aus der Praxis, um sein Bauchgefühl mit Fakten zu füttern. „Das diesjährige Waldecker-Pokalfinale, bei dem der Linienrichter von Zuschauern beleidigt wurde und bei dem Flaschen aufs Spielfeld flogen.“

Spielabbruch bei Waldeck: Erst Pöbelei, dann Prügelei

Oder das Spiel in einem Waldecker Nachbarkreis, bei dem ein Zuschauer die gegnerischen Spieler angepöbelt habe, dann prügelten sich Kicker und Zuschauer – Spielabbruch. Und den Gipfel der Respektlosigkeit gegenüber dem Referee sieht Winkler im Verhalten einer Mannschaft in der Kreisliga B, die den Platz verließ, nachdem einer ihrer Spieler die Rote Karte gesehen hatte.

„Wenn das Schule macht und auf eine Entscheidung des Schiris so reagiert wird, dann können wir mit dem Fußball aufhören“, meint Winkler. „Bisher galt und gilt, das Spiel wird zu Ende gespielt und dann kann ein Verein Protest gegen eine Schiedsrichterentscheidung einlegen.“

Vereine sollten mehr für Schiedsrichter tun 

Vor zwei Jahren habe es vereinzelt auch schon solche Aktionen gegeben, aber seit dieser Saison lese und höre er alle zwei Wochen über Aktionen, in denen dem Schiedsrichter kein Respekt mehr gezollt werde, erzählt Winkler.

Letztlich ist es auch egal, ob Corona in Sachen Gewalt auf dem Fußballplatz noch eine Schippe drauf gelegt hat oder nicht, denn das Verhalten von Spielern und vor allem von Zuschauern, insbesondere Eltern, war schon vor der Pandemie immer häufiger kritisiert worden. Wichtig ist doch vielmehr, was kann man tun, damit ein Schiedsrichter ohne Furcht seiner Freizeitbeschäftigung nachgehen kann?

Zunächst zuckt Winkler nur mit der Schulter, aber je länger das Gespräch mit ihn dauert, desto mehr Lösungsmöglichkeiten fallen ihm ein. Wie wäre es mit einer Kampagne „Mehr Respekt“ auf einem Plakat oder per Videobotschaft, wie sie DFB oder Fifa oft aussenden. Vielleicht zu teuer. Und bringt das was?

Betreuer zur Unterstützung nicht immer da

Ein Vorschlag: Die Vereine sollten endlich mehr Verantwortung übernehmen. Gegen diese Forderung sträubt sich Winkler zunächst. „Die Vereine haben doch mit sich selbst schon genug zu tun“, sagt der Schiedsrichter, der in der Verbands- und Hessenliga pfeift. Ist das so?

Trotzdem noch ein Vorschlag: Jeder Verein sollte nicht einen Schiedsrichterbetreuer abstellen, sondern gleich fünf, die sich auf dem Platz verteilen und schneller eingreifen könnten als nur eine Person. Winklers Antwort darauf macht deutlich, das einige Vereine ihrer Aufgabe, Schiris besser zu schützen, nicht nachkommen. „Ich mache oft die Erfahrung an Spielorten, dass immer noch keiner für den Schiedsrichter zuständig ist. Damit wäre uns schon sehr geholfen.“

Winkler hält nichts davon, den Vereinen eine Regel nach der anderen aufzuzwingen. Er setzt mehr auf freiwilliges Handeln. Gut, konfrontieren wir ihn mit einem weiteren Vorwurf: Die von den Vereinen eingesetzten Ordner sind teilweise die schlimmsten Hetzer. Stimmt das? „In manchen Fällen kann ich das bestätigen. Aber die Mehrheit macht diesen Job verantwortungsbewusst, meist sind aber auch sie überfordert, wenn wirklich was passiert.“

Schiedsrichter nicht mehr als Gegner sehen 

Was haben die Gewalt gegen Schiedsrichter beim Fußball und der Fall eines Kindes in den Brunnen gemeinsam? Seit Jahren wird darüber geredet, aber es wird zu wenig oder nichts dagegen unternommen, obwohl jeder weiß, dass es Böse enden kann.

Bereits jetzt fallen erste Begegnungen in der C-Liga aus. Wann rechnet Winkler mit den ersten Spielausfällen mangels Schiedsrichter in der Kreisliga B und A? „Ich denke, in zwei Jahren könnte das passieren.“ Sollten Vereine da nicht die Schiedsrichter bedingungslos unterstützen, statt sie immer nur als Gegner und Schuldigen für eine Niederlage zu sehen? „Das würde ich mir wünschen“, sagt Winkler. Für ihn fängt diese Unterstützung schon bei scheinbar kleinen Dingen an. „Schiris müssten in ihren Vereine aufmerksamer eingebunden werden, ein Beispiel Weihnachtsfeier: Spieler, Trainer, Betreuer sind alle eingeladen, der Schiedsrichter wird oft vergessen.“

Winkler ist auch bereit, vor der eigenen Tür zu kehren. Die Vorwürfe lauten hier: Schiris sind heute arroganter als früher, es fehle ihnen oft das Fingerspitzengefühl und sie seien viel sensibler und dünnhäutiger als noch vor einigen Jahren. Der Grat zwischen Arroganz und Unsicherheit sei sehr schmal, betont Winkler: „Mir wird auch ab und zu Arroganz vorgeworfen, aber bin ich schon arrogant, wenn ich jemanden sage: „Sie schreien mich jetzt an, damit ist das Gespräch für mich beendet“?

Ein dickeres Fell sollte nicht der Maßstab sein

Die Beschwerden über arrogantes Verhalten der Schiris hätten zumindest nicht zugenommen, betont Winkler. Über mangelndes Fingerspitzengefühl lasse sich immer streiten, aber nicht über zu sensible Schiedsrichter. Kollegen mit einem dickeren Fell könnten und sollten hier nicht der Maßstab sein.

Melancholische Züge entwickelt Winkler, wenn er über Veränderung nachdenkt. „Es ist noch gar nicht lange her, da konnte man nach dem Spiel noch einmal darüber reden. Jetzt habe ich den Eindruck, das geht nicht mehr, da läuft einiges schief seit Corona.“
Winkler versucht positiv zu bleiben, aber das gelingt ihm nicht immer: „Die einfachste Lösung wäre, wir spielen wieder ohne Zuschauer.“ Doch dann kriegt er gerade noch so die Kurve: „Aber das will ja auch keiner.“ (rsm)

Zuletzt wurde bekannt, dass Joshua Kimmich Bedenken bezüglich einer Corona-Impfung hat. Nach der Bundesregierung und dem Ethikrat hat sich auch der FC Bayern München dazu geäußert.

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