Früherer Schalke-Manager und Lok-Moskau-Sportdirektor zu Gast beim Hallenfußball in Arolsen 

Stoffelshaus: "Russlands Top Fünf halten überall mit"

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Von Moskau nach Bad Arolsen: Erik Stoffelshaus war am Wochenende Gast des Westheimer Hallenmasters. 

Bad Arolsen – Unter den mehreren hundert Zuschauern beim 16. Westheimer Hallenmasters war Erik Stoffelshaus der prominenteste. Der TV Rhoden hatte den ehemaligen Schalker Manager eingeladen, er ist mit einer Rhoderin verheiratet.

Der 48-Jährige kam als frischgebackener Ex-Sportdirektor des amtierenden russischen Meisters Lokomotive Moskau – er war kurz vor dem Jahreswechsel zurückgetreten; er habe seinen im Mai auslaufenden Zweijahresvertrag ohnehin nicht verlängern wollen, sagte er. 

Am Rande des Hallenmasters, das der SC Willingen gewann, beantwortete Stoffelshaus Fragen zum russischen Fußball.

Profifußball in Russland: Über die Premjer-Liga weiß man bei uns gemeinhin nicht so viel. Was ist anders als im Westen?

Grundsätzlich nicht viel. Es ist eine sehr anspruchsvolle Liga. Das zeigt sich zum Beispiel auch daran, dass der russische Meister in der Champions League in Topf eins gesetzt ist. Die Top Fünf der russischen Liga können sicher überall in Europa mithalten.

Trotzdem sind russische Erfolge im europäischen Vereinsfußball relativ rar.

Stimmt – genau wie deutsche Erfolge in der letzten Zeit. Der letzte Sieg liegt auch schon zurück; 2013 war das, als die Bayern das Champions--Leaugue-Finale gegen Dortmund gewannen.

Die Bayern waren fast immer im Halbfinale...

Ja, aber letztlich wird es doch immer an Pokalen gemessen. Und da hatten sicher auch St. Peterburg 2008 mit dem Sieg im UEFA-Pokal oder 2005 ZSKA Moskau mit einem Europapokal-Sieg ein Highlight gesetzt. Grundsätzlich sind die russischen Mannschaften in Europa wettbewerbsfähig. Aber sich für ein Finale zu qualifizieren, egal ob Champions oder Europa League, ist halt immer sehr schwer. 

Doch nicht, dass wir uns falsch verstehen: Die Bundesliga gehört zusammen mit den Ligen in Italien, Spanien und England zu den stärksten Spielklassen weltweit. Aber vor den anderen Ligen muss sich die russische sicher nicht verstecken.

Es fällt auf, dass zwar viele internationale Profis in der Premjer-Liga spielen, aber umgekehrt wenig russische Fußballer in anderen europäischen Ligen. Woran liegt das?

Stimmt, aber warum, kann ich gar nicht genau sagen. Der russische Fußball hat relativ viele Talente. Aleksandr Golovin zum Beispiel, ein Superspieler, der auch bei der WM Akzente gesetzt hat, ist ja nach Monaco gewechselt. 

Bei Lokomotive Moskau etwa spielen überragende Zwillinge, Alexei und Anton Mirantschuk, beide Nationspieler, 22 Jahre alt, also im besten Alter. Und Dmitri Barinov, genau so alt, ist ein sehr guter Sechser. Es wundert mich selbst ein bisschen. Warum die europäischen Klubs da nicht anklopfen, kann ich nicht sagen, weil ich nicht deren Perspektive habe.

Ist es nicht eher eine Frage der Qualität der russischen Fußballer?

Nein, man hat gesehen, dass sie international mithalten können. Das hat auch die WM gezeigt, und die russische Mannschaft bestand fast ausschließlich aus Spi die Lust auf elern aus der russischen Liga. Insofern kann man schon sagen, dass die besten Spieler auf europäischem Topniveau sind.

Man verbindet im Falle Russlands spontan Sport und Politik miteinander. Ist das auch Ihre Erfahrung im Fußball?

Nein. Am Ende des Tages war meine Aufgabe als Sportdirektor bei Lokomotive Moskau keine andere als bei allen anderen Klubs in Europa, nämlich den Fußballklub zu führen. Darauf habe ich mich konzentriert. Ich war maßgebend für den Sport, für nichts anderes.

Was nehmen Sie aus Ihren zwei Jahren aus Moskau mit?

Unglaublich viele Eindrücke, und sportlich natürlich eine Meisterschaft und einen Pokalsieg. Überragende private Erfahrung war, dass wir Moskau als spannende, interessante Stadt, als echte Metropole erlebt haben. Jeder, der bei der WM war, hat gesehen, wie weltoffen Moskau ist. Insofern waren das zwei wunderbare Jahre, die ich nicht missen möchte.

Wie geht es für Sie beruflich weiter? Die Spekulationen über Ihren nächsten Arbeitgeber reichen von Manchester United bis Hannover 96.

Dazu sage ich, wie immer, gar nichts (lacht).

Sie sind in Arolsen Gast eines Hallenturniers: Teilen Sie die Meinung, dass hier ehrlicherer Fußball als bei den Profis gezeigt wird?

Das kann man so nicht sagen. Ich habe in meiner Zeit im Amateurfußball Hallenfußball geliebt, das war Budenzauber. Die Saison ging bis Mitte Dezember, dann ging’s in die Halle. Da hatte jeder Bock drauf. Das macht auch Spaß. Die Halle ist voll, man spielt normalerweise vor mehr Zuschauern als bei einem Heimspiel auf dem Feld. 

Dass das jetzt der ehrlichere Fußball, würde ich aber nicht sagen. Jeder Fußballer, der auf den Platz geht, spielt was es kann, egal auf welchem Level, und will gewinnen.

Noch ein Satz zu Ihrer Verbindung zum TV Rhoden: Sie besteht, weil Ihre Frau aus Rhoden stammt.

Ja, genau. Und wenn wir in der Heimat sind, dann sind wir erst mal in Rhoden. Dementsprechend haben wir auch viele Kontakte im Ort. Ich genieße das sehr, Rhoden ist ein schöner Kontrast zu Moskau.

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