Spieler sind eher in der Bringschuld

FC-Bayern-Fan Thomas Mertens hofft auf positive Corona-Effekte im Profifußball

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Zeit zu teilen: Thomas Mertens fände es gut, wenn in diesen virenverseuchten Wochen auch die Spielerberater der Profikicker einen Spendenpool gründen würden.

Fußball ist unser Leben, sang einst die deutsche Nationalmannschaft. Aber wie lebt es sich ohne Fußball?

Gibt es seit dem Abpfiff durch Corona mittlerweile auch Tage im Leben von Thomas Mertens an denen er nicht an Fußball denkt? „Nein, bislang noch nicht“, sagt der Geschäftsführer des Gruppenligisten TuSpo Mengeringhausen und Fan des FC Bayern München, der eine Dauerkarte für Heim- und Auswärtsspiele besitzt. Dieses Ticket ist nicht billig und der 43-Jährige erhält momentan durch das Spielverbot dafür von seinem Lieblingsclub keine Gegenleistung. Die Vereine, egal ob Profis oder Amateure, haben derzeit keine Einnahmequelle mehr und einige befürchten, dass sie in einigen Wochen Konkurs anmelden müssen.

Doch in Corona-Zeiten hilft man sich gegenseitig, eine Hand wäscht die andere. Dauerkarten- und Tageskartenbesitzer könnten ihren Lieblingsclubs anbieten, wir fordern das Geld nicht oder nur zur Hälfte zurück, damit der Verein über diese spielfreie Zeit finanziell besser hinwegkommt. Für Mertens ist das aber keine Option, er sieht hier weniger die Fans, sondern eher die Spieler in der Bringschuld.

Nicht jeder kann spenden

„Wer mehrere Millionen Euro auf dem Konto hat, kann eher mal auf eine Million verzichten als Fans, die sich eine Dauerkarte teilweise vom Mund absparen müssen“, sagt der Bilanzbuchhalter, der in einem Steuerbüro in Willingen arbeitet, auch im Hinblick auf die Hilfsaktion „#WeKickCorona“, die die Bayern-Spieler Joshua Kimmich und Leon Goretzka ins Leben gerufen haben.

„Ich selbst habe es auch nicht so Dicke, dass ich das ganze Geld dem FC Bayern spenden könnte“, betont Mertens, der im vergangenen Jahr seine langjährige Lebensgefährtin geheiratet hat. Ein klein wenig scheint ihm bei dieser Aussage aber schon ein schlechtes Gewissen zu plagen.

„Wenn natürlich alle so denken wie ich, wäre das für den FC Bayern ein großer finanzieller Verlust, die Dortmunder haben eine Zahl herausgegeben, dass ihnen pro Heimspiel ohne Zuschauer rund drei Millionen Euro entgingen, beim FC Bayern dürfte der Betrag ähnlich hoch sein.“

Keine großen finanziellen Verluste

Der Virus kam für Mertens sogar noch zu einem recht günstigen Zeitpunkt, denn er ist bisher nur mit vier Bundesligaspielen in Vorleistung gegangen. Er begleitet den FC Bayern auch stets in der Champions League und war Ende Februar noch in London beim 3:0-Hinspielsieg gegen den FC Chelsea im Stadion, dann wurde der Wettbewerb gestoppt.

So hat der 43-Jährige weder Karten noch Flugticket für das mögliche nächste CL-Auswärtsspiel geordert und kein Hotel gebucht. Was tut der FC Bayern in dieser Bleib-Zuhause-Zeit für die Fans? „Gefühlt recht wenig bis nichts, wobei ich auch nicht täglich gucke, was er macht und was nicht. Im vereinseigenen Fernsehen werden immer mal wieder alte Spiele angeboten, damit der Fan nicht ganz fußballabstinent leben muss. Zudem gibt es auf der Vereinshomepage Rate- und andere Unterhaltungsspiele gegen die Langeweile“. Der Club müsse aber auch nichts Großes für seine Anhänger tun, betont Mertens. „Ich bin nicht Fan geworden, damit mich der Verein in so einer Phase bespaßt oder unterstützt.“ Er freue sich schon, wenn er immer mal wieder eine Mail aus München bekomme, in der er über den Stand der Dinge informiert werde.

Große Fanclubs sind sehr engagiert

Auch in der Fan-Szene herrsche derzeit eher Funkstille, mit dem einen oder anderen habe er aber schon noch Kontakt. Allerdings seien die zwei großen FC-Bayern-Fanclubs „Club Nr. 12“ und die Ultragruppierung „Schickeria“ in München sehr aktiv.

Sie riefen im Internet zu Spenden auf, sammelten selbst Spendengelder durch den Verkauf von Fan-Gegenständen, oder unterstützen andere Menschen, ob beim Einkaufen, bei der Münchener Tafel oder als Blutspender.

Profifußball nicht mehr bodenständig

Mertens, der den FCB-Fanclubs Massenhausen und Usseln angehört, hofft, dass die Corona-Krise auch einige positive Einflüsse auf den Profifußball haben wird. „Ich teile die Einschätzung vieler Experten, dass Corona den Fußball entschleunigen und ihn von dem Kurs immer höher, weiter, teurer abbringen kann.“ Je nachdem, wie lange die Pause dauert, glaubt er zwar auch, dass diese Krise vielen Vereinen finanziell an Herz und Nieren gehen wird.

„Ich hoffe, dass Gehälter und Transfersummen wieder auf ein Niveau kommen werden, auf dem sich auch der Normalsterbliche wieder zu Hause fühlt. Der Fußball hatte ja schon ein wenig die Bodenhaftung verloren, ich hoffe, dass er wieder etwas menschlicher wird.“ Hier fallen einem sofort die Spielerberater ein. Denen würde ein Spenden-Pool auch gut zu Gesicht stehen.

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