Diskussion über Saisonabbruch und vermehrten Aufstieg 

Frauenfußball: Eine Verbandsliga mehr?

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Ein Wiedersehen in der nächsten Saison ist wahrscheinlich: Marie Wiesemann vom SV Anraff zwischen Natalie Stumpf (links) und Nele Walter von der SG Landau/Wolfhagen. 

Direktaufstieg statt Relegation: Für Hessens Fußballfrauen wird dieses Thema im Zuge des Saisonabbruchs weniger kontrovers diskutiert als für die Senioren. Sie haben es leichter.

Korbach„Wir haben relativ kleine Spielklassen. Ob wir in der neuen Saison mit 12 oder 14 Mannschaften spielen, das sehen wir relativ relaxt“, sagt Silke Sinning, die Vorsitzende des Verbandsausschusses für Frauen- und Mädchenfußball.

„Finale Beschlüsse“, wie der Hessische Fußball-Verband schreibt, muss der HFV-Vorstand bei den Frauen für den Verbandstag erst noch vorbereiten. Der Komplex, der übrigens ebenso die Jugend umfasst, müsse juristisch geprüft werden, sagt Silke Sinning. 

Dabei geht es etwa um die Frage, ob man die Teams, die sich in der Ligen der Frauen für eine Relegation qualifiziert hätten, direkt aufsteigen lassen kann, die Releganten bei den Senioren aber nicht. Auf dem Platz dürfen Aufstiege wegen der Corona-Pandemie derzeit nicht entschieden werden.

Während um eine praktikable Lösung für die Männerklassen gerungen wird, lässt Silke Sinning für ihren Zuständigkeitsbereich eine klare Tendenz erkennen: „Wenn wir damit Vereine ein Stück weit glücklich machen, wollen wir sie auch glücklich machen.“ Zumal es in einigen Ligen bei der Quotientenregelung sehr eng zugehe.

Entspannter sein als bei den Männern könne man im Frauenfußball auch aus einem anderen Grund, so Sinning: „Wir denken geografisch anders.“ Denn bereits ab der Kreisliga A wird nordhessenweit gespielt.

Mehr Klassen bei verkürzter Saison

Sollten tatsächlich auch die Teams aufsteigen dürfen, die auf einem Relegationsplatz stehen, wären die Ligen mit Blick auf den Saisonstart erst ab Mitte September (angedacht ist derzeit der 19.) statt wie üblich am ersten Augustwochenende teilweise womöglich zu groß. Die Verbandsliga Nord würde dann 15 Teams (aktuell elf) zählen.

Silke SinningVerbandsausschuss-Vorsitzende

Ein Modell, das Silke Sinning und Klassenleiterin Birgit Griesbach begrüßen, wäre, drei statt zwei Verbandsligen zu bilden. „Es wird wahrscheinlich eine verkürzte Saison geben. Hoffentlich verlieren wir bis dahin nicht zu viele Spielerinnen und Mannschaften“, so Griesbach. Beschließen dürfte der Verbandsvorstand am 6. Juni.

Waldecker Vereine würden von vermehrtem Aufstieg nicht profitieren. Zwei Teams ziehen aber Nutzen daraus, dass die Runde keine Absteiger kennt. Sowohl die SG Landau/Wolfhagen (11.) als auch der SV Anraff (9.) stehen in der Verbandsliga Nord auf Abstiegsplätzen. Dass sie bleiben dürfen, freut die Trainer – unter Vorbehalt.

„Klar ist es schön, dass wir drinbleiben. Allerdings hätten wir lieber auf sportlichem Wege den Klassenerhalt geschafft“, sagt SVA-Coach Dirk Wagener. Er gibt sich mit Blick auf das Restprogramms und „unserer Bombenvorbereitung“ überzeugt, dass sein Team den Klassenerhalt aus eigener Kraft geschafft hätte.

Auch eine Chance

Sein SG-Kollege Hagen Marquardt nennt das Bleiberecht eine „tolle Sache“ und betont gleichzeitig: „Das lässt uns aber nicht in Euphorie verfallen, weil wir wissen, dass wir eine ganz schlechte Hinrunde gespielt haben und nicht das gezeigt haben, was wir können.“ Marquardt sieht im Klassenerhalt für Landau/Wolfhagen umgekehrt auch eine Chance: „Wir können zeigen, dass wir in die Klasse gehören. Davon bin ich nach wie vor überzeugt.“

Ganz ähnlich äußert sich Dirk Wagener. „Wir sind ein Stück weit unter unseren Erwartungen geblieben und haben uns unter Wert verkauft, was wir uns selbst zuzuschreiben hatten.“ (mit sbs)

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