Hessischer Verband weitet Pilotpropjekt aus - auch auf alle Waldecker Seniorenligen

Laptop statt Mappe: Spielerpässe der Fußballer werden digital

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Einheften, abhaken, umblättern: Die Passmappe so wie man sie kennt wird künftig nur noch in Ausnahmefällen benötigt. Zur neuen Saison wird auf den digitalen Spielerpass umgerüstet – bis hinunter zur C-Liga. Unser Bild entstand beim Hessenpokalspiel in Adorf und zeigt einen Blick in die „Bürokratie“ des SC Willingen. 

Kassel – Bald sind sie wohl Geschichte, die uralten Passbilder in den Mäppchen der Fußballvereine. Denn diese werden nur noch gebraucht, wenn die Technik streikt und die so genannte Spielerberechtigungsliste nicht vorliegt.

Gesichts- und Einsatzkontrolle wird ab sofort bis hinunter in die Kreisligen in Hessen elektronisch geregelt. Der digitale Spielerpasswird eingeführt – flächendeckend in einem Jahr, als Modellversuch in vielen Fußballkreis des Landes; auch in Waldeck.

Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Was ist der digitale Spielerpass?

Die digitale Form soll den Spielerpass in Papierform ersetzen. Die Akteure werden über ein Spielerfoto legitimiert, das der Verein im DFB-Net hochladen muss. Der Schiedsrichter bekommt vor der Partie keine Mappe mehr vorgelegt, sondern kontrolliert die Akteure anhand einer Spielberechtigungsliste an einem Computer oder Tablet. Diesen muss der Gastgeber-Verein bereit stellen.

Warum wird der digitale Spielerpass eingeführt?

Der Verband will die Kontrollen für Schiedsrichter, Vereine und Klassenleiter erleichtern. „Vergessene Spielerpässe, fehlende Vereinsstempel und lästiges Warten auf Passbilder gehören der Vergangenheit an“, gab der HFV bekannt. Es handelt sich aber noch um eine Testphase. Ist für alle Spieler, die eingesetzt werden, das Bild in der Datenbank hinterlegt, muss kein Pass in Papierform mehr vorgezeigt werden. Es gibt diese aber weiterhin, die Vereine müssen sie weiter zu den Partien mitbringen.

Was ist das Ziel des Verbandes?

Der Verband will „eine Entbürokratisierung und weniger Bestrafungen“. Das langfristige Ziel des HFV ist die „vollständige Abschaffung des herkömmlichen Spielerpasses in Papierform zum Verbandstag im Juni 2020“. Dafür muss dort allerdings die Satzung und Ordnung geändert werden.

Was passiert, wenn das System ausfällt oder der Internetempfang zu schwach ist?

Die Vereine müssen die ausgedruckte Spielberechtigungsliste inklusive Fotos der Akteure mit zu den Partien bringen. Denn bei einem Systemausfall werden die Spieler darüber legitimiert. Zudem gibt es wie bisher auch weiterhin die Pässe in Papierform.

In welchen Ligen gibt es den neuen Spielerpass?

In der Hessenliga gab es den digitalen Pass schon in der vorigen Saison. Nun weitet der Verband diesen auf Verbands- und Gruppenligen der Männer, Frauen und Junioren aus. Hinzu kommen Ligen aus 22 Kreisen hessenweit. In Nordhessen sind das die Kreisoberliga Schwalm-Eder sowie alle Spielklassen der Kreise Waldeck (Kreisober- bis zur C-Liga) und Hofgeismar-Wolfhagen.

Gilt das auch für Junioren?

Nur für die Teams von der Gruppenliga aufwärts. In den Ligen im Kreis verzichtet Waldeck noch darauf.

Gibt es Strafen, wenn nicht alle Vereine zum Saisonstart den Digi-Pass fertiggestellt haben?

Da es sich um eine Pilotphase handelt, wird es keine Bestrafungen in diesem Fall geben. Darauf habe man sich mit den Klassenleitern verständigt, erklärt Matthias Henkelmann, Waldecks Schiedsrichterobmann. 

Die Unparteiischen seien angehalten, es im Spielbericht zu vermerken, wenn die Spielberechtigungsliste nicht vorliegt oder noch nicht alle Bilder online sind. Betroffene Vereine würden dann von Zeit zu Zeit erinnert, dies noch zu erledigen. „Ein Bild hochzuladen, dafür bedarf es eines Knopfdrucks. Ich empfehle, alle für eine Mannschaft hochzuladen und dann direkt die Liste komplett auszudrucken. Dann hat man schon alles parat“, so Henkelmann.

Wie erfolgt die Kontrolle, wenn Fotos fehlen?

Henkelmann: „Der Schiedsrichter kontrolliert am PC alles ganz normal, anschließend dann die fehlende anhand von Spielerliste oder Passmappe. Die Rückennummer soll dabei im Spielberichtsbogen vermerkt werden

Und was sagen die Vereinsvertreter dazu?

Größtenteils begrüßen die heimischen Vereinsvertreter die Neuerung als Erleichterung in der Spieltagsabwicklung. Es gibt aber auch Kritik an der Idee des Hessischen Fußballverbandes. 

"Marketing auf Kosten der Vereine "

Carsten Strippel etwa macht keinen Hehl aus seiner Sichtweise. Er sieht neben den Vorteilen auch eine gewisse Instrumentalisierung. „Der Verband wird irgendwann die aktuellste Seite auf dem Markt haben. Die Zeit dafür hat aber der Vereinsvertreter investiert“, sagt der Vorsitzende des TuS Bad Arolsen. Und fügt ernüchtert an: „Am Ende geht es darum, dass der HFV mit seiner Fußballseite Geld machen will. Von den Werbeeinnahmen wird aber sicher nichts an der Basis landen“, kritisiert Strippel

Einmal muss man sich die Arbeit machen. Aber wenn erst einmal alles eingegeben und hochgeladen ist, ist das eine bequeme und nützliche Sache – so ist der Tenor unter den Betroffenen. „Ich begrüße das und sehe darin auch kein Problem. Es erleichtert unterm Strich unsere Arbeit“, sagt Wilhelm Emde, Obmann beim TSV Berndorf. 

Löchrig: Mit der Einführung des digitalen Spielerpasses sind im DFB-Net für alle Nutzer auch Bilder der Spieler zu sehen - wenn der Verein und der betreffende Spieler dies wollen. Screenshot: WLZ

Auch Friedhelm Bunte gewinnt dem Digi-Pass nur Positives ab: „Ich kenne das DFB-Net in und auswendig, weil ich lange Jahre damit arbeite, und verspreche mir nur Erleichterung durch den Digitalpass. Man hat einfach die Pässe nicht mehr zu sortieren“, sagt der Vorsitzende des B-Ligisten SV Gembeck. 

Sein Vorteil gegenüber Strippel: Er hat deutlich weniger Spielernamen und -bilder zu verwalten als ein größerer Club. „Wir haben rund 200 Spieler, allein 50 haben vorige Saison in der zweiten Mannschaft gespielt“, umfasst der Arolser Vereinschef den Berg an Arbeit. 

Wilhelm Emde hat richtet derweil einen guten Vorschlag an den HFV: "Warum nicht die Passgebühr reduzieren, wenn alles online läuft?" 

"Einfacher und schneller, aber..."

Auf Blockadehaltung ist Emde übrigens bei den TSV-Spielern in Sachen Datenschutz aber nicht gestoßen, was die Zustimmung zu einer Freigabe des Porträtfotos im Internet betrifft. „Bis auf einen haben das alle unterschrieben.“ 

Die meisten scheint es nicht (mehr) zu stören, dass der Mensch immer gläsenerer wird. Von den Fußballerinnen seien mittlerweile alle Bilder hochgeladen, berichtet Ernst Weidenhübler, Manager beim SV Anraff und stellvertretender Vorsitzender bei Eintracht Edertal. 

Der 65-Jährige sieht Plus und Minus im digitalen Spielerpass. „Er macht die Sache sicher einfacher und schneller. Allerdings wird das den Vereinen auch wieder übergestülpt, wie bei der Einführung des elektronischen Spielberichts“, meint Weidenhübler. Der DFB habe genug Geld, die Landesverbände genug Einnahmen allein durch Bestrafungen und Gebühren. „Jedem Verein hätte schon damals ein Laptop zur Verfügung gestellt werden können. Aber es wurden nur einige ausgelost, dabei sind das schon enorme Kosten für die ganze Hardware.  (schä/mko)

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