Vereine, Erfolge, Rückschläge, Stationen – 2000 bis heute

Frauenfußball in Waldeck: In gut 50 Jahren mehr als 30 Vereine im Spiel

Spielszene mit fünf Fußballerinnen, eine verdeckt.
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Kleine Vereine im Frauenfußball mit großem Durchhaltevermögen: Das Foto aus der Saison 2011 zeigt die Armsfelderin Janina Kümmel (rechts) beim Versuch, den Ball gegen die Ittertalerin Rebekka Scheffer zu behaupten. Links Katja Weinreich , im Hintergrund Janina Sporleder.

Jetzt ist Schluss: Mit Teil sieben geht unsere Serie über 50 Jahre Frauenfußball in Waldeck zu Ende. Im Anhang findet sich eine Übersicht: Welcher Verein hatte wann den femininen Kick im Angebot. Zusammengekommen sind 35 Adressen.

Wir erzählen das Wachsen und Werden des Frauenfußballs in Waldeck überwiegend anhand von Kollektiven, also Mannschaften und Vereinen. Doch natürlich hat er auch Talente produziert, die die Grenzen des Fußballkreises hinter sich ließen.

Bereits in den 1980er Jahren schafften es etwa die Freienhagenerin Kerstin Fisseler und Andrea Niehoff vom SV 09 Korbach in eine hessische Mädchenauswahl, der Verband beruft sie für das erste Auswahlturnier des Süddeutschen Fußball-Verbands. Sie waren die ersten.

Zu erzählen wäre weiter von Aufsteigerinnen wie Nina Ratzkowski (Korbach), die zum TSV Jahn Calden in die 2. Bundesliga ging: von Sandra Steinbach aus Landau, die mit der SG Praunheim das Finale um die deutsche Meisterschaft erreichte und als U-20-Juniorin vier Länderspiele bestritt. Auch das Bild von Carina Knöfel hängt in der kleinen Galerie der Waldecker Internationalen – sie wechselte im Jahr 2000 als U-18-Europameisterin zum SC Bad Neuenahr. Und natürlich Annika Niemeier aus Usseln. In ihrer Vita steht ganz prominent der WM-Titel mit dem U-19-Nationalteam. Dann ging sie zum Studieren in die USA.

Auch so geht Nachwuchsarbeit. Mädchen der SG Edertal bei einer Trainingseinheit mit Weltmeisterin Annika Niemeier.

Frauenfußball-Karrieren ohne Ball haben Simone Küster (Twiste) und Annelie Hauptvogel aus Adorf gemacht. Die eine als Teammanagerin der DFB-Frauen, die andere als Mitgründerin und langjähriges Vorstandsmitglied des 1. FFC Frankfurt. Es ist eine feine Auswahl, die nicht beansprucht, vollständig zu sein. Wir müssen es an dieser Stelle bei der kurzen Aufzählung belassen.

Das vierte Jahrzehnt

Der letzte Teil dieser Serie muss mit weiteren Namen auf der Liste der Verluste beginnen. Vorn steht der SV Mehlen. Während der Saison 2002/03 gibt der Bezirksoberligist (heute Gruppenliga) auf. Nach 15 guten Jahren Mädchen- und Frauenfußball. Der Kader ist vor der Rückrunde auf elf Spielerinnen geschrumpft. „Damit kann man nicht in der Bezirksoberliga spielen“, sagt der damalige Spartenleiter Bernd Haupenthal.

Lange zieht sich der Abschied der SG Diemelsee hin. Das Mitglied der ersten Waldecker Kreisliga (1981/82) meldet zur Saison 2003/04 keine Frauen mehr, kehrt jedoch zwei Jahre später auf dem Kleinfeld zurück. „Durch gute Resonanz und den eigenen Nachwuchs aus der Mädchenmannschaft wurde im Jahr darauf sogar eine Großfeldmannschaft gemeldet“, vermerkt die Vereinschronik. Der Atem reicht für zwei weitere Jahre, Personalmangel zwingt den Frauenfußball in der SG erneut in die Knie. Nun endgültig.

Der gleiche Schritt, die gleichen Erklärungen auch in Ederbringhausen: Neun Jahre nach dem fröhlichen Aufbruch schließen die Sportfreunde die Akte Frauenfußball. Nicht für immer.

Das fünfte Jahrzehnt

Zwischen 2011 und 2013 heißt Waldecks Frauenfußball nicht weniger als fünf Vereine willkommen – verlorene Töchter sind darunter, Debütantinnen auch. Doch wo es Gewinner gibt, sind die Verlierer nicht weit.

Beispiel TV Rhoden: Im Walmestadion gehen mit Beginn der Saison 2012/13 wieder Fußballfrauen auf den Platz, in der Spielzeit eins noch ohne Wertung in der Kreisliga B, im Jahr darauf in der A-Liga und mit Abschluss als Aufsteiger. Das rasche Hoch erklärt sich mit einem Tief in der Nachbarschaft des Roten Landes.

Spielerinnen der SG Hesperinghausen/Helmighausen/Neudorf hätten um die Aufnahme im Verein gebeten, schreibt der ehemalige Geschäftsführer Richard Bangert. Bei der Spielgemeinschaft hat es Querelen gegeben, sie wird während der Spielzeit 12/13 aus der Gruppenliga zurückgezogen. Die Spielerinnen zerstreuen sich, etliche gehen nach Rhoden. Das endgültige Aus nach gut 30 Jahren.

Dieses Muster wiederholt sich über all die Jahre immer und immer wieder. Der (heutige) TSV Korbach als größte Konstante etwa integriert im Laufe der Zeit Spielerinnen des TSV Freienhagen, des TSV Meineringhausen oder des SC Willingen, um drei Klubs zu nennen. Sie wollen mit dem Fußball nicht Schluss machen, nachdem er sich bei ihrem Stammverein erledigt hat. Korbach ist nur ein Beispiel.

Auch die Neugründungen der Zehnerjahre sind ohne Wanderbewegungen nicht oder schwer denkbar. Die SSG Ense/Nordenbeck gewinnt für ihren Versuch im Sommer 2013 nicht nur Anfängerinnen und Wiedereinsteigerinnen, sie rekrutiert ihre Spielerinnen zum Teil aus der 2011 gegründeten FSG Lichtenfels, so erzählt es der damalige Trainer Björn Hasecke.

In Waldeck die meisten Fußballmädchen

Die FSG schreibt über vier Jahre ein Kapitel im Juniorinnenfußball. Es ist die Zeit eines kurzen Mädchen-Booms, und der damalige Mädchenreferent Klaus Schlömp stellt Mitte 2011 nicht ohne Stolz fest: „In der Region Kassel ist Waldeck der Fußballkreis mit den meisten Mädchenmannschaften.“

Der TSV Odershausen kriegt sozusagen eine ganze Elf geschenkt – sie kommt von der SG Anraff/Giflitz/Friedrichstein. In der Chronik des damaligen Hessenliga-Absteigers heißt es unter dem 5. Juni 2013: „Von Anna-Lena Schestag kommt die Nachricht, dass sie – auf Wunsch der Spielerinnen – mit der gesamten Zweiten zum TSV Odershausen wechselt.“

Nach einer Kleinfeld-Saison fasst das TSV-Team in der Kreisliga A Fuß. Es bleibt sieben Jahre eine Adresse im Frauenfußball. Im Sommer 2020 muss sie der Verein löschen. „Wir waren einfach zu klein“, sagt der Vereinsvorsitzende Axel Finger. Das kann auch die SSG Ense/Nordenbeck von sich sagen – sie bringt ihre erste Großfeldsaison (14/15) nichts ins Ziel und erwirbt früh ihren Gedenkstein auf dem Feld der Ehemaligen.

Stolzes Armsfelder Kapitel

Direkt neben der SSG ruht der SSV Armsfeld. „Die Frauenfußballmannschaft konnte mangels Spielerinnen zur neuen Saison nicht mehr gemeldet werden“, heißt es lapidar im Bericht über die Hauptversammlung des Vereins im März 2016. 27 Jahre lang hat der kleine Verein aus dem Kellerwald durchgehalten. Respekt, eine erstaunliche Erfolgsgeschichte.

Eintracht Waldeck verabschiedet sich nach der Saison 2016/17 und fast 20 Jahren nach dem Comeback. Das Aus im TSV, der zu den Gründervereinen im Frauenfußball zählt, beschließen Spielerinnen und Vorstand gemeinsam – der Kader ist zu klein, der bisherige Trainer hört auf, die Torhüterin ist weg. Ein Neunerteam will der Verein nicht melden, eine SG eingehen auch nicht.

Damit ist im Süden des Waldecker Landes nur noch die SG Anraff übrig. Sie spielt seit ihrem zweiten Aufstieg in der Hessenliga 2014 (Abstieg nach zwei Jahren) als SV Anraff: Spielgemeinschaften dürfen nicht in die oberste Klasse des Verbands eintreten.

Flechtdorf und Volkmarsen zurück

Neues Leben erwacht im Norden. Aufbauend auf seiner soliden Nachwuchsarbeit wagt sich der VfR Volkmarsen wieder vor – zuerst (2010/11) macht der Traditionsverein, ebenfalls Pionier des Frauenfußballs, gemeinsame Sache mit der SG Wettesingen/Breuna. Die Verbindung hält zwei Jahre, die Spielzeit 2012/13 bestreitet der VfR solo in der Kreisliga A, taucht abermals ab und beginnt zur Saison 2015/16 unter Trainer Martin Funke, bis heute in Amt und Würden, in der gleichen Liga von vorn.

Mit Start derselben Spielzeit spielen auch für den TSV Flechtdorf wieder Frauen Fußball, 13 Jahre liegen zwischen Ab- und Wiederanmeldung. Der TSV macht aus der Not eine Tugend: Die im Jahr 2011 aufgestellten B-Juniorinnen sind zum Teil zu alt für diese Altersklasse geworden und können mit der Neugründung am Ball bleiben.

Ebenfalls schon 2010/11 geht der SV Battenhausen wieder an Bord. Beim in Waldeck „eingemeindeten“ Kellerwald-Verein liegen zwischen Ende und Neuanfang vier Jahre.

Größen im Waldecker Spiel der Frauen: Der TSV Korbach - hier mit Emily Henkler und Julia Rothe - sowie die SG Landau/Wolfhagen, für die Natalie Stumpf einen Heber probiert, sind die ältesten noch gültigen Adressen im femininen Kick.

Längst ist das sechste Jahrzehnt im Waldecker Frauenfußball angebrochen. Es hat in der FSG Buchenberg/Ederbringhausen schon einen Neuling begrüßt, dem man ein langes Spielen wünscht. Es bräuchte mehr von solcher Debütanten, dem weiblichen Fach im Fußballkreis fehlt die Basis – von den derzeit acht Vereinsadressen gehören drei zur Verbands- und zwei zur Gruppenliga, aber lediglich drei in die Kreisligen.

Der Frauenfußball werde nie den Stellenwert erlangen wie der Männerfußball. Dennoch sei er ein Sport, „der sehr viel Spaß macht“, sagt Frauenreferentin Gudrun Biederbick aus eigener Erfahrung. Sie könne jedem Mädchen „nur raten, doch mal reinzuschnuppern“. Das haben zuletzt bei Aktionen etwa in Anraff oder Korbach überraschend viele getan.

Die Frauen entdecken mancherorts die Nachwuchsarbeit wieder. Die Geschichte zeigt, dass der weibliche Kick ohne diese Investition keine Zukunft hat. Da unterscheidet er sich kein bisschen vom Männerfußball.

Frauenfußball wo und wann: 35 Vereine auf der Liste

SV 09/TSV Korbach: 1972 bis heute
TV Friedrichstein: 1972 bis 1980, davon vier Jahre (?) SG mit Bergheim; 1996 bis heute, seit 2000 SG mit Anraff

VfR Volkmarsen: 1972; 1997 bis 2002; 2010 bis 2013, davon zwei Jahre SG mit Wettesingen/Breuna; 2015 bis heute
TSV Waldeck: 1972 bis 1977; 1998 bis 2017

TuSpo Mengeringhausen: 1972 bis 1976, ein Jahr SG mit TSV Ippinghausen (?)
TV Bergheim: 1972 bis 1976, darunter zeitweise als SG Edertal mit Friedrichstein und?

TSV Landau: 1981 bis heute, seit 1993 SG mit FSV Wolfhagen
SG Diemelsee: 1981 - 2003; 2005 -2007

TSV Meineringhausen: 1981 bis 1993, davon anderthalb Jahre SG mit Ittertal
TSV Sachsenhausen: 1981 bis 1991

TSV Freienhagen: 1981 bis 1987
TV Korbach: 1981 bis 1983

SV Ittertal: 1982 - 1994, davon 1991 bis 1993 SG mit TSV Meineringhausen; 2004 bis heute
TuS Hesperinghausen: 1982 bis 1988; 1999 bis Winter 2012/13 in SG mit TuS Helmighausen und SV Neudorf

TV Rhoden: 1982 bis Ende Hinrunde 1986/87; 2012 bis heute
TSV Flechtdorf: 1983 bis 1998, davon 1986 bis 1990 SG mit SV Helmscheid; 2012 bis heute

TSV Sachsenberg: 1983 bis1986
TuS Arolsen: 1983 bis Winter 1985/86

SV GW Helmscheid: 1984 bis 1990, davon ab 1986 SG mit Flechtdorf
TuS Helsen: 1985/86; 1987 bis 1989 SG mit Schmillinghausen, danach mindestens drei Teilnahmen nur an Hallenrunde

TuS Wrexen: ? bis 1985/86 (A-Liga-Saison in Waldeck)
SC Willingen: 1986 bis 1991

SV Anraff: 1987 bis heute; SG mit TV Friedrichstein (2000 bis heute) und TSV Giflitz (1997 bis 2015/?)
TSV Schmillinghausen: 1987 bis 1989 SG mit Helsen

SSV Armsfeld: 1988 bis 2015, davon 2001 bis 2006 in der SG Kellerwald mit SV Battenhausen
SV Neukirchen: 1990 bis 1998

SV Mehlen: 1992 bis Winter 2002/03
TSV Giflitz: 1996 bis 2015 (?), seit 1997 SG mit Anraff und ab 2000 mit Friedrichstein

Spfr. Ederbringhausen: 1994 bis 2003; ab 2021 FSG mit SV Buchenberg
TSV Berndorf: 2000 bis 2005 nur Hallenrunde; 2008/09

TSV Odershausen: 2013 bis 2020
SSG Ense/Nordenbeck: 2013 bis Winter 2014/15
FSG Buchenberg/Ederbringhausen: seit 2021.

Die Liste ist chronologisch aufgebaut, die Jahreszahlen orientieren sich meist an der Liga-Zugehörigkeit und weichen in vielen Fällen von der Gründung der einzelnen Frauenfußball-Sparten ab. Sollten uns Fehler unterlaufen sein, bitten wir um Nachsicht. Nicht berücksichtigt sind die Vereine aus anderen Kreisen, die in Waldeck gespielt haben oder spielen.

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