Fußball in Corona-Zeiten:

Kein Happy End für Jannik Bandowski in Haching

Spielszene beim Fußball: Jannik Bandowski von der Spvgg. Unterhaching (links) schießt gegen Magdeburgs Sirlord Conteh.
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Kaum noch Punkte geholt nach der Corona-Pause: Jannik Bandowski (links, gegen Magdeburgs Sirlord Conteh) verpasste mit Unterhaching den Aufstieg.

Die Hoffnung auf die 2. Bundesliga war groß – vor der Corona-Pause. Danach schwand sie schnell: Wie hat Jannik Bandowski in Unterhaching Fußball mit und während der Pandemie erlebt?

Die meisten Fußballer aus dem Waldecker Land mussten ab Mitte März die Füße still halten und lange warten, bis sie wieder auf den Sportplatz durften. Er nicht: Jannik Bandowski hat trainiert und Fußball gespielt, auch während der bundesweiten Lockdown-Phase fast durchweg. Für den Korbacher, der für die SpVgg Unterhaching in der 3. Liga spielt, war die Corona-Krise auch eine sportliche Krise: wenig Einsatzzeit, Aufstiegstraum geplatzt.

Als die WLZ Ende März über Bandowski berichtet hat, stand der 26-Jährige mit Unterhaching auf dem dritten Tabellenplatz, punktgleich mit dem Rangzweiten Mannheim, knapp hinter Primus Duisburg. Die Zwangspause nutzte der älteste der drei talentierten Fußballbrüder zum Auftanken daheim in Korbach. Auch Anfang letzter Woche fuhr Bandowski wieder in die Hansestadt. Hinter ihm liegt eine ebenso ungewohnte wie unglückliche Phase seiner Karriere.

Recht kurz war die Pause; Anfang April ging es für die Hachinger bereits weiter mit Training; die Clubs aus den Profiligen genossen bekanntlich Sonderstatus. „In Kleingruppen ging es los – erst Vierer-, dann Sechsergruppen. Wieder ein, zwei Wochen später waren dann Achtergruppen erlaubt. Unser Trainerteam war sechs, sieben Stunden auf dem Platz, da alle Gruppen hintereinander trainiert haben“, erinnert sich Bandowski an die besondere Situation. Erst zwei Wochen vor dem ersten Ligaspiel gab es das Go für ein herkömmliches Training.

Wobei im Grunde ja nichts herkömmlich war in diesem Corona-Frühjahr. Die Spieler mussten während der Restspielzeit der Saison ins Quarantäne-Hotel; Privatleben adé. Schutzvorkehrungen wurden zum Alltag, wie etwa der Rachenabstrich jeweils einen Tag vor und nach einem Spiel. 18 Corona-Tests habe er gemacht seit dem Re-Start, berichtet Bandowski. Sein Team hatte wie alle anderen Drittligisten elf Spiele in fünf Wochen zu absolvieren.

Nach Knieverletzung nur noch Teileinsätze

Der Korbacher, der aus Bochum nach langer Verletzungspause im vorigen Sommer den Schritt zurück in Liga drei gegangen war, hatte allerdings nur wenige Einsätze. Nach einer Woche Teamtraining zog er sich eine Knieverletzung zu, die sich länger hinzog als erwartet. „Wir hatten dann sportlich keinen großen Druck mehr, sodass wir gesagt haben, wir riskieren nichts und setzen lieber auf einen vernünftigen Aufbau“, sagt Bandowski, der in den letzten Partien der Saison noch Teileinsätze fuhr.

Helfen beim Unternehmen Aufstieg konnte der 26-Jährige nicht mehr. Denn Unterhaching spielte nach dem Re-Start nicht besser als Schalke und Köln in der Bundesliga – Mannheim und Duisburg erging es übrigens kaum besser. Schon drei, vier Spiele vor Rundenende war nach guter Ausgangsposition die Chance verspielt: nur sieben Punkte in elf Spielen, zehnmal in Folge nicht gewonnen. „Das erste Spiel war sogar ein Sieg, und die Euphorie war groß. Aber danach lief es nicht mehr“, berichtet Bandowski vor ernüchternder Stimmung in der Mannschaft.

Sehr schwer tut er sich schwer mit einer Antwort auf die nahe liegenden Frage: „Ist Corona Schuld an der Misere? „Wir haben in der Rückrunde auch vorher schon nicht gut gespielt“, findet er. Schließlich hätten dann auch die Ergebnisse nicht mehr gestimmt.

Gut vorbereitet auf den Wiedereinstieg fühlte sich Bandowski mit seinem Team trotz nur zwei Wochen uneingeschränkten Trainings. „Natürlich hatte die Vorbereitung nicht das gewohnte Niveau. Aber das galt für alle Mannschaften. Und ich denke, wir hatten ein gutes Level.“ Eine genauere Analyse sei ein längerer Prozess, meint der Korbacher.

Mitte September beginnt die neue Saison der 3. Liga, deren Rahmenterminplan Bandowski okay findet. „Dreieinhalb bis vier Wochen Pause sind in Ordnung.“ Das verwundert nicht. Zuviel trainiert und gekickt hat er ja 2020 noch nicht.

Kündigung? Bandowski will bleiben

Wie geht’s weiter für die SpVgg Unterhaching? In Sachen Infrastruktur gab es einen Erfolg: Der Verein kaufte das Stadion am Sportpark für 3,3 Millionen der Stadt ab. Und sportlich? Präsident Manfred Schwabl hat angekündigt, jeden Stein umdrehen zu wollen. Ohnehin müssen die Vereine ihren Ist-Zustand ermitteln, denn einigen hat die Krise samt ausbleibender Einnahmen möglicherweise sehr geschadet.

„Die Vereine wissen selbst noch nicht, wie gut sie finanziell aufgestellt sind“, glaubt Bandowski. Dass ihn die Krise seinen Job kosten könnte, glaubt er aber nicht. Gedanken an einen erneuten Tapetenwechsel hegt er überdies nicht, zumal sein Vertrag noch bis Juni 2021 läuft. „Es gibt keinen Grund, um Haching zu verlassen.“ Bandowskis Ziele bleiben: Verletzungsfrei bleiben, Stammspieler werden.

Ob von Anfang wieder Fans dabei sein dürfen, ist offen. „Wir leben nicht so sehr von der Heimkulisse wie Magdeburg oder Rostock“, meint Bandowski. Es sei ungewohnt und komisch, aber leider auch bereits Normalität, vor leeren Rängen zu spielen. „Wobei man die interessante Erfahrung macht, dass auch ohne Zuschauer Hektik und Nervosität aufkommen und von außen reingetragen werden können.“

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