Pause oder nicht? Landesverband ringt um eine einheitliches Vorgehen

Fußball in Waldeck ab diesem Sonntag ohne Zuschauer

Sportplatz mit „Gesperrt“-Schild
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Zuschauer sind ab sofort beim Fußball nicht mehr erlaubt.

In der Corona-Krise ringt der Hessische Fußball-Verband um ein einheitliches Vorgehen. Der Landkreis hat in einem Punkt Klarheit geschaffen: Fußball findet ab sofort ohne Zuschauer statt.

Korbach - In einer an diesem Samstag veröffentlichten Allgemeinverfügung, die der Erste Kreisbeigeordnete Karl-Friedrich Frese erlassen hat, heißt es unmissverständlich: „Sportveranstaltungen dürfen nur ohne Zuschauerinnen und Zuschauer stattfinden. Ausgenommen davon sind jeweils eine erziehungsberechtigte Person pro minderjährigem Teilnehmer oder minderjähriger Teilnehmerin sowie Trainerinnen und Trainer bzw. Betreuerinnen und Betreuer.“

Noch am Donnerstag hatte der Landkreis den Vereinen lediglich dringend empfohlen, die Punktspiele ohne Publikum auszutragen - und viele Verantwortliche in ein Dilemma gestürzt. Das strikte Verbot nun begründet Frese mit weiter stark steigenden Covid-19-Infektionen.

An diesem Samstag überstieg die sogenannte Siebentage-Inzidenz die Zahl 50 - innerhalb der letzten sieben Tage wurden danach 53,1 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner in Waldeck-Frankenberg gezählt. „Der Landkreis befindet sich damit in Stufe 4 (rot) des Eskalationskonzeptes“, schreibt Frese.

Für den Fußballkreis Frankenberg ist die Entscheidung bereits ohne Belang. Der Spielbetrieb zwischen Viermünden, Hatzfeld und Gemünden legt eine zweiwöchige Pause ein, und zwar vom 24. Oktober bis zum 8. November - wie in weiteren vier Kreisen der Region Gießen-Marburg.

Videokonferenz der Waldecker Vereine am Dienstag

Im Fußballkreis Waldeck dagegen geht der Spieltag am Wochenende über die Bühne. Kreisfußballwart Gottfried Henkelmann hat die Vereine aber für Dienstag (19 Uhr) zu einer Videokonferenz eingeladen, um sich, wie er sagte, ein „;Meinungsbild zu holen“. Tags darauf beraten dann die fünf nordhessischen Fußballkreise, ihre Vertreter treffen sich um einen Nachfolger für den Regionalbeauftragten Horst Riemenschneider zu wählen. Henkelmann rechnet fest damit, dass auch die Corona-Krise Thema sein wird.

Am Donnerstag dann ruft der Verband erneut den Vorstand zu einer virtuellen Sitzung zusammen, um vor dem dann folgenden Wochenende zu einem einheitlichen Vorgehen zu gelangen. „Durch die sich derzeit rapide ändernden Gegebenheiten der Corona-Pandemie in Hessen“ sei eine „erneute Bewertung der Situation“ geplant, heißt es in einer Pressemitteilung.

Fürsorgepflicht gegenüber Aktiven und Vereinen

Henkelmann spricht angesichts des von Region zu Region und oft von Kreis zu Kreis unterschiedlichen Umgangs mit den Infektionszahlen von einem „ganz bunten Flickenteppich“. „Während die einen sagen, es geht nicht mehr weiter und wir müssen unterbrechen, sagen die anderen, solange es geht, wollen wir auch spielen“, so fasste der Waldecker Fußballchef die Diskussion bei der Vorstandssitzung des HFV am Vormittag zusammen.

Für dieses Dilemma steht Waldeck-Frankenberg fast idealtypisch - im Norden läuft der Fußball, im Süden nicht. Auch einzelne Vereine stellen sich gegen ein Weiter-so. Am Freitag hatte sich die SV Freienhagen/Sachsenhausen entschlossen, ihr für diesen Sonntag angesetztes Gruppenliga-Duell mit der SG Goddelsheim/Münden wegen der Pandemie abzusagen. Klassenleiter Riemenschneider wertete diese Absage als Nichtantreten - die Punkte dürften damit kampflos an die Lichtenfelser gehen.

Henkelmann wollte öffentlich nicht sagen, ob auch er für eine Unterbrechung ist (die angesichts der typischen Waldecker Witterung einer vorgezogenen Winterpause gleichkommen könnte) oder nicht. Er wolle die Vereinsvertreter vor der Videositzung nicht beeinflussen. Henkelmann erhofft sich am Dienstag, ein möglichst breites Votum für eine Richtung.

Henkelmann machte klar, dass der Kreisfußballausschuss und er in Sachen Gesundheitsschutz eine Fürsorgepflicht gegenüber den Klubs hätten, der sie auch nachkommen würden. Er zitierte aus dem Podcast von Bundeskanzlerin Angela Merkel („Verzichten Sie auf jede Reise, die nicht wirklich zwingend notwendig ist“), verwies aber auf der anderen Seite darauf, dass bei den Spielen selbst eine extrem geringe Ansteckungsgefahr bestehe. „Die Gefahr ist außerhalb des Spielfeldes deutlich größer.“

HFV appelliert an die Landespolitik

Der HFV betont ebenfalls, die Gesundheit der Fußballer stehe weiter an oberster Stelle. Sollte es erforderlich sein, den Spielbetrieb vorübergehend auszusetzen, so werde dies „verantwortungsvoll vor Ort entschieden: Der HFV hält weiterhin an seiner Linie fest, den Spielbetrieb dort, wo er verordnungsmäßig möglich ist, aufrechtzuerhalten.“

An die Politik appelliert der Verband gleichzeitig, einen einheitlichen Rahmen für ganz Hessen vorzugeben. „Zielführend kann und muss es aber sein eine landesweit einheitliche Regelung bzgl. des Ampelsystems zu finden. Daher bittet der Verband die Landespolitik in deren Eskalationskonzept für die einzelnen Warnstufen einheitliche Rahmenbedingungen für den Sport in allen hessischen Kreisen und Kommunen zu schaffen“, hießt es in der HFV-Mitteilung. „Dies würde ganz erheblich dazu beitragen, dass Unsicherheiten bei den vielen Ehrenamtlichen vermieden werden, deren Verantwortung schon jetzt enorm ist.“ (Der Text wurde im Vergleich zur ursprünglichen Fassung in einem Punkt ergänzt)

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