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Zu wenige „Big Points“ und Heimpunkte: SG Bad Wildungen steigt ab, sieht das aber auch als Chance

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Von: Dirk Schäfer

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Tschüss, Gruppenliga: Tom Windhausen von der SG Bad Wildungen (rechts) und Enes Sezer (FV Felsberg) am Samstag beim Kopfball im letzten Saisonspiel.
Tschüss, Gruppenliga: Tom Windhausen von der SG Bad Wildungen (rechts) und Enes Sezer (FV Felsberg) beim Kopfball im letzten Saisonspiel. © Artur Worobiow

Sie wissen, woran es lag, sie blicken der Zukunft realistisch, aber nicht schlechten Mutes ins Auge – die Lage der Fußballer der SG Bad Wildungen/Friedrichstein nach dem doppelten Abstieg.

Berndorf statt Baunatal, Strothe statt Schwalmstadt. Der Fußball für die SG Bad Wildungen/Friedrichstein wird sich verändern. Nach 14 Jahren verlassen sie die überkreisliche Bühne, obwohl sie in der Gruppenliga gute Gegner wie Goddelsheim, Altenlotheim, Mengsberg, Brunslar und Schwalmstadt besiegten und vier Spieltage vor Ende mit 33 Punkten am rettenden Ufer standen. Und die zweite Mannschaft muss sich mit der A-Klasse anfreunden, obwohl sie in der Abstiegsrunde der KOL zehn Teams hinter sich ließ.

Immerhin: Die alte Saison klang siegreich aus. 2:0 (0:0) besiegten die Wildunger am letzten Spieltag Mitabsteiger FV Felsberg, verdient vor allem aufgrund der starken zweiten Halbzeit. Die Führung gelang Eugen Ruf mit einem traumhaften Tor rechts in den Winkel (54.). Das 2:0 war nicht minder schön: Leonard von-Körber, der sich zurück in seine Brandenburger Heimat verabschiedet, traf links in den Winkel (78.).

SG Bad Wildungen: Laun sieht zu wenige Spieler mit Gruppenliga-Niveau

Noch bevor die Saison am Samstag gegen Felsberg zu Ende gespielt war, richteten die Verantwortlichen die Blicke nach vorn, sprachen die Zuschauer über die Fahrten durchs Waldecker Land. Und über das „Warum?“. Wie konnte es passieren, dass der Gruppenliga-Zweite der Jahre 2014 und 15, der Sechste des Jahres 2018 diese Liga nicht mehr halten kann?

„Wir waren nicht überrascht darüber, dass es so schwer wird. Schon in den Corona-Saison war erkennbar, dass es für die obere Tabellenhälfte wohl nicht reicht“, sagt Carsten Laun im Rückblick. Und der Trend gibt dem Sportvorstand der Wildunger Recht: 11, 11, 14 hießen die Plätze der vergangenen drei Spielzeiten. Gerade angesichts der Ausgeglichenheit der Liga fehlte es der SG an zwei wichtigen Faktoren: „Die schlechten Ergebnisse in den direkten Duellen gegen Abstiegskandidaten haben uns das Genick gebrochen, außerdem die schlechte Heimbilanz“, so Launs Analyse. Hinzu kam eine mit 40 Treffern ganz mäßige Torausbeute.

So blieb es eben bis gestern bei 33 Punkten, weil von den letzten sechs Partien fünf verloren gingen. Die Altwildunger und Friedrichsteiner blicken aber nach vorne, realistisch. So wie sie es in den Spielergesprächen der letzten Wochen schon getan haben, als stets zweigleisig geplant wurde. „Für die erste Mannschaft sehe ich den Abstieg als Chance“, sagt Carsten Laun, während der Abstieg für die Zweite sehr weh tun würde.

Gleichwohl ist man sich bei der SG sicher, bereits gute Vorarbeit geleistet zu haben, um zwei schlagkräftige Kader aufbieten zu können. „Die Spieler, die bleiben, haben ligaunabhängig zugesagt“, so Laun. Da er die allermeisten charakterlich sehr schätzt, rechnet er nicht damit, dass viele jetzt noch einen Rückzieher machen.

Stützen sollen die Spieler des bisherigen Mannschaftsrates bleiben: Kevin Wathling, Janis Schuldt, Johannes Süring und Kai Döhring, ebenso Stefan Jobs und Norayr Jalilyan. Auch Keeper Mario Wörmann bleibt. Hinzu kommen eine Reihe junger Spieler mit guten Perspektiven, für deren Entwicklung der geringere Druck in der KOL wahrscheinlich gut ist.

Die bisherigen Zu- und Abgänge der SG

Für das Tor für beide Teams stehen laut Sportvorstand Carsten Laun auch Niclas Köhler und Leon Ludwig zur Verfügung, der vom SV Braunau wechselt. Von der SG Wesetal zieht es Offensivmann Dennis Gruhler nach Wildungen, von der SG Ungedanken/Mandern kommt Tobias Leimbach, Bruder des Trainers. Viel verspricht man sich auch von zwei ukrainischen Flüchtlingen.
Auf der Abgängerseite gibt es eine nicht gewollte Personalie; Almedin Zahovic, vor der Saison aus Felsberg gekommen, hat sich entschieden, es bei Neu-Verbandsligist TSV Wabern zu versuchen. Hingegen waren die Wechsel von Tobias Becker (zurück zur SG Wellen/Wega) sowie der Torhüter Johannes Binder (SG Ungedanken/Mandern) und Christian Seibert (TSV Gemünden) dem Vorstand länger bekannt. (schä)

Erfahrung und jugendliche Unbekümmertheit mischen sich auch weiterhin gut im SG-Kader. „Und wir brauchen auch eine Liga weiter unten die Stützen im Team“, sagt nicht nur Trainer Jan Leimbach, der bleiben wird und weiter mit neuen Ideen von außen die Mannschaft voranbringen möchte.

Dass ihm das nicht gut gelungen ist, ebenso wie seinem Vorgänger, dem bis September tätigen Coach Jörg Schäfer, möchte Carsten Laun so nicht behaupten. Den Spieler mache er keine großen Vorwürfe, beide Trainer hätten gute Arbeit geleistet. Der frühere SG-Spieler Leimbach habe gezeigt, dass er die Spieler mitreißen kann. „Wir haben viele Spieler auf sehr gutem Kreisoberliga-Niveau, die aber nur ab und zu Gruppenliga-Niveau erreichen. Konstant konnten sie diese Leistungen nicht zeigen, aber sie haben alles gegeben.“

Wiederaufstieg ist das Ziel für beide Wildunger Mannschaften

Es ist an Leimbach, das Niveau der Kicker wieder konstanter auf Gruppenliganiveau zu heben. Denn bei der Zielsetzung für die neue Saison verbergen sich Trainer und Vorstand nicht hinter Ausreden und Tiefstapelei: „Wir wollen mit beiden Mannschaften den sofortigen Wiederaufstieg“, sagt Laun.

Der Weg dorthin wird etwas dornig werden, da machen sie sich nichts vor in der Kurstadt: „Es wird knackige Derbys geben und spannende andere Spiele. Wir treffen auf Gegner, die 120 Prozent geben, um Wildungen zu schlagen. Und wir werden auch eine gewisse Häme aushalten müssen.“ Der TSV/FC Korbach hat vieles von dem auch durchgemacht und kehrt nun in die Gruppenliga zurück. Vielleicht musste SG-Vorsitzender Michael Neuhaus an den KOL-Meister denken, als er nach dem 0:2 in Homberg und dem besiegelten Abstieg schon an die Zukunft dachte und trotzig meinte: „Jetzt können wir auch mal wieder den Waldecker Pokal gewinnen.“ (Dirk Schäfer)

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