Der verletzte Fußballprofi aus Korbach im Interview 

Bandowski: Im Moment geht es mir gut

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Ein Bild aus guten Tagen: Jannik Bandowski in seinem bisher letzten Zweitliga-Einsatz für den VfL Bochum am 13. April 2018 im Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern.

Korbach. Wenn am nächsten Donnerstag Fußball-Zweitligist VfL Bochum im neuen Willinger Upland-Stadion auf Borussia Mönchengladbach trifft, wäre er gern dabei gewesen. Na klar. Doch das Schicksal meint es gerade nicht sehr gut mit Jannik Bandowski.

Der aus Korbach stammende VfL-Profi befindet sich nach einem Kreuzbandriss in der Reha. Er arbeitet an seiner Rückkehr. Zum Interview haben wir ihn in München erreicht.

Als Sie für dieses Interview zugesagt haben, haben Sie da auch gedacht, jetzt wird wieder mehr über Verletzungen und Krankheiten gesprochen als über Fußball?

Jannik Bandowski: Das gehört bei mir ja leider mit dazu, deshalb ist das kein Problem.

Starten wir mit einer eher neutralen Frage: Können Sie momentan entspannt Bundesliga-Fußball schauen?

Bandowski: Ich muss sagen, ich habe mich während der Saisonvorbereitung so wenig wie noch nie mit Fußball beschäftigt. Ich konnte gar nicht sagen, wann es wieder los geht, sei es 1. oder 2. Bundesliga. Seitdem der Ball wieder rollt, verfolge ich es deshalb schon relativ entspannt.

Seit zehn Jahren weg aus Korbach

Statt vier, fünf Mal Training mit der Mannschaft und dem Spiel am Wochenende quälen Sie sich wieder einmal in der Reha. Wie sieht Ihr Tagesablauf aus?

Bandowski: Hier in München habe ich täglich zwei Behandlungen von jeweils einer Stunde, dazu etwa zwei Stunden spezielles Reha-Training. Und nachmittags ist noch eine Stunde Ausdauer angesagt, sei es beim Spinning oder beim Aqua-Jogging. Zwischendurch war ich auch in Regensburg, da war es noch härter, da hatte ich von 9 bis 18 Uhr praktisch volles Programm.

Und das Knie samt Kreuzband hält?

Bandowski: Von der OP bis zur Reha ist alles super gelaufen. Das Knie war bislang reizfrei und ist sehr stabil.

Sie werden wegen der Reha in München das Spiel des VfL Bochum gegen Borussia Mönchengladbach am kommenden Donnerstag in Willingen verpassen. Es wäre eine gute Gelegenheit gewesen, alte Waldecker Kumpels zu treffen. Wie eng ist noch die Verbindung in die Heimat?

Bandowski: Was die Familie angeht, noch sehr eng. Ich fahre auch so oft es geht nach Hause. Mit den früheren Mitspielern sind die Kontakte selten geworden. Ich bin ja auch schon vor zehn Jahren aus Korbach weggegangen.

"Klar, fragt man sich, warum ich schon wieder“

Die nächste Frage stellt sich angesichts der langen Leidensgeschichte, allein zwischen 2013 und 2017 waren Sie zweieinviertel Jahre verletzt oder krank, fast von selbst: Haben Sie an irgendeinem Punkt mal ans Aufhören gedacht?

Bandowski: Nein, bislang noch nicht. Klar, direkt nachdem es passiert ist, fragt man sich schon, warum ich schon wieder und dann auch noch so eine schwere Verletzung. Das ging bis zur OP, aber zwei, drei Tage später hatte ich die Sache verarbeitet. Ab da habe ich nur noch nach vorne geschaut, alles andere bringt sowieso nichts.

Wie wichtig ist der Rückhalt der Familie, etwa von Ihrem Vater Volker, der Sie trainiert hat, oder von Ihren jüngeren Brüdern Malte und Tjarde, die zusammen beim FSC Lohfelden spielen?

Bandowski: Ganz wichtig. Meine Eltern waren auch während der Operation mit in München und haben mich die ersten Tage begleitet. Danach war ich so lange zuhause, bis ich mein Bein wieder allein aus dem Bett heben und in die Reha nach München konnte.

Fühlen Sie sich auch ausreichend von Ihrem Verein VfL Bochum unterstützt?

Bandowski: Wir haben regelmäßigen Kontakt und ich war jetzt auch schon zwei, drei Mal in Bochum und habe bei den Jungs vorbeigeschaut. Aber klar, auch beim VfL läuft das Tagesgeschäft weiter.

"Eine Reha ist immer auch eine Chance"

Jetzt sind wir endlich beim Fußball angekommen: Wie sieht Ihr persönlicher Fahrplan fürs Comeback aus?

Bandowski: Da will ich mich nicht festlegen, aber als Ziel habe ich schon den Rückrundenstart im Hinterkopf. Ob das realistisch ist, das wird man sehen. Momentan geht es mir gut, ich bin jetzt im vierten Monat in der Reha und mache gute Fortschritte.

Wenn Sie gespielt haben, sei es in Dortmund, bei 1860 München oder in Bochum, sind Ihr Talent und Ihre Schnelligkeit stets aufgeblitzt. Sind Sie zuversichtlich, dass Sie das demnächst mal länger abrufen können?

Bandowski: Eine Reha ist immer auch eine Chance andere Schwächen aufzuarbeiten. Entsprechend ist mein Ziel, topfit da rauszukommen, um dann hoffentlich von weiteren größeren Verletzungen verschont zu bleiben und konstant über längere Zeit zu spielen.

Bei der letzten Frage können Sie einen Wunsch äußern: Welche Überschrift möchten Sie möglichst bald nicht nur in der Waldeckischen Landeszeitung lesen?

Bandowski: Schwierig, da fällt mir spontan nichts ein. Ich will jetzt erst mal wieder gesund werden und dann noch möglichst viele Spiele für den VfL Bochum bestreiten. Mein Vertrag läuft im nächsten Sommer aus, dann schauen wir mal, wie es weitergeht. Mein Fernziel ist schon, irgendwann noch mal in der 1. Bundesliga zu spielen.

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