Koordinator Claus Schäfer vom Konzept überzeugt

DFB-Stützpunkte: „Corona-Krise hält uns nicht auf“

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Zuversichtlich für die Stützpunktarbeit: Claus Schäfer, Koordinator Nord in Hessen.

Noch Anfang Mai wollte der Deutsche Fußball-Bund seinen rund 1300 Stützpunkttrainern das Honorar streichen. Die Rolle rückwärts folgte rasch: Ab 8. Juni geht das Training weiter.  

Korbach/Frankenberg –Die Talentförderung ruhte, auf den Plätzen herrschte Corona-bedingt Stillstand. Seitdem die Politik den Sport im Freien grundsätzlich wieder erlaubt, ist die Sparmaßnahme vom Tisch. Am 8. Juni soll das Training wieder beginnen, auch an den Stützpunkten Korbach und Frankenberg, und Claus Schäfer sagt: „Wir haben ein sehr gutes Konzept.“

Vielleicht muss Schäfer das sagen, er trommelt als Stützpunkt-Koordinator Nord im Hessischen Fußball-Verband sozusagen auch in eigener Sache. Aber Schäfer ist vor allem verantwortlich für 15 Stützpunkte mit ihren jeweils drei oder vier Trainern und mehr als 350 Fußballjunioren.

"Das Gesundheitsrisiko so gering wie möglich halten"

Das erdet und macht vorsichtig, und je länger man dem diplomierten Fußballlehrer aus dem Kreis Büdingen zuhört, umso mehr glaubt man, dass es ihm bitterernst mit seiner Versicherung: „Ganz oben steht das Ziel, das Gesundheitsrisiko so niedrig wie möglich zu halten. Wir wollen deshalb eine hundertprozentige Vorbereitung haben.“

Die Stützpunkttrainer sind seit vergangener Woche in mehreren, teils individuell gehaltenen Videokonferenzen auf die Rückkehr zum Talenttraining unter verschärften Hygiene- und Abstandsregeln vorbereitet worden. „Wir haben uns eine Zeit von vier Wochen der Vorbereitung auferlegt, um alles in Ruhe zu durchdenken und um seriös und unaufgeregt beginnen zu können“, sagt Schäfer.

Grundsätzliche Zustimmung vor Ort

Die Übungsleiter vor Ort gehen offenbar mit. „Das ganze ist sehr stringent geregelt“, findet Bernd Keindl, der gemeinsam mit seinen Kollegen Volker Bandowski und Michael Briehl den Stützpunkt Korbach betreut. Sein Kollege Theo Schätte, der in Frankenberg gemeinsam mit Dieter Borufka und Reinhard Daume talentierte Junioren fördert, äußert sich über das Konzept ähnlich: „Ich kann es mir so vorstellen.“

Kern ist das Training in festen Kleingruppen. Jeder der drei Trainer trainiert jeweils vier namentlich benannte Jugendliche aus den zwei geförderten Altersklassen (U12/U13 und U14/U15) jeweils für eine Stunde. Diese unbedingte Zuordnung gilt auch jenseits des reinen Trainings und bis auf Weiteres – die Sichtung der Kinder des Jahrgangs 2009, die eigentlich nach den Sommerferien als neuer jüngster Jahrgang zu den Stützpunkten gestoßen wären, ist aus Vorsicht ausgesetzt worden.

Nicht mehr als zwölf Junioren pro Einheit

„Es besteht ein ganz enger Austausch vom Trainer zu den Spielern“, sagt Schäfer. Höchstens 24 Junioren können deshalb pro Trainingsabend betreut werden. Da in Korbach mehr Jugendliche gefördert werden, muss wenn nötig rotiert werden. Sollte einer der Trainer nicht können, müssen die ihm zugeordneten Schützlinge daheim bleiben.

Das DFB-Konzept regelt eine Fülle von Details. Auch die Jugendlichen und ihre Eltern müssen einiges auf sich nehmen. Sie für die neuen Zeiten zu „sensibilisieren“ (Schäfer), ist Teil der Aufgabe.

Indiviualtraining im Fokus

Fahrgemeinschaften etwa sollen nur Talenten derselben Kleingruppe erlaubt sein. Väter und Mütter dürfen dem Training nicht zuschauen, ihre Söhne müssen vor jeder Einheit einen ausgefüllten Fragebogen vorlegen und damit versichern, dass sie keine Symptome einer Erkrankung mit Sars-CoV2 zeigen, Schon ein „Ja“ auf der Checkliste heißt: heute kein Training.

Dass die Regeln mannschafts-spezifisches Training fast ausschließen, fällt an den Stützpunkten, anders als bei den Klubs, weniger ins Gewicht. Dort sei ohnehin zuletzt das Individualtraining forciert worden. „Uns spielt die jetzige Situation in die Karten“, sagt Claus Schäfer.

Achten müssen die Stützpunkt-Trainer in den Übungseinheiten auf viele Einzelheiten: nicht den Ball mit der Hand spielen, keine Zweikämpfe, aber auch keine freundschaftlichen Umarmungen. Die Altersklassen trainieren nacheinander, sie dürfen sich nicht auf dem Sportplatz begegnen. 

Angebot für andere Trainer

Zwischen den beiden Trainingseinheiten (in aller Regel montags) liegt deshalb eine Pause von 30 Minuten. Außerdem müssen sich die Trainer um die Desinfektion der benutzten Trainingsutensilien und der Bälle kümmern. Die Stützpunkte werden dafür vom Verband mit Desinfektionsmitteln ausgestattet, die Trainer bekommen außerdem Mund-Nase-Masken gestellt. 

Koordinator Claus Schäfer sieht in dem Konzept mehr als bloße Talentförderung unter dem Diktat einer Pandemie. Er deutet an, dass es als mögliche Blaupause für das Training von Amateuren überhaupt taugen könnte. „Unsere Trainer stehen allen anderen Trainern mit Informationen und Tipps zur Verfügung, wie man Training in dieser schwierigen Zeit organisiert“, betont er. Und er formuliert kämpferisch auch diesen Satz: „Uns hält die Corona-Krise nicht auf.“

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